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Donnerstag, 18.10.2018
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Späte Nachwirkungen

Auch Infektionen und Stress in der Kindheit können das Alzheimer-Risiko erhöhen

In den letzten Jahren mehren sich auch die Hinweise, dass schon sehr frühe Erfahrungen oder Erkrankungen - im Mutterleib oder in der Kindheit - später das Risiko für Alzheimer und Co erhöhen können. Das belegte unter anderem im Jahr 2012 eine Studie Schweizer Forscher. Sie hatten an Mäusen untersucht, inwieweit Entzündungen des Gehirns, beispielsweise durch Infektionen, nachhaltige Folgen für spätere Demenzen haben.

Mehr Vorläufer der Amyloid-Plaques nach frühen Infekten

Frühe Infektion erhöht das Risiko


Die Wissenschaftler infizierten die Tiere dafür im Mutterleib und auch in späterem Alter mit einem Virus, dass Gehirnentzündungen auslöst. Die Infektion klang nach einer Weile wieder ab - die Frage war aber, ob dabei Spätschäden zurückblieben, die Alzheimer fördern könnten. Tatsächlich war dies der Fall: "Eine vorgeburtliche virale Infektion genügt, um neurologische Defizite und schwere Gedächtnisprobleme im Alter auszulösen", sagt Studienleiterin Irene Knüsel von der Universität Zürich.

Die betroffenen Mäuse bildeten während des Älterwerdens deutlich mehr entzündungsfördernde Botenstoffe und auch die Konzentration eines Vorläufer-Proteins der Alzheimer-Plaques Amyloid-Beta stieg bei ihnen stärker an als bei Mäusen, die keine frühe Infektion durchgemacht hatten.

Der Grund dafür könnte sein, dass das Immunsystem durch diese Erfahrung überstimuliert wird und dann auch für den Rest des Lebens zu potenziell schädlichen Überreaktionen. Diese Effekte verschlimmerten sich markant, wenn die vorgeburtlich infizierten Mäuse im Alter nochmals einer Infektion ausgesetzt wurden. Die große Ähnlichkeit zwischen den Ablagerungen im Gehirn der Mäuse und denjenigen von Alzheimer-Patienten lassen laut Knüsel den Schluss zu: Chronische Entzündungen können neuronale Fehlfunktionen verursachen, die wiederum die Bildung von Amyloid-Ablagerungen im Alter begünstigen.

Bettelndes Kind: Krisen und traumatische Erfahrungen fördern später eine Demenz

Mehr Demenz durch Kindheit in der Krise?


Auch Stress kann langfristige Folgen noch Jahrzehnte später haben, wie Anfang 2011 ein Forscherteams um Gerard van den Berg von der Universität Mannheim herausfand. Sie hatten untersucht, ob Menschen, die deren Geburt und erste Lebensjahre in einer Zeit der wirtschaftlichen Krise fiel, stärker zu Demenz neigen als andere. Ihre Idee dabei: Geht es den Eltern wirtschaftlich schlecht, leiden auch Ernährung und Wohnsituation der Kinder und auch ihr Stressniveau könnte höher sein.

Um das zu prüfen, verfolgten die Forscher die Entwicklung von mehr als 3.000 Menschen, die zwischen 1908 und 1937 geboren wurden, über einen Zeitraum von gut 15 Jahren. Sie verglichen dabei die geistigen Leistungen Menschen, die während ihres ersten Lebensjahres einer Rezession ausgesetzt waren, mit ähnlichen Personen, die in besseren wirtschaftlichen Zeiten geboren wurden.

Das Ergebnis: Menschen, die in einer schwierigen Konjunkturlage geboren wurden, erlebten später tatsächlich einen stärkeren Rückgang ihrer kognitiven Fähigkeiten. Ähnliches galt auch für Personen, die den Tod eines Elternteils oder eines Geschwisters erlebt oder die eine schwere Krankheit erlitten hatten. Zusätzlich hatten auch Schlaganfälle im Erwachsenenalter verheerendere Folgen, wenn die Person während schlechter Wirtschaftsbedingungen geboren wurde und damit als Kind Stress erlebte. Auch die Fähigkeit, sich von Gehirnschlägen zu erholen, sei in solchen Fällen geringer gewesen, sagen die Forscher. Besonders stark sei dieser Effekt zudem bei Frauen gewesen.

Aber was bedeutet das für die Betroffenen? Sind wir dazu verurteilt, zu resignieren und hilflos auf den Beginn einer drohenden Demenz zu warten?
Nadja Podbregar
Stand: 20.09.2013
 
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