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Samstag, 20.03.2010
Mit Haken und Ösen
Naturpatent Klettverschluss

In einigen wenigen Ausnahmefällen kann auch das direkte "Abgucken" von der Natur zu funktionierenden Ergebnissen führen. Eines dieser Beispiele ist aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken - der Klettverschluss. Die Idee dazu kam dem Belgier Georges de Mestral, als er zum xten Male nach einem Spaziergang mit seinem Hund Kletten aus dem langen Fell des Tieres entfernen musste.

Mit der für viele Erfinder typischen Neugier begnügte sich Mestral aber nicht damit, die Kletten einfach abzustreifen. Er legte sie unter sein Mikroskop, um festzustellen, warum diese igelartigen Kugeln so gut hafteten.

Klettverschluss 
Klettverschluss
© Nanoworld
Dabei entdeckte er, dass die scheinbar gerade endenden Stacheln der Klette in Wirklichkeit an ihrer Spitze winzige elastische Häkchen trugen. Kamen auch nur einige von ihnen in Kontakt mit Fell oder den winzigen Schlingen eines gewebten Stoffes, hakten sie sich fest. Auf diese Weise nutzt die Klette Tiere - und auch Menschen - als Transportmittel für die Verbreitung ihrer Früchte. Werden die Kletten mit Gewalt entfernt, schützt ihre Elastizität die Häkchen vor dem Abbrechen und sie stehen sofort wieder für den nächsten Transport zur Verfügung.

Mestral sah in diesem System eine Möglichkeit, auf einfache Weise zwei Materialien reversibel zu verbinden: Wenn eine Seite des Verschlusses das Prinzip der elastischen Häkchen kopiert und die andere die Schlingen eines Stoffes, haften beide aneinander. Mit etwas Kraft können sie aber auch wieder getrennt werden, ohne dass sich die Struktur der Verbindungsstelle verändert. Auch wenn es bis zur industriellen Fertigung noch acht Jahre dauern sollte, war mit dieser Idee der Klettverschluss geboren.

Inzwischen arbeiten Bioniker bereits an Klettverschlüssen der zweiten Generation. Gefragt, ob es denn in der Natur vielleicht auch Beispiele für solche Verhakungen gäbe, die fest schließen, aber weniger schnell verschmutzen als Klettverschlüsse, machte sich die Saarbrücker Arbeitsgruppe von Werner Nachtigall auf die Suche. Sie wurden fündig und konnten anhand der biologischen Vorbilder Anregungen für neue technische Lösungen geben. Und auch in England arbeiten Bioniker an der Optimierung des Klettverschlusses. Einer der Nachteile des Verschlussklassikers ist bisher das typische "Ratsch"-Geräusch beim Öffnen. Die Biomimetiker der Universität von Reading suchen nun nach Vorlagen für einen lautlosen Klettverschluss.

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