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Donnerstag, 18.10.2018
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Kampf gegen den Abbau

Suche nach Heilmitteln geht nur langsam voran

Dank guter medizinischer Versorgung und ausreichender Nahrung werden wir immer älter und bleiben länger fit. Ein heute 65-jähriger Mann kann im Durchschnitt damit rechnen, dass er noch 17 Jahre lebt. Eine gleichaltrige Frau kann sogar 20 weitere Jahre erwarten. Doch die längere Lebenserwartung hat auch ihre Schattenseite. Denn je älter wir werden, desto höher ist das Risiko, eine Demenz wie Alzheimer zu entwickeln.

Alzheimer und das Gehirn - wie die Krankheit Gehirnzellen zerstört

Schon heute ist sie eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. 26,6 Millionen Menschen weltweit leiden an der Demenz – die meisten von ihnen sind älter als 60 Jahre. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 200.00 Menschen an Alzheimer, rund eine Million leben mit der Krankheit. Und ihre Zahl könnte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich weiter steigen. Für das Jahr 2030 rechnen Experten mit rund zwei Millionen Alzheimer-Patienten. Bis zum Jahr 2050 könnte sich ihre Zahl sogar vervierfachen, wie kürzlich eine Studie zeigte – einer von 85 Menschen wäre dann weltweit an dieser Demenzform erkrankt. 43 Prozent von ihnen so schwer, dass sie rund um die Uhr betreut werden müssten. Die Zukunft scheint damit alles andere als rosig.

Krebsmittel gegen Alzheimer


Verhindern lässt sich Alzheimer bisher nicht und auch nicht heilen. Aber erste Hoffnung machen Studien aus den letzten Jahren, in denen Forscher bei Mäusen oder Ratten zumindest das Fortschreiten der Krankheit aufhalten konnten. In einigen Fällen ließen sich sogar die Symptome teilweise wieder rückgängig machen. Eine wichtigen Durchbruch erzielten Forscher dabei Anfang 2012: Mit Hilfe eines gegen Krebs zugelassenen Medikaments machten sie bei Mäusen Alzheimer-Symptome rückgängig.

Rot angefärbte ALzheimer-Plaques im Mäusegehirn, rechts nach 3 Tagen Bexaroten

Der Wirkstoff Bexaroten beseitigte innerhalb von Stunden die zellzerstörenden Eiweißablagerungen im Gehirn der Tiere und verhinderte damit den weiteren Abbau von Gehirnmasse. Gleichzeitig baute das Mittel auch 75 Prozent der gelösten Eiweißverbindungen ab, die bei Alzheimer die Kommunikation der Gehirnzellen beeinträchtigen. Nur 72 Stunden nach der ersten Behandlung mit dem Krebsmittel hatten die Mäuse wieder gelernt, aus Papierschnipseln ein Nest zu bauen - eine Fähigkeit, die sie zuvor durch Alzheimer verloren hatten. Auch Gedächtnistests bewältigten sie wieder ähnlich gut wie gesunde Mäuse.

"Das ist ein beispielloser Fund", kommentiert Studienleiterin Paige Cramer von der Case Western Reserve School of Medicine in Cleveland. Eine ähnlich schnelle und effektive Wirkung habe man zuvor noch nicht beobachtet. Bisher benötigt das beste bekannte Alzheimer-Mittel Monate, um die Eiweiß-Plaques im Gehirn auch nur ein wenig zu reduzieren. Noch ist allerdings nicht klar, ob das Krebsmittel Bexaroten auch beim Menschen ähnlich effektiv gegen Alzheimer wirkt. Die Forscher halten es aber für durchaus wahrscheinlich. Wenn das so wäre, hatte das Mittel einen unschätzbaren Vorteil: Da der Wirkstoff bereits als Krebsmedikament für den Menschen zugelassen sei, entfallen einige Studien, da man weiß schon weiß, dass er ungefährlich und ohne schwere Nebenwirkungen eingesetzt werden kann.

Hemmstoff gegen Plaque-Bildung


Im gleichen Jahr stellte ein internationales Forscherteam einen weiteren Hemmstoff vor, der bei Mäusen die für Alzheimer typischen Verhaltensstörungen und Gedächtnisausfälle rückgängig machen kann. Das neue Mittel verhinderte nicht nur die Bildung neuer Protein-Plaques, es verringerte auch die schädlichen Auswirkungen bereits existierender Ablagerungen. „Der Hemmstoff unterdrückt die Entzündungsreaktion der Gehirnzellen und senkt sie um bis zu 85 Prozent“, berichteten die Forscher. Das Mittel schütze die Neuronen damit vor dem Zellstress und den Zerstörungen, die durch die Amyloid-Plaques verursacht würden.

Amyloid-Plaques im Gehirn

Amyloid-Plaques im Gehirn

Das Besondere daran: Die Substanz wirkt nicht gegen die Alzheimer Plaques selbst, sondern blockiert ein Molekül, das die Vorläufer-Proteine für die Plaques aus dem Blut ins Gehirn transportiert. Denn diese Vorstufen werden über einen speziellen Transportmechanismus durch die Blut-Hirn Schranke ins Gehirn geschleust. „Uns ist erstmalig gelungen zu zeigen, dass die neue Substanz diesen Transport blockiert und so die Ablagerung von Amyloid im Gehirn verhindert“, sagt Günter Fritz vom Universitätsklinikum Freiburg, einer der Mitautoren der Studie. Tatsächlich senkte der Hemmstoff die Menge der Amyloid-Plaques im Gehirn von Mäusen um bis zu 80 Prozent.

Diese und andere Ansätze haben allerdings eines gemeinsam: Bisher funktioniert das Ganze nur im Tierversuch - ob diese Mittel beim Menschen genauso wirksam sind, weiß bisher niemand. Erfahrungen zeigen, dass dies sich nur eine verschwindend kleine Minderheit solcher Kandidaten auch in klinischen Tests bewährt. Und selbst wenn: Bis ein solches Mittel zur Behandlung von Patienten zugelassen wird, vergehen Jahre. Viele Forscher verfolgen daher parallel dazu einen anderen Weg: Sie versuchen, die Auslöser und Frühwarnzeichen von Alzheimer und Co dingfest zu machen - um künftig vielleicht den Ausbruch der Krankheit zu verhindern oder hinauszuzögern.
Nadja Podbregar
Stand: 20.09.2013
 
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