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Donnerstag, 24.08.2017
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Eine versunkene Hochkultur

Die Zivilisation von Mykene und ihr rätselhafter Untergang

An einem Sonntag im August empfängt Athen den Besucher nicht unbedingt mit offenen Türen. Es ist still in der riesigen Stadt, aber vor allem ist es heiß. Die Menschen haben sich in schattige Räume oder aufs Land zurückgezogen. Für die meisten Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen beginnt nun die Zeit der Grabungskampagnen. Eine der Traditionsgrabungen des DAI mit dem schlichten Titel „Tiryns“ liegt etwa zwei Autostunden südlich von Athen am gleichnamigen Ort.

Fresco eines Streitwagens mit zwei Mykenerinnen, gemalt 1200 vor Christus an eine Wand in Tiryns.

Fresco eines Streitwagens mit zwei Mykenerinnen, gemalt 1200 vor Christus an eine Wand in Tiryns.

Mykene: Palastkultur mit plötzlichem Ende


Nach eineinhalb Stunden Fahrt entdeckt man auf den Ortsschildern einen der Namen, die man zuerst in der Schule gehört hat, wenn man etwas über die große Dichtung der Alten lernte, mythisch und schon im Altertum literarisch überhöht: Mykene. Im 17. Jahrhundert v. Chr. schien sie plötzlich da zu sein, eine Zivilisation in Mittel- und Südgriechenland.

Seit Heinrich Schliemanns Entdeckung der reich ausgestatteten Schachtgräber offenbar exponierter Personen im Jahre 1876 wird sie „mykenische Kultur“ genannt. In ihrer Blütezeit während des 14. und 13. Jahrhunderts vor Christus entwickeln die Mykener eine prachtvolle Palastkultur, treiben Handel auch mit weit entfernten Ländern und zeigen alle Anzeichen von Wohlhabenheit.

Doch um 1200 v. Chr. geht diese Kultur in einer Phase dramatischer Umwälzungen im Feuer unter. Die Paläste verlieren ihre Pracht, die „Linear B“ genannte Schrift, mit der eine frühe Form von Griechisch geschrieben wurde, geht verloren, Verwaltungsstrukturen und Herrschertitel geraten in Vergessenheit. Die mykenischen Paläste versanken in den „Dunklen Jahrhunderten“ – so schien es. Über die Ursachen der Katastrophe wird diskutiert: Kriege, interne Auseinandersetzungen, Erdbeben oder Überfälle der sogenannten „Seevölker“ rangieren auf den ersten Plätzen als Erklärungen für den spektakulären Untergang. Aber nicht alle mykenischen Orte verschwanden, es gab Ausnahmen.

Überreste der mächtigen Mauern von Tiryns, einem der Zentren des mykenischen Reichs

Sagenhaftes Machtzentrum


Tiryns liegt 20 Kilometer südlich von Mykene, näher am Meer und gut geeignet als Hafen. Schon seit dem 6. vorchristlichen Jahrtausend war der Ort besiedelt und spielte schon lange, bevor die mykenischen Könige herrschten, eine bedeutende Rolle. Der Sage nach soll einst der griechische Held Perseus über die Stadt geherrscht haben und Herakles diente dem Könbig Eurytheus von Tiryns, als er seine zwölf Heldentaten vollbrachte.

Zwischen 1400 und 1200 vor Christus gehört Tiryns zu den wichtigsten Zentren der mykenischen Kultur. Neben einer ausgedehnten Unterstadt entsteht auf dem Siedlungshügel ein stark befestigter Palast mykenischer Art – eine logistische Großplanung. Die mykenischen Könige besaßen die Macht und das Wissen, genügend Arbeitskraft und Material zu mobilisieren, um ein solches Projekt verwirklichen zu können. Es beinhaltet das geschlossene Konzept einer „planned community“ mit einer Musterzitadelle, deren mächtige Mauern noch lange sichtbar und lang auch im Gedächtnis der Menschen blieben.
 
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