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Samstag, 25.11.2017
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Gegensätzliche Weltsysteme

Galilei, das kopernikanische Weltbild und die Kirche

Im Dezember 1604 beobachtet Galilei einen „neuen Stern“, eine Supernova, die in der Konstellation Schlangenträger aufflammt. Im Jahr 1609 hört er von einem Instrument, das vergrößert und das angeblich holländische Brillenmacher konstruiert haben. Sogleich baut er es nach und eröffnet damit ein neues Fenster zum All. Galilei publiziert den Sidereus Nuncius. Er wird als „Kolumbus des Himmels“ gefeiert und zum Hofphilosophen der Medici in Florenz ernannt.

Das heliozentrische Weltbild

Das heliozentrische Weltbild

Die den Jupiter umkreisenden Monde bestärken Galilei in der Annahme des kopernikanischen Weltbilds, wonach nicht die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, sondern die Sonne. Und auf dieser beobachtet er auch noch Flecken – was dem Dogma der "sol immaculata" – der unbefleckten Sonne - widerspricht und im Gegensatz zur theologischen Lehrmeinung steht.

Sonne im Mittelpunkt


Zunächst aber ist Galileis Verhältnis zur Kirche entspannt. Er hat persönlichen Kontakt mit Kardinal Maffeo Barberini, dem späteren Papst Urban VIII. und wird auf dessen Veranlassung hin in die Gelehrtenvereinigung Accademia dei Lincei aufgenommen. Doch Galilei tritt immer offener für das kopernikanische Weltbild ein. Damit bringt er sich in eine heikle Lage.

Jetzt tritt die Inquisition auf den Plan. Der Kardinal-Inquisitor in Rom, Roberto Bellarmino, „ermahnt“ Galilei, die kopernikanische Theorie in Zukunft nicht mehr als Tatsache zu vertreten. Noch aber bleibt Galilei von der Kirche ungeschoren. Im Jahr 1621 wird er zum Konsul der Florentiner Akademie gewählt.

Seine zwei Jahre später erschienene Schrift Saggiatore widmet er Papst Urban VIII. Darin äußerst er die Überzeugung, das Buch der Natur sei in mathematischer Sprache geschrieben, „und die Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren, ohne die es dem Menschen unmöglich ist, auch nur ein Wort zu verstehen; ohne sie ist es ein vergebliches Herumirren in einem dunklen Labyrinth“.

Die Inquisition verhängt lebenslangen Hausarrest

Vor der Inquisition


Galilei begibt sich im Mai 1630 nach Rom, um die Druckgenehmigung für den Dialog über die zwei Weltsysteme einzuholen. Die „volle Zufriedenheit“, mit der er kurz darauf zurückkehrt, soll nicht lange anhalten: Der Inquisitor von Florenz fordert Galilei auf, spätestens im Oktober 1632 vor dem Generalkommissar der Inquisition in Rom zu erscheinen. Galilei, bereits an einem Augenleiden erkrankt, erreicht Aufschub, reist aber im Januar 1633 in die italienische Hauptstadt.

Papst Urban VIII. lässt seinen Günstling und andere Vertraute fallen. Nach mehreren Verhören und unter Androhung von Folter muss Galilei am 22. Juni 1633 der kopernikanischen Lehre abschwören. Man verurteilt ihn zu lebenslangem Hausarrest, zunächst in Siena, dann in seiner Villa in Arcetri nahe Florenz. In dieser Zeit beginnt er mit der Arbeit an den Discorsi, worin ihm eine wegweisende Demonstration der mathematischen Beschreibbarkeit der Natur gelingt.

Einige Jahre später, 1638, erblindet der mittlerweile 75-Jährige völlig. Er bekommt die Erlaubnis, sich gelegentlich nach Florenz zu begeben und an Festtagen die nächstgelegene Kirche zu besuchen. Doch sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Am 8. Januar 1642 stirbt Galileo Galilei, sein Leichnam wird in der Turmkapelle von Santa Croce beigesetzt. Im Jahr 1835 verschwindet der Dialog vom Index, am 2. November 1992 wird der große Wissenschaftler von der katholischen Kirche formal rehabilitiert.
Helmut Hornung / Max-Planck-Gesellschaft
Stand: 14.02.2014
 
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