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Freitag, 10.02.2012
Mal hier mal da
Frühe Ökobauern mit shiftig cultivation

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die systematische Ernte von Kautschuk begann, um Gummi für die Dichtungen der sich verbreitenden Dampfmaschinen zu liefern, hatten die Sammler im Tropischen Regenwald nichts zu lachen. Obwohl die meisten an Überarbeitung, schlechter Verpflegung und Erschöpfung starben, geisterten in der Alten Welt Sagen von riesigen fleischfressenden Pflanzen und Horden von Kannibalen, denen die Arbeiter zum Opfer fielen.

Regenwald-Indianer: schonende Nutzung des Waldes 
Regenwald-Indianer: schonende Nutzung des Waldes
© IMSI Masterclips
Naturvölker gab es zwar schon im Regenwald, von Horden kann allerdings keine Rede sein. Denn der Urwald bietet Menschen keine paradiesischen Bedingungen. Ähnlich wie sich die Bevölkerung Ägyptens um die fruchtbaren Felder am Nil konzentriert, sind auch die Ureinwohner des Regenwaldes mit einer Gesamt-Siedlungsdichte von durchschnittlich 0,5 Menschen pro Quadratkilometer vor allem an Flüssen zu finden, der Wald dagegen ist ähnlich verlassen wie die ägyptische Wüste.

Um dem Dickicht dennoch genügend Nahrung abzugewinnen, ist Ackerbau notwendig. Zu diesem Zweck praktizieren die Ureinwohner des Regenwaldes weltweit - in Südamerika, Afrika und Südostasien - seit über 2000 Jahren eine Methode der Brandrodung, die als shifting cultivation bezeichnet wird.

Dabei wird zunächst eine kleinere Fläche gerodet. Mit der Asche werden die Felder gedüngt und dort zum Beispiel stärkehaltige Maniok-Knollen angebaut. Bereits im nächsten Jahr aber haben Regenfälle den Boden so ausgewaschen, dass die Erträge stark zurückgehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die angebauten Pflanzen ohne die Mykorrhiza-Pilze auskommen müssen, die durch das Feuer vernichtet wurden.

Die Felder können daher nur ein bis vier Jahre lang genutzt werden, danach ist die Ernte soweit zurückgegangen, dass sich die weitere Bebauung nicht mehr lohnt. In der nun folgenden Regenerationsphase, die bis zu 16 Jahre dauert, wächst in der Lichtung ein Sekundärwald heran, der wieder neue Nährstoffe bindet. Erst nach dieser langen Zeit kann das Feld wieder bearbeitet werden.

Aus diesem Grund benötigt eine einzelne Familie sehr viel Fläche des Waldes um zu überleben. Mit der fortschreitenden Vernichtung des Regenwaldes nahm die Besiedlungsdichte stetig zu, der Kreislauf kann nicht mehr in der Form aufrecht erhalten werden. Die Felder müssen bereits nach kürzerer Ruhepause wieder bearbeitet werden, bevor sich der Wald wieder regenerieren konnte.

Das jahrtausende andauernde Miteinander von Mensch und Tropischem Regenwald ist nun vorüber.

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