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Dienstag, 30.08.2016
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Kaufen, spielen, Internet

Wenn Verhaltensweisen und Freizeitaktivitäten abhängig machen

Die Stimulation des mesolimbischen Systems scheint allen Abhängigkeiten - ob substanzbezogen oder nicht - zugrunde zu liegen. Auch die sogenannten nicht- stofflichen Zwangsstörungen, wie "Spielsucht", "Kaufsucht" oder "Internetsucht" kennzeichnet, dass hier ein zunächst angenehmes Gefühl durch eine Handlung oder ein Verhalten erzeugt wird. Das spätere böse Erwachen, wenn etwa alles Geld verspielt ist und der Schuldenberg in kaum absehbare Höhe gewachsen ist, wird dabei genau wie beim Alkohol oder beim Kokain zunächst ausgeblendet.

Einarmige Banditen: Sie tragen ihren Namen nicht ohne Grund.

Einarmige Banditen: Sie tragen ihren Namen nicht ohne Grund.

Damit sich aus der Lust an Konsum, Spielen oder dem Surfen im Internet eine Abhängigkeit entwickelt, müssen auch hier mehrere Faktoren zusammen wirken. Als begünstigend für eine Erkrankung am pathologischen Spielen gelten so etwa ein geringes Selbstwertgefühl und weitere neurologische oder psychologische Erkrankungen. Wissenschaftler haben zudem gezeigt, dass sich die im Gehirn ablaufenden Verstärkungsmechanismen bei Spielern denen Substanzabhängiger deutlich ähneln. Schließlich sind auch hier häufig äußere Umstände - Geldsorgen, Stress, Beziehungs- oder familiäre Probleme Auslöser für ein oft langsames und unmerkliches Hinübergleiten ins Suchtverhalten.

Bei der offiziell nicht als Zwangsstörung anerkannten Sucht nach Arbeit oder nach Sport, ist es schwer eine Grenze zu ziehen, wo gesteigerter Ehrgeiz und Motivation aufhören und eine ungesunde Abhängigkeit beginnt. Denn eine hohe Motivation und Fleiß werden in der heutigen Gesellschaft honoriert - schaffen Anerkennung. Dennoch gehen Experten davon aus, dass allein in Deutschland zumindest jeder vierte Selbstständige süchtig nach seiner Arbeit ist, weitere besonders gefährdete Berufsgruppen seien Ärzte, Krankenpfleger, Journalisten oder Wissenschaftler, so die Forscher.

Cyper-Games Singapur.

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Ein umstrittenes Beispiel: Internetsucht


Auch etwas so Alltägliches wie das Surfen im Internet kann abhängig machen: Schon seit einigen Jahren registrieren Psychologen einen weltweiten Anstieg von mit Computern und dem Internet verbundenen Zwängen. Besonders in Asien häufen sich dabei in den letzten Jahren Studien, die sich mit der Abhängigkeit vom Computer und der exzessiven Nutzung des Internets befassen. Allein in China gelten 13,7 Prozent der Erwachsenen als internetsüchtig und in Korea wurde das Thema populär, nachdem zehn Menschen in Internetcafés an Atemstillstand und Kreislaufkollaps starben. Auch Morde, die in Zusammenhang mit Online-Computerspielen gebracht wurden, rückten die Problematik dort ins Licht der Öffentlichkeit.

Umstritten ist allerdings weiterhin, ob es sich bei der Internetsucht tatsächlich um eine Abhängigkeit oder vielmehr um ein Symptom einer bereits bestehenden Depression oder einer narzisstischen Persönlichkeit handelt. Die Klassifizierung als "Abhängigkeit" wird zudem dadurch erschwert, dass die Kategorie "Zwanghafte Verwendung des Internets" sowohl die Online-Kaufsucht, die Online-Glücksspielsucht wie auch die Online-Sexsucht und die Computersucht umfasst.

Mit fortschreitendem Verlangen, werden soziale Kontakte außerhalb der Cyberwelt vernachlässigt.

Computer-Spiele machen abhängig


Besonders die exzessive Nutzung von sozialen Netzwerken und sogenannten Multiplayer-Spielen breitet sich dabei in den letzten Jahren vor allem unter Jugendlichen aus. Aber auch Erwachsene Männer und Frauen sind betroffen, wobei unter den in Deutschland schätzungsweise 560.000 Abhängigen insgesamt mehr Männer zu finden sind. Typische Symptome sind dabei das unbezwingbare Verlangen das Internet zu nutzen, Kontrollverlust über die Nutzungsdauer - oft verbunden mit Schuldgefühlen, nachlassende Arbeitsleistung, Verheimlichung und/oder Verharmlosung der Internet-Aktivität gegenüber anderen, sowie Entzugserscheinungen wie Nervosität, Reizbarkeit, Depression und Schweißausbrüche.

Im Drogenbericht der Bundesregierung wurde der zwanghaften Online-Nutzung 2009 erstmals ein eigenes Kapitel gewidmet. Darin heißt es: "Aus gesundheitlicher Sicht hat die suchtartige Nutzung des Internets an Gewicht gewonnen. Vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene zeigen häufiger ein sich verlierendes, entgleitendes und in Extremfällen psychopathologisch auffälliges Online-Nutzungsverhalten insbesondere in Bezug auf Online-Spielewelten". Um eine bessere Erforschung der Problematik und mögliche Therapieansätze zu ermöglichen, soll die Anerkennung der Krankheit durch die WHO geprüft werden. In Deutschland gibt es bereits mehrere auf die Online-Sucht spezialisierte Ambulanzen.
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Stand: 22.02.2013
 
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