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Freitag, 10.02.2012
Von Aliens, Römern und Schiffsbohrwürmern
Invasive Arten - ein Man-made-Desaster?

Aliens, Exoten, Bioinvasoren, nichtheimische Arten - Wortschöpfungen für die Einwanderer aus "einer anderen Welt" gibt es unendlich viele. Wann aber spricht tatsächlich von Neozoen oder Neophyten - wie die Neuankömmlinge je nachdem, ob es sich um ein Tier oder Pflanze handelt - mit dem Fachbegriff genannt werden? Die zur Zeit vielleicht gängigste Definition subsummiert darunter alle die Lebewesen, die nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch Kolumbus in einem neuen Lebensraum aufgetaucht sind und sich dort über eine längere Zeit natürlich fortgepflanzt und vermehrt haben.

Dabei liegen häufig große Entfernungen zwischen dem Ursprungsland der Exoten und seiner neuen Wirkungsstätte. Die chinesische Wollhandkrabbe beispielsweise musste aus dem fernen Osten kommend viele tausend Kilometer überwinden, bevor es ihr gelang, in Deutschland Fuß zu fassen und sich massenhaft zu vermehren. Ähnlich sieht es auch bei den Ochsenfröschen, der Dreikantmuschel oder dem Riesen-Bärenklau aus, die mittlerweile ebenfalls im Land der Dichter und denken ihr Dasein fristen. Wie jedoch gelang ihnen der Sprung über den "Großen Teich" oder die zum Teil gewaltigen Landbarrieren?

Während es früher vor allem natürliche Faktoren wie Eiszeiten oder Naturkatastrophen waren, die die Lebewesen aus ihren angestammten Lebensräumen in neue Gebiete vertrieben, ist seit zehntausend Jahren der Mensch immer mehr zum Auslöser für solche biologischen Invasionen geworden. Dabei hat er immer wieder - bewusst oder unbewusst - bestehende Ökosysteme oder Landschaftsbilder manipuliert.

So importierten bereits die Römer kurz nach Christi Geburt Fasane zu Jagdzwecken nach Deutschland. Später im Mittelalter waren es die Kreuzritter, die von ihren Kriegszügen unter dem Deckmantel der Religion immer neue Tier- und Pflanzenarten nach Mitteleuropa importierten. Das 16. Jahrhundert mit dem Zeitalter der Entdeckungen und später die industrielle Revolution entwickelten sich schließlich zu regelrechten Blütezeiten für Verschleppungen von Tieren und Pflanzen aus ihren Ursprungsländern.

Seepocken, Muscheln oder Schnecken hefteten sich an Schiffsrümpfen fest und schipperten mit den frühen Entdeckern zufällig über den großen Teich. Andere Lebewesen wie Mufflon oder Damhirsche wurden gezielt eingeführt - zur Freude der Jäger, aber auch um die Speisekarte der Menschen zu bereichern. Vor mehr als 100 Jahren gab es deshalb schon eine frühe Exotenschwemme in der Fauna und Flora Mitteleuropas. Anders als heute kümmerte sich jedoch damals niemand um die Folgen, die diese hausgemachten Invasionen für die einheimischen Arten oder den Menschen haben konnten.

Teredo navalis beispielsweise, eine Muschel, die Anfang des 18. Jahrhunderts im Holz von Schiffsrümpfen nach Mitteleuropa gelangte, löste kurze Zeit später in Holland eine schwere Überschwemmungstragödie aus. Innerhalb von wenigen Jahren vermehrte sich der Schiffsbohrwurm, wie er im Volksmund auch genannt wurde, explosionsartig und machte sich in den Seewehren aus Holz an der holländischen Küste breit. In der Folge kollabierten diese Schutzbauwerke schon bei harmlosen Stürmen und sorgten für "Land unter" in den vielen Regionen Hollands, die niedriger als der Meeresspiegel lagen. "Holland war in Not" und eine Redewendung, die heute noch bei schwerwiegenden, unvorhersehbaren Ereignissen und Katastrophen gebräuchlich ist, wurde geboren.


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