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Freitag, 10.02.2012
Paradies auf Erden?
Leben auf kargem Grund

Baumfrosch 
Baumfrosch
© Avis Multimedia Entertainment Inc.
Gespenstisch still ist es am Boden des tropischen Regenwaldes - weit unter den hoch hinauf ragenden Wipfeln der riesigen Bäume. Nur das Zirpen der Zikaden ist zu hören. Dabei leben hier schätzungsweise 50 bis 90% aller Tierarten, die es auf der Erde gibt. Auch die Vielfalt an Pflanzenarten ist gigantisch: Etwa 450.000 Pflanzenarten, davon ca. 3.000 verschiedene Arten von Bäumen existieren hier.

Unten am Boden sieht man davon nicht viel mehr als die riesigen Stütz- oder Brettwurzeln und einige herabhängende Lianen, denn das meiste spielt sich weiter oben ab: Vier bis fünf übereinander liegende Schichten verschiedener Baumkronen, die so genannten Stockwerke, bilden ein komplexes Gefüge. Neben der komplexen vertikalen Schichtung ist das Fehlen von Speicherorganen wie Zwiebeln oder Knollen ein weiteres typisches Merkmal für die Pflanzen des tropischen Regenwaldes.

Zahlreiche Aufsitzerpflanzen, die Epiphyten, wachsen auf den Ästen und Stämmen der Bäume. Dies ist ihre einzige Chance, einen Teil des einfallenden Sonnenlichtes zur Photosynthese zu nutzen, denn unten am Waldboden kommen nur 1% der Strahlen an - der Rest wird von dem dichten Blätterdach absorbiert.

 Kannenpflanze
Kannenpflanze
© IMSI Masterclips
Weitere ungewöhnliche Tier- und Pflanzenarten prägen das Ökosystem Regenwald: Etwa die Wanderameisen, die als Nomaden ruhelos durch den Wald ziehen. Oder die gigantischen Rieseninsekten wie der Riesenbockkäfer Titanus giganteus, der es immerhin auf eine Körperlänge von 16 cm bringen kann. Skurril erscheinen auch die Kannenpflanzen, deren mit Verdauungsenzymen gefüllten Kelche leicht zur letzten Ruhestätte für unvorsichtige Insekten werden können. Ein paar Meter weiter schwimmen Kaulquappen in dem Blatt-Trichter einer Bromelie - viele Meter über dem Erdboden in der Krone der Bäume!

Ein Ökosystem, das eine solche faszinierende Vielfalt an Lebewesen hervorbringt, sollte ein wahres Paradies sein, in dem die Nährstoffe im Überfluss vorhanden sind. Aber ist es das wirklich? Warum müssen sich die Wanderameisen immer wieder auf die Suche nach neuer Nahrung machen, warum benötigt der Riesenkäfer viele Jahre, bis die Larve herangewachsen ist? Warum muss die Kannenpflanze ihren Speiseplan mit Insekten aufstocken und warum ist das Wasser der Seen und Flüsse so arm an Mineralien, dass Frösche ihre Kinderstube in die Wipfel der Bäume verlegen?

Nach Nährstoffen im Überfluss hört sich das nicht an. Und tatsächlich wächst diese beeindruckende Menge an Pflanzen auf nichts weiterem als einer Schicht unfruchtbaren Sandes...

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