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Freitag, 10.02.2012
Harmlose Zeitgenossen oder Artenkiller?
Exoten im Mittelpunkt des Experten-Streits

800 freilebende Halsbandsittiche fristen allein in Köln ihr Dasein, 100.000 Waschbären haben sich in den letzten 70 Jahren in ganz Deutschland breit gemacht, Unmengen an Wollhandkrabben tummeln sich in heimischen Gewässern: Deutschland ist zu einem El Dorado für zahlreiche Aliens aus dem Tier- und Pflanzenreich mutiert. Droht durch diese und ähnliche Bioinvasionen nun aber gleich der Supergau, der totale Exitus für viele Arten der einheimischen Fauna und Flora, wie es uns die Gegner dieser biologischen Einwanderer glauben machen wollen?

Wissenschaftler weltweit diskutieren das Pro und Contra tierischer und pflanzlicher Einwanderer sehr kontrovers. Auf der einen Seite steht eine breite Front an "Hard-Core" Artenschützern, die wie in den USA eine Task Force für eingeschleppte Arten fordert. Sie haben auch bereits die ihrer Meinung nach schlimmsten und gefährlichsten Neueinwanderer auf einen Index gesetzt und mit dem Vermerk "unerwünscht und deshalb nach Möglichkeit auszurotten" versehen. Dem gegenüber stehen Wissenschaftler, die auf die lange Tradition von biologischen Einwanderern seit der letzten Eiszeit verweisen und deshalb eine pauschale Verurteilung ablehnen. Sie warnen vor vorschnellen Urteilen und mahnen wissenschaftliche Untersuchungen über das tatsächliche Gefährdungspotential der jeweiligen Arten an, bevor zu massiven Bekämpfungsmaßnahmen gegriffen wird.

Und so ganz unrecht scheinen die gemäßigten Vertreter der Zunft nicht zu haben. Invasionsbiologen haben errechnet, dass von 100 eingewanderten Arten gerade mal zehn es schaffen, sich in der neuen Umgebung überhaupt zu etablieren. Unter diesen zehn befindet sich meist nur eine einzige Spezies, die sich in großem Maßstab ausbreitet und die - vielleicht - das Potential hätte einheimische Arten zu verdrängen oder für schwere Verluste unter den Beutetieren zu sorgen.

Sind die Befürchtungen von Wissenschaftlern und Umweltschützern wie "The World Conservation Union" (IUCN), die in biologischen Invasionen mittlerweile nach der Zerstörung von Lebensräumen die größte Bedrohung der Artenvielfalt auf der Erde sehen demnach völlig unbegründet? Auch nicht so ganz. Unter den einwandernden Fremdlingen sind immer einige wenige, die im neuen Lebensraum zu Artenkillern oder zumindest Plagegeistern mutieren.

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) von Rio 1992 jedenfalls sieht ausdrücklich vo,r gegen Arten vorzugehen, die sich massiv ausbreiten und schwerwiegende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in einer Region haben.

Fazit: Nicht jede eingeschleppte Art ist eine Bedrohung für die einheimische Fauna und Flora. Andererseits wäre es sicherlich auch falsch, vor den potenziellen Gefahren, die sich aus den tierischen und pflanzlichen Neuankömmlingen ergeben, die Augen zu verschießen.

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