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Viele kleine Nischen
Unterwasser-Canyons als Lebensraum

Die Unterwasser-Canyons sind nicht nur geologisch eine Besonderheit, auch für die Lebenswelt der Ozeane spielen diese Kerben im Schelf eine wichtige Rolle. Denn in den Canyons fließt mit Nährstoffen und Sediment angereichertes Wasser in die eher karge Umgebung der Tiefsee. Zudem bieten die vielfältigen, verwinkelten und stark unterschiedlichen Canyonbereiche den Organismen viele verschiedene Lebensräume. Neben der Meerestiefe entscheidet dabei vor allem die Beschaffenheit des Untergrunds, welche und wie viele Organismen dort leben.

Aufnahme eines Xenophyophoren im Atlantik 
Aufnahme eines Xenophyophoren im Atlantik
© NOAA/ Ocean Explorer  Aufnahme eines Xenophyophoren im Atlantik
Der Untergrund entscheidet
So leben auf den Sediment-beladenen Terrassen und am flachen Grund des unteren und mittleren Nazaré-Canyons zahlreiche Wurmarten, aber auch Seegurken und andere Tiere, die organisches Material aus dem Schlick herausfressen. An solchen Stellen haben Forscher des HERMES-Projekts auch Riesen-Einzeller entdeckt. Die sogenannten Xenophyophoren werden bis zu 25 Zentimeter groß und umgeben sich mit einer Hülle aus angeklebten Sandkörnchen und Steinchen. Wie kleine Korallen sitzen sie auf dem Untergrund und bieten ihrerseits wieder zahlreichen kleineren Lebewesen Schutz. Auch sie zehren von den Resten organischen Materials, die mit Sediment und Wasser vom Schelf in die Tiefsee gespült werden.

An den steinernen Wänden und an den vom herabströmenden Wasser freigefegten Flächen im oberen Canyonbereich siedeln vor allem festsitzende Tiere wie Seeanemonen, Armfüßer und Kaltwasserkorallen. "Aber auch die Ausrichtung und Neigung des Untergrund spielt hier eine wichtige Rolle", erklären die HERMES-Forscher. An Stellen mit Überhängen bilde sich oft eine wieder andere, typische Gemeinschaft von Filtrierern, darunter Muscheln, Seelilien, Haarsterne und Armfüßer.

 An Überhängen bilden sich typische Filtrierer-Gemeinschaften
An Überhängen bilden sich typische Filtrierer-Gemeinschaften
© NOCS /ROV Isis  An Überhängen bilden sich typische Filtrierer-Gemeinschaften
"Zwar mag die Artenvielfalt an einer einzelnen Stelle nicht sehr hoch erscheinen, aber die Heterogenität des Habitats sorgt dafür, dass in verschiedenen Bereichen des Canyons ganz unterschiedliche Tiere siedeln", erklären Forscher des HERMES-Projekts. Dadurch sei die Artenvielfalt des Unterwasser-Canyons als Ganzem sehr hoch. "Die Unterwasserschluchten entlang der europäischen Kontinentränder tragen daher zur Biodiversität dieser Ozeangebiete bei."

Plastiktüten und PCBs in der Tiefsee
Allerdings ist selbst dieser unter hunderten und tausenden Metern Wasser liegende Lebensraum inzwischen nicht mehr unberührt. Während des HERMES-Projekts fanden die Forscher Hinweise auf erhöhte Blei, Zink, und Kupfergehalte im Sediment einiger Canyons. Sowohl vor Portugal als auch im nordwestlichen Mittelmeer sind die Canyonböden zudem mit organischen Schadstoffen wie polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht. Das vom Schelf durch die Canyons herabströmende Wasser transportiert diese Schadstoffe von den verschmutzten Küstengebieten bis weit in die Tiefsee. Sogar Plastiktüten, Kunststoffflaschen und Fischernetze habe man schon in den unteren Canyonbereichen gefunden, berichten die Forscher.

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