Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Unbegrenztes Wachstum
Die Sache mit den Stammzellen

Das Geheimnis der unbegrenzten Lebenszeit des Süßwasserpolypen sind seine Stammzellen. Aus diesen Alleskönnern entsteht der Zellnachschub - als Ersatz für Defektes, aber auch um die Knospen für die ungeschlechtliche Vermehrung zu bilden.

 Dieser Querschnitt der Körperwand einer Hydra zeigt den zweischichtigen Aufbau mit dem dazwischen liegenden Insterstitium
Dieser Querschnitt der Körperwand einer Hydra zeigt den zweischichtigen Aufbau mit dem dazwischen liegenden Insterstitium
© Bosch TC., Dev Biol. 200 / CC-by-sa 3.0  Dieser Querschnitt der Körperwand einer Hydra zeigt den zweischichtigen Aufbau mit dem dazwischen liegenden Insterstitium
Wie bei den meisten Tieren gibt es auch bei der Hydra verschiedene Stammzell-Linien. Die sogenannten epithelialen Stammzellen kommen in der inneren und der äußeren Körperwand (Ento- und Ektoderm) vor und bestimmen die Gestalt des Polypen. Sie bilden Muskelfasern, scheiden verschiedene Stoffe aus, bilden die Knospen und nehmen Nahrung auf. Der zweite Typ sind die interstitiellen Stammzellen. Sie liegen zwischen den Zellen von Ento- und Ektoderm im sogenannten Interstitium. Diese Stammzellen sind ebenfalls multipotent - ihnen stehen verschiedene zelluläre Entwicklungsmöglichkeiten offen. Mehr als die Hälfte von ihnen wird zu neuen Stammzellen, der Rest bildet Drüsen-, Nerven- oder Nesselzellen.

Körperzellen altern, Keimzellen nicht
Aus den interstitiellen Stammzellen entstehen auch die Keimzellen - die Zellen aus denen die neue Generation hervorgehen soll. Wenn sich ein Tier entwickelt, werden normalerweise diejenigen Zellen, die den Körper bilden – die somatischen Zellen – von den Keimzellen separiert. Diese Trennung von Soma und Keimbahn ist äußerst wichtig, denn in den Körperzellen können sich im Laufe eines Lebens Genveränderungen anhäufen. Zudem verkürzen sich die Enden der Chromosomen, die sogenannten Telomeren, bei jeder Zellteilung. Ist eine kritische Länge unterschritten, können sich die somatischen Zellen nicht mehr geordnet teilen: sie altern und sterben.

Die Keimbahnzellen hingegen sind vor Alterung geschützt. Sie besitzen ein spezielles Enzym, die sogenannte Telomerase, die die Enden der Chromosomen nach jeder Zellteilung wieder verlängert. Das bedeutet: Normalerweise können sich nur die Keimbahnzellen über Generationen hinweg unbeschadet vermehren und sind letztlich unsterblich.

Embryonale Stammzellen wie diese können noch alle Zelltypen des Körpers hervorbringen 
Embryonale Stammzellen wie diese können noch alle Zelltypen des Körpers hervorbringen
© Nissim Benvenisty, PLoS Biology / CC-by-sa 2.5 us  Embryonale Stammzellen wie diese können noch alle Zelltypen des Körpers hervorbringen
Bei Hydra aber ist das anders: Soma- und Keimbahnzellen sind bei ihr nicht streng voneinander getrennt. Sowohl Stammzellen wie auch die Keimbahnzellen besitzen dadurch bei ihr ein unbegrenztes Potenzial, zu wachsen. Experimente zeigten kürzlich, dass Keimbahnzellen zwar kontinuierlich aus interstitiellen Stammzellen hervorgehen, sie können sich aber ebenfalls noch unbegrenzt teilen. Die Forscher vermuten, dass für diese unbegrenzte Reproduktionsfähigkeit ähnliche Mechanismen verantwortlich sind wie die, die Keimzellen davor schützen, zu altern.

Strenge Wachstumskontrolle
Und noch eine Besonderheit gibt es: Weil epitheliale und interstitielle Stammzellen sich bei der Hydra ständig vermehren, muss das Gleichgewicht beider Zelltypen ständig reguliert werden. Würden beide unkontrolliert wachsen, würde der Zelhaushalt des Polypen schnell aus der Balance geraten. Doch die Hydra hat eine sehr effektiv arbeitende Wachstumskontrolle. Aus den überschüssig produzierten interstitiellen Zellen bilden sich zwar verschiedene andere Zelltypen, Tumore und entartetes Wachstum wie bei anderen Organismen kennt der Polyp aber nicht.

Wie die verschiedenen Stammzelllinien von Hydra miteinander kommunizieren und das Wachstum kontrollieren, ist allerdings noch wenig verstanden. Man kennt beispielsweise kleine Eiweiße, die von Nerven- und Epithelzellen gebildet werden und eine regulatorische Rolle spielen könnten. Auch die Umgebung, die sogenannte Stammzellnische, ist für die Wachstumskontrolle wichtig: Erst die Stammzellnische ermöglicht das Gleichgewicht von Teilung und Differenzierung.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Süßwasserpolyp Hydra
Leben im Süßwasser
Zellen - Bausteine des Lebens
Regenerative Medizin
Artikel zum Thema
Ein Leben ohne Altern
Wie Stammzellen den Süßwasserpolypen Hydra unsterblich machen
Uralt und nicht tot zu kriegen
Süßwasserpolypen und ihre lange Geschichte
Ewiger Embryo
50 Jahre und kein bisschen älter
Unbegrenztes Wachstum
Die Sache mit den Stammzellen
Gene und Signalwege
Auf der Suche nach den genetischen Ursachen
Top-Diaschauen
Dunkle Materie
Smart Plastics
Planeten
Tiefseegräben
Rätselhafter Merkur
Aktuelle Dossiers
Die Molekül-Sortierer
Neue Formen des Recyclings für den Rohstoff-Bedarf von morgen
Schimpansen - der Film und die Realität
Ein Blick auf Forschung und Forscher hinter dem Disney-Naturfilm
Warten auf das solare Maximum
Die Aktivität unserer Sonne und ihre Kapriolen
HPV: Impfung gegen Krebs
Was bringt die Schutzimpfung gegen das Humane Papillomavirus?
Grüne Gentechnik
Von den Kartoffeln der Inkas zum Gen-Soja
Vögel, die auf Städte fliegen
Wie passen sich Amsel, Meise und Co. an das urbane Leben an?
Die große Flut
Forscher enträtseln die Urzeit-Katastrophe am Mittelmeer
Stadt, Land, Leere
Der demografische Wandel und die Folgen
Nanopartikel
Die unsichtbaren Helfer und ihre Schattenseiten
Mehr als nur Fisch…
Die Rolle von Hering und Co. im Ökosystem Ozean - und die Folgen der Fischerei