Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Nichts läuft ohne Regen
Anforderungen an das Klima

Regenwolken sammeln sich über dem Wald 
Regenwolken sammeln sich über dem Wald
© Avis Multimedia Entertainment Inc.
Dicke Regentropfen prasseln auf das dichte Blätterdach des immergrünen tropischen Waldes. Unten, am Boden indes, zeugt bisher nur ein fernes Rauschen von dem Regenschauer - die Tropfen sind noch nicht durch die Baumkrone gedrungen. Erst einige Zeit später fließt das Wasser die Baumstämme hinunter und tropft von den Spitzen der Blätter auf den Boden.

Ohne den häufigen Niederschlag läuft nichts im Tropischen Regenwald. Mindestens 1,5 Meter Regen pro Jahr benötigt der Wald zum Überleben. Tatsächlich beträgt die Wassermenge im Jahr in einigen Regionen sogar bis zu zehn Meter. Entsprechend hoch ist auch die Luftfeuchtigkeit, die mindestens 70% und bis zu 100% beträgt.

Die Abhängigkeit des Waldes vom häufigen Regen hat mehrere Ursachen. Die am Äquator stets hoch stehende Sonne, die pro Jahr auf jeden Quadratmeter 5 Millionen Kilokalorien an Energie schickt, ist ebenfalls essentiell für das rasante Wachstum im Regenwald. Ohne häufigen Niederschlag wären die Blätter der Bäume allerdings schnell von der sengenden Sonne verbrannt. Große Wassermengen sind erforderlich, um durch Verdunstung zu der nötigen Kühle beizutragen.

Die hohe Luftfeuchtigkeit ist auch für das Geschehen am Boden unerlässlich. Das weit oben im Boden und teilweise gar oberirdisch liegende Wurzelwerk könnte ohne hohe Luftfeuchtigkeiten nicht bestehen. Auch die zersetzenden Bakterien und Pilze, nicht zuletzt das Mykorrhiza-Geflecht sind auf die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft angewiesen. Ein schneller Abbau der organischen Substanz wäre ohne die hohen Niederschlagmengen demnach nicht möglich.

Auch der Eintrag von Nährstoffen und nicht zuletzt die Existenz der Epiphyten wäre, wie bereits erwähnt, ohne die starken Regenfälle unerreichbar. Der Wald könnte sich nicht in dem erforderlichen Maße selbst erhalten.

Hohe Verdunstungsrate im Regenwald 
Hohe Verdunstungsrate im Regenwald
© Avis Multimedia Entertainment Inc.
Aber der Regen bringt auch Risiken mit sich. Würden die großen Tropfen ungehindert auf den Boden treffen, die dünne Humusschicht wäre vermutlich mit nur einem Schauer weggeschwemmt. Daher ist es wichtig, dass das dichte Blätterdach den größten Teil des Wassers auffängt und der restliche Teil mit geringer kinetischer Energie die Baumstämme herunter rinnt. Sammelt sich zu viel Wasser auf den Blättern selber, besteht für diese die Gefahr, dass Ionen aus dem Blattinneren osmotisch in das geringer konzentrierte Regenwasser entweichen - ein Verlust, den sich keine Pflanze des Waldes leisten kann. Daher haben viele Blätter spezielle Abtropfspitzen ausgebildet, über die das Wasser abläuft.

Ein Teil des Niederschlags erreicht den Erdboden aber nie. Ein Großteil des Wassers wird von den Blättern oben in der Baumkrone sofort wieder verdunstet. Auf diese Weise bilden sich neue Wolken über dem Wald, die erneut darüber abregnen. Der Regenwald bildet also nicht nur einen nahezu geschlossenen Nährstoffkreislauf, sondern schafft auch sein Klima selber.

75% des gesamten Niederschlags entstehen auf diese Weise im kleinen Wasserkreislauf. Der so genannte große Kreislauf, bei dem das Wasser über die Flüsse ins Meer transportiert wird, dort verdunstet und über die Passatwinde zurück in den Wald gelangt und dort abregnet, sorgt lediglich für 25% des Regens.

Um diese Leistung aufrecht erhalten zu können, ist der Regenwald allerdings auf eine bestimmte Größe angewiesen. Nur wenn die Waldfläche ausreichende Ausmaße erreicht, kann genügend Wasser verdunsten, um das selbstgeschaffene Klima aufrecht zu erhalten. Die Abholzung des Regenwaldes bedroht also nicht nur die betroffenen Flächen, sondern könnte eine lokale Veränderung des Klimas zur Folge haben, das die ganze Vegetation bedroht.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Die grüne Wüste
Der tropische Regenwald - auf Sand gebaut
Paradies auf Erden?
Leben auf kargem Grund
Wo sind die Nährstoffe?
So rein wie destilliertes Wasser
Schnelles Recycling
Der kurzgeschlossene Nährstoffkreislauf
Ein Perpetuum mobile?
Nahrung aus der Luft
Hier geht nichts durch
Mykorrhiza als Nährstofffilter
Nichts läuft ohne Regen
Anforderungen an das Klima
Mal hier mal da
Frühe Ökobauern mit shiftig cultivation
Weg mit der grünen Hölle
Brandrodung für Papier und Hamburger
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen