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Rückschlag in der Gobi
Kälte droht ausgewilderte Urwildpferde zu vernichten

Im Winter 2099/2012 drohte dem gerade gut angelaufenen Wiedereinbürgerungs-Projekt in der Gobi ein jähes Ende. Denn dem extrem trockenen Sommer des Jahres 2009 folgte ein ungewöhnlich langer und kalter Winter. Er raffte mehr als die Hälfte der bis dahin mühsam aufgebauten Urwildpferd-Population in der Gobi dahin.

Dieses Kamel starb im Kältewinter 2009/2010 in der Gobi 
Dieses Kamel starb im Kältewinter 2009/2010 in der Gobi
© gemeinfrei  Dieses Kamel starb im Kältewinter 2009/2010 in der Gobi
In der Mongolei treten extreme Wetterbedingungen in Form von Dürren und von kalten und schneereichen Wintern in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Allerdings führte das von der lokalen Bevölkerung Dzud genannte Wetterphänomen 2009/10 zum extremsten Winter, den die Mongolei in den vergangenen 50 Jahren erlebt hat. Fünfzehn der einundzwanzig Provinzen wurden zum Katastrophengebiet erklärt, und über 7,8 Millionen Tiere, 17 Prozent des nationalen Bestandes, kamen aller Wahrscheinlichkeit nach zu Tode.

Zu viel Schnee
Aufgrund der besonderen Lage am Rande des Dsungarischen Beckens, das von hohen Bergen umgeben ist, fiel im Great Gobi B Schutzgebiet in diesem Winter besonders viel Schnee. Das Gros der Schneestürme kam von Westen, und die Schneewolken luden große Mengen von Schnee ab, als sie am östlichen Rand des Great Gobi B Schutzgebiet auf das Altai Gebirge trafen. So kam es zu einem starken Ost-West-Gefälle in der Schneehöhe. Der hohe und fest gepackte Schnee machte es den dort lebenden Wild- und Haustieren schwer, an die Vegetation unter dem Schnee zu kommen.

 Eine Przewalski-Stute mit ihrem Fohlen im Schnee
Eine Przewalski-Stute mit ihrem Fohlen im Schnee
© Vetmeduni Vienna / Chris Walzer  Eine Przewalski-Stute mit ihrem Fohlen im Schnee
Die Przewalski-Pferde nutzten drei verschiedene Winterweiden, zwei im Osten und eine im Westen des Schutzgebietes, wie Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien berichten. Die Verluste unter den Wildpferden seien hoch gewesen, im Durchschnitt starben 60 Prozent der Tiere. Allerdings waren praktisch nur die zwei Gruppen im Ostteil des Schutzgebietes betroffen, während die westliche Gruppe fast keine Todesfälle zu verzeichnen hatte. Die Wildpferde nutzen ihren Lebensraum sehr konservativ, und selbst unter den Extrembedingungen des Dzuds wagten sich die Wildpferde nicht über die Grenzen der ihnen vertrauten Streifgebiete hinaus. So blieb der Großteil der Population im am stärksten vom Dzud betroffenen Gebiet.

Zu wenig und zu unflexibel
Dass die Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi von der lokal recht unterschiedlichen Wetterkatastrophe so stark betroffen waren, lag nach Ansicht der Forscher vor allem an der geringen Populationsgröße und dem kleinen Verbreitungsgebiet dieser wiedereingebürgerten Population. Eine zahlenmäßig starke und weit verbreitete Population wäre viel besser in der Lage gewesen, einen lokalen Einbruch der Population auszugleichen. Der Dzud des Winters 2009/2010 sei letztlich ein Beispiel dafür, wie verletzlich kleine und räumlich beschränkt Populationen in Gebieten mit großen klimatischen Schwankungen seien, sagen die Wissenschaftler.

Przewalski-Pferd im Hustain Nuuru-Nationalpark 
Przewalski-Pferd im Hustain Nuuru-Nationalpark
© Alancordova / CC-by-sa 3.0  Przewalski-Pferd im Hustain Nuuru-Nationalpark
Solange Populationen klein und räumlich beschränkt bleiben, ist der Erfolg einer Wiedereinbürgerung nicht garantiert, wie die Wissenschaftler betonen. Es brauche daher ein langfristig angelegtes Projektengagement. "Der Katastrophenwinter hat wirklich hervorgehoben, wie gefährlich es ist, quasi alle Pferde auf einer Weide zu haben", sagt Petra Kaczensky von der Vetmeduni Wien. Denn gäbe es nicht ein zweites Wiedereinbürgerungsprojekt in der Waldsteppe der Zentralmongolei, wäre es jetzt wieder schlecht um den Status der Urwildpferde in ihrer neuen alten Heimat bestellt.

Auch die Przewalski-Pferde im 1.000 Kilometer entfernten Hustain Nuuru litten unter dem Katastrophenwinter, aber längst nicht so stark. Ein üppiges Frühjahr nach dem strengen Winter, ein regenreicher Sommer 2010 und ein darauf folgender milder Winter 2010/2011 sorgten dafür, dass die Zahl der Tiere auch in der Gobi wieder anwächst. „Für 2012 erwarten wir überdurchschnittlich viele Fohlen“, freut sich Thomas Pfisterer, Präsident der International Takhi Group.

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