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Urzeit-Krise im Mittelmeer
Ein ausgetrockneter Ozean als Schluchtenbauer

Einen Sonderfall stellen einige Canyons im Mittelmeer dar, die vor den Mündungen großer Flüsse wie dem Nil oder der Rhone liegen. Denn bei ihnen könnte tatsächlich die alte Theorie der "Hebung" und des trockenfallenden Schelfs zumindest teilweise zutreffen.

Abgeschnitten vom Wassernachschub
 Das nahezu ausgetrocknete Mittelmeer während der messinischen Salinitätskrise
Das nahezu ausgetrocknete Mittelmeer während der messinischen Salinitätskrise
© Paubahi/CC-by-sa 3.0  Das nahezu ausgetrocknete Mittelmeer während der messinischen Salinitätskrise
Vor rund 5,6 Millionen Jahren führten Bewegungen der Kontinentplatten und im Erdmantel dazu, dass die Meeresverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer verschlossen wurde. Als Folge strömte kein frisches Meerwasser mehr in das Becken nach. Weil der Wassernachschub über die Flüsse nicht ausreichte, um die Verdunstung auszugleichen, sank der Wasserspiegel des Mittelmeeres immer mehr. Das trockene, heiße Klima sorgte dafür, dass das Mittelmeerbecken innerhalb weniger tausend Jahre nahezu vollkommen austrocknete.

Anstelle des Meeres fand sich hier nun eine weite, an einigen bis zu 5.000 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Senke, in der nur noch einige extrem salzige Tümpel vom einstigen Wasserreichtum zeugten. Erst vor 5,33 Millionen Jahren endete diese auch als messinische Salinitätskrise bezeichnete Epoche und die Straße von Gibraltar öffnete sich wieder.

Bis sich Gibraltar wieder öffnete, hatte sich der Untergrund der Mittelmeer-Ränder gehoben. 
Bis sich Gibraltar wieder öffnete, hatte sich der Untergrund der Mittelmeer-Ränder gehoben.
© Roger Pibernat / CC-by-sa 3.0  Bis sich Gibraltar wieder öffnete, hatte sich der Untergrund der Mittelmeer-Ränder gehoben.
Weiter Weg in die Tiefe
Spuren dieser Trockenphase finden sich noch heute in gewaltigen Salzablagerungen, aber auch in den tief eingekerbten Flusscanyons rund um das Mittelmeer. Denn die großen Ströme, die von Europa und Afrika aus in das urzeitliche Mittelmeerbecken flossen, mussten mit zunehmender Austrocknung einen immer weiteren Weg bis zu ihrer Mündung zurücklegen. Gleichzeitig hob sich - vom gewaltigen Gewicht des Wassers entlastet - der Untergrund vor allem in den Randgebieten des Mittelmeeres. Das verstärkte das Gefälle der Flüsse noch, die von den relativ steilen Schelfhänge bis in die heutigen Tiefseegebiete hinabstürzten. Im Laufe der Jahrtausende gruben sie sich so tief in den Untergrund ein.

Der Geologe Julien Gargani von der Universität Paris ermittelte für den Nil Erosionsraten, nach denen der Fluss damals 2,5 Meter pro Jahr von seinem Bett abtrug. Als Folge lag sein Flussbett damals in Assuan noch mehrere hundert Meter unter dem heutigen Meeresspiegel, seine Mündung sogar 2,400 Meter tief. Als sich vor 5,33 Millionen Jahren das Mittelmeer wieder füllte, versank ein Teil dieser ehemaligen Flussbetten in den Fluten und wurde zu Unterwasser-Canyons.

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