|
Analysiert man im Tropischen Regenwald nach einem heftigen Niederschlag Wasserproben, kann das Ergebnis verblüffend sein: Während die chemische Analyse im Regenwasser oberhalb des Bodens eine nahezu gesättigte Lösung mit organischen und mineralischen Substanzen anzeigt, ist das Wasser aus einer Tiefe von gerade mal 20 Zentimeter im Boden fast so klar wie destilliertes Wasser. Der Wurzelfilter dient als Nährstofffalle, dem nahezu keine nutzbare Verbindung entgeht.
Das schaffen die Baumwurzeln aber nicht alleine. Die meisten Bäume im Regenwald gehen eine Symbiose mit Pilzen ein, die sogenannte Mykorrhiza. Die Beziehung ist für beide Partner von Vorteil: Die Pilze lösen Mineralsalze aus dem Boden, die sie der Pflanze zuführen. Mit ihren feinen Pilzhyphen gelangen sie auch in kleinste Bereiche, die die zehnmal dickeren Haarwurzeln der Bäume niemals erreichen würden. Und gerade im tropischen Regenwald, wo es darauf ankommt, möglichst keine Nährstoffe entwischen zu lassen, ist dies ein bedeutender Vorteil. Manche Mineralverbindungen werden aber auch erst von den Pilzen in eine Form gebracht, in der die Baumwurzeln sie überhaupt aufnehmen können. Vor allem Phosphorverbindungen, die im Regenwald ohnehin sehr knapp sind, werden auf diese Weise zugänglich gemacht.
Im Gegenzug stellen die Bäume dem Pilz Zucker und Aminosäuren zur Verfügung. Zur Herstellung von Zuckerverbindungen benötigt die Pflanze schließlich nur Kohlendioxid, das die Luft liefert, Sonnenlicht und Wasser, das im tropischen Regenwald auch nicht gerade Mangelware ist. Im Tausch gegen die wertvollen Ionen und Mineralstoffe also kein schlechtes Geschäft.
Diese Gemeinschaft zwischen den Mikropilzen und den pflanzlichen Wurzeln tritt in verschiedenen Formen auf. Bei der ektotrophen Mykorrhiza dringen die Pilzhyphen nicht in die Wurzelzellen ein, sondern umspannen diese nur von außen und sorgen so für eine starke Oberflächenvergrößerung. Intensiver ist das Zusammenleben bei der endotrophen Mykorrhiza - hier dringen die Pilze in die Wurzelzellen ein und stehen mit ihnen im direkten Stoffaustausch. Peritrophe Mykorrhiza bilden ein Büschel um die Wurzeln herum und sorgen so für eine günstige Rhizosphäre, in der die Wurzeln viele gelöste Ionen vorfinden.
Die Mehrzahl der Bäume im Regenwald kann ohne diese Symbiose nicht überleben. Wird eine Fläche nach Brandrodung erneut bewirtschaftet, bleibt diese nur kurz fruchtbar. Jeder Regenguss spült wertvolle Nährstoffe weg, mit den Mykorrhizae ist auch der Filter verschwunden, der die Mineralstoffe und organischen Verbindungen im Boden hält. Ohne die symbiotischen Pilze hätte der tropische Regenwald nicht Jahrtausende auf dem selben Boden bestehen können.
|