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| Nichts läuft ohne Regen |
| Anforderungen an das Klima |
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 | | Regenwolken sammeln sich über dem Wald © Avis Multimedia Entertainment Inc. | Dicke Regentropfen prasseln auf das dichte Blätterdach des immergrünen tropischen Waldes. Unten, am Boden indes, zeugt bisher nur ein fernes Rauschen von dem Regenschauer - die Tropfen sind noch nicht durch die Baumkrone gedrungen. Erst einige Zeit später fließt das Wasser die Baumstämme hinunter und tropft von den Spitzen der Blätter auf den Boden.
Ohne den häufigen Niederschlag läuft nichts im Tropischen Regenwald. Mindestens 1,5 Meter Regen pro Jahr benötigt der Wald zum Überleben. Tatsächlich beträgt die Wassermenge im Jahr in einigen Regionen sogar bis zu zehn Meter. Entsprechend hoch ist auch die Luftfeuchtigkeit, die mindestens 70% und bis zu 100% beträgt.
Die Abhängigkeit des Waldes vom häufigen Regen hat mehrere Ursachen. Die am Äquator stets hoch stehende Sonne, die pro Jahr auf jeden Quadratmeter 5 Millionen Kilokalorien an Energie schickt, ist ebenfalls essentiell für das rasante Wachstum im Regenwald. Ohne häufigen Niederschlag wären die Blätter der Bäume allerdings schnell von der sengenden Sonne verbrannt. Große Wassermengen sind erforderlich, um durch Verdunstung zu der nötigen Kühle beizutragen.
Die hohe Luftfeuchtigkeit ist auch für das Geschehen am Boden unerlässlich. Das weit oben im Boden und teilweise gar oberirdisch liegende Wurzelwerk könnte ohne hohe Luftfeuchtigkeiten nicht bestehen. Auch die zersetzenden Bakterien und Pilze, nicht zuletzt das Mykorrhiza-Geflecht sind auf die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft angewiesen. Ein schneller Abbau der organischen Substanz wäre ohne die hohen Niederschlagmengen demnach nicht möglich.
Auch der Eintrag von Nährstoffen und nicht zuletzt die Existenz der Epiphyten wäre, wie bereits erwähnt, ohne die starken Regenfälle unerreichbar. Der Wald könnte sich nicht in dem erforderlichen Maße selbst erhalten.
 | | Hohe Verdunstungsrate im Regenwald © Avis Multimedia Entertainment Inc. | Aber der Regen bringt auch Risiken mit sich. Würden die großen Tropfen ungehindert auf den Boden treffen, die dünne Humusschicht wäre vermutlich mit nur einem Schauer weggeschwemmt. Daher ist es wichtig, dass das dichte Blätterdach den größten Teil des Wassers auffängt und der restliche Teil mit geringer kinetischer Energie die Baumstämme herunter rinnt. Sammelt sich zu viel Wasser auf den Blättern selber, besteht für diese die Gefahr, dass Ionen aus dem Blattinneren osmotisch in das geringer konzentrierte Regenwasser entweichen - ein Verlust, den sich keine Pflanze des Waldes leisten kann. Daher haben viele Blätter spezielle Abtropfspitzen ausgebildet, über die das Wasser abläuft.
Ein Teil des Niederschlags erreicht den Erdboden aber nie. Ein Großteil des Wassers wird von den Blättern oben in der Baumkrone sofort wieder verdunstet. Auf diese Weise bilden sich neue Wolken über dem Wald, die erneut darüber abregnen. Der Regenwald bildet also nicht nur einen nahezu geschlossenen Nährstoffkreislauf, sondern schafft auch sein Klima selber.
75% des gesamten Niederschlags entstehen auf diese Weise im kleinen Wasserkreislauf. Der so genannte große Kreislauf, bei dem das Wasser über die Flüsse ins Meer transportiert wird, dort verdunstet und über die Passatwinde zurück in den Wald gelangt und dort abregnet, sorgt lediglich für 25% des Regens.
Um diese Leistung aufrecht erhalten zu können, ist der Regenwald allerdings auf eine bestimmte Größe angewiesen. Nur wenn die Waldfläche ausreichende Ausmaße erreicht, kann genügend Wasser verdunsten, um das selbstgeschaffene Klima aufrecht zu erhalten. Die Abholzung des Regenwaldes bedroht also nicht nur die betroffenen Flächen, sondern könnte eine lokale Veränderung des Klimas zur Folge haben, das die ganze Vegetation bedroht.
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Stand 22.06.2002 |
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