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Sonntag, 22.07.2018
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Was bringt Gehirnjogging?

Gezieltes Training kann geistige Reserven fördern

„Hirnjogging“ ist in – denn es soll, so die Versprechungen der Hersteller der diversen Trainingsprograme, die geistige Leistungsfähigkeit langfristig und vor allem im Alter steigern. Meist müssen dabei Symbole sortiert, Zahlenreihen geordnet oder Buchstaben zu Wörtern zusammengesetzt werden. Am Ende raucht der Kopf, soviel ist sicher. Lässt sich aber so das Alzheimer-Risiko wegtrainieren? Was ist dran an den markigen Werbesprüchen?

Hilft Gehirnjogging gegen Alzheimer?

Hilft Gehirnjogging gegen Alzheimer?

"Das Zaubermittel, das die alterungsbedingte Minderung der Hirnleistung oder gar Alzheimer aufhält, gibt es bislang nicht", betont Laura Carstensen, Direktorin des Stanford Center on Longevity. „Das Gedächtnistraining, bei dem Rätsel oder verschiedene Aufgaben gelöst werden, spielt als Präventionsmaßnahme eine Rolle. Allerdings sind die Übungsgewinne hier zeitlich begrenzt und es fehlen Belege für die langfristige Wirksamkeit auf andere relevante Leistungsbereiche“, meint auch Valentina Tesky, Diplom-Psychologin an der Goethe-Universität Frankfurt.

Dennoch verspricht eine steigende Zahl kommerzieller Anbieter, geistige Fähigkeiten im Alter durch Hirntraining zu erhalten oder zu steigern - meist ohne fundierte wissenschaftliche Basis. Besondere Vorsicht sei bei Produkten geboten, die versprechen, Alzheimer oder anderen Formen von Demenzerkrankungen vorzubeugen oder diese Krankheiten heilen zu können.

Geistige Reserve als Puffer


Kann geistige Fitness denn überhaupt vor Alzheimer schützen? „Die kognitive Fitness und Vitalität des Gehirns lässt sich verbessern, wenn entsprechend trainiert wird. Eine Garantie, hierdurch nicht an einer Demenz zu erkranken, gibt es aber leider nicht“, so Tesky. Aber zumindest einen positiven Effekt des Hirn-Trainings könnte bei Demenz helfen: die sogenannte geistige Reserve. Denn es gibt Patienten, die keinerlei Symptome von Alzheimer zeigen, obwohl auch bei ihnen bereits die typischen Protein-Plaques im Gehirn verbreitet sind.

Ein möglicher Grund dafür: Andere, weniger geschädigte Gehirnbereiche sind bei diesen Patienten offenbar in der Lage, die Aufgaben mit zu übernehmen. Forscher vermuten, dass gezieltes Hirn-Training dem Gehirn die geistigen Reserven verschafft, um diesen Ausgleich leisten zu können. Die genauen Mechanismen dafür müssen aber noch näher erforscht werden.

"Neuro-Racer": Rennspiel mit Trainingseffekt


Ein Beispiel für den positiven Effekt zumindest einiger Trainingsprogramme stellten US-Forscher im September 2013 im Fachmagazin "Nature" vor. Sie hatten ein spezielles 3D-Computerspiel für Senioren entwickelt, das gezielt ihre Aufmerksamkeit, Multitasking-Fähigkeiten und die geistige Kontrolle trainieren sollte. Bei dem „NeuroRacer" getauften Spiel, rast man mit einem Auto auf einer kurvigen Straße und muss plötzlich auftauchende Schilder beachten. Die Aufgabe, sowohl zu steuern als gleichzeitig auch auf die unterschiedlichen Schilder zu reagieren, fordert das Gehirn gleich auf unterschiedlichen Ebenen.

Dieses Video erklärt das Prinzip des "Neuro-Racers"

Der Trainingseffekt ist zudem besonders intensiv, weil das Spiel verhindert, dass das Gehirn auf "Autopilot" schaltet, wie bei den meisten normalen Tätigkeiten der Fall. „Normalerweise wird etwas einfacher, je besser man darin wird - bei diesem Spiel wird es hingegen immer schwieriger, je besser man wird", erklärt Studienleiter Adam Gazzaley von der University of California in San Francisco. Und das hat positive Folgen: Bereits nach einem Monat und insgesamt zwölf Stunden Spiel verbesserten 60- bis 85 -jährige Probanden ihre Leistung deutlich. Sie erreichten letztlich ein Niveau, das 20-jährigen Seminarteilnehmern entsprach, die dieses Spiel zum ersten Mal spielten. Auch ihre Hinströme näherten sich dem Muster der jüngeren Probanden an.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Softwarebasierte Trainingsprogramme und Denkspiele verbessern nur die Fertigkeiten, die sie direkt trainieren. Eine Übertragung dieser eng begrenzten Gehirnleistungen beispielsweise auf Alltagssituationen findet aber nicht oder kaum statt. Wenn man zum Beispiel eine Gedächtnistechnik zum Einprägen von Wortlisten trainiert, so gelingt es einem anschließend besser, sich Listen von Wörtern zu merken. Es gibt jedoch bislang nur wenig Hinweise darauf, dass dieses Training die Gedächtnisleistung insgesamt verbessert, und es nach Abschluss des Trainings etwa besser als zuvor gelingt, den verlegten Autoschlüssel zu finden.
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Nadja Podbregar
Stand: 20.09.2013
 
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