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Das absterbende Blatt hat sich noch nicht mal vom Baum gelöst, schon ist es von unzähligen Pilzhyphen überzogen. Gleichzeitig sorgt der Baum bereits für die Rückführung wichtiger Nährstoffe aus dem Blatt. 60% des Phosphors, 17% Stickstoff und 50% Kalium werden auf diese Weise zurück gewonnen, bevor das Blatt zur Erde fällt.
Dies sind die ersten Zeichen des kurzgeschlossenen Nährstoffkreislaufs, der Überlebensstrategie des tropischen Regenwaldes. Verfolgen wir weiter das Schicksal des alternden Blattes, um dieses Phänomen zu verstehen:
 | | Absterbendes Material wird sofort zersetzt © Avis Multimedia Entertainment Inc. | Das Blatt hat sich nun doch gelöst und fällt auf die dünne Humusschicht am Boden. Die Wurzeln der Bäume erstrecken sich flach im Untergrund. 80% der gesamten Wurzelmasse befinden sich innerhalb der oberen 30 Zentimeter des Bodens. Mächtige Brett- und Stelzenwurzeln übernehmen daher die Stützfunktion, damit die riesigen Bäume den tropischen Unwettern standhalten. Aufgrund der hohen Temperatur und Feuchtigkeit der Tropen geht die Zersetzung des Blattes sehr schnell vonstatten. Pilze und Bakterien aber auch Würmer, Asseln und Tausendfüßer zerkleinern die ganzjährig fallenden Blätter in Windeseile und setzen so die darin gebundenen Nährstoffe rasch wieder frei.
Das dichte Wurzelgeflecht des Waldes kann die nahrhaften Verbindungen nun wieder aufnehmen. Viele Baumarten warten allerdings nicht einmal so lange. Feine Tastwurzeln wachsen nach oben anstatt nach unten, denn von dort kommt der Nährstoff-Nachschub, nicht von unten aus dem Boden. So können sie wertvolle Stickstoffverbindungen schon aus dem herabgefallenen Material entziehen, bevor es zersetzt wird.
Was aber, wenn fallende Blätter den Boden gar nicht erreichen, sondern davor auf einer Astgabel hängen bleiben? Sie gehen nicht für den Nährstoffkreislauf verloren, sondern werden sofort genutzt. Epiphyten, die als Aufsitzerpflanzen auf den Ästen anderer Bäume wachsen, nutzen den dort anfallenden Humus. Und auch manche Bäume lassen sich diese zusätzliche Nahrungsquelle nicht entgehen: Sie können spezielle Wurzeln hoch oben in der Krone ausbilden, um auch die Nährstoffe des dort verrottenden Humus zu nutzen.
Ein Großteil des Nährstoffkreislaufes findet also oberhalb des Bodens statt. Anders als in anderen Wäldern sind die lebenswichtigen mineralischen und organischen Verbindungen nicht im Boden gespeichert, sondern verbleiben im System. Absterbendes Material wird sofort weiterverwendet. In einem perfekten Recycling erhält sich der Wald nahezu ausschließlich aus sich selbst.
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