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Eiszeit, Flüsse, Kontinentsprünge
Wie entstanden die Unterwasser-Canyons?

Beim Grand Canyon und anderen Schluchten an Land ist klar, was sie schuf: Die erodierende Kraft des Wassers, das über Tausende oder sogar Millionen von Jahren ein Flussbett immer tiefer in den Untergrund einkerbte. Aber wie ist das mit den Canyons unter Wasser?

Der Canyon vor der Mündung des Congo setzt das Bett des Flusses fort 
Der Canyon vor der Mündung des Congo setzt das Bett des Flusses fort
© NASA, Mikenorton/cc-by-sa 3.0  Der Canyon vor der Mündung des Congo setzt das Bett des Flusses fort
War die Eiszeit schuld?
Zumindest einige von ihnen scheinen tatsächlich dem Lauf großer Flüsse bis ins Meer hinein fortzusetzen. So gibt es vor der Mündung von Amazonas, Kongo, Ganges oder Hudson jeweils eine Unterwasserschlucht, die sich bis weit ins Meer hinaus erstreckt. Unter anderem wegen dieser Beobachtung sahen Geoforscher in den 1930er Jahren hier einen ursächlichen Zusammenhang. Damals wusste man bereits, dass die Meeresspiegel während der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren mehr als 100 Meter niedriger lagen als heute. Als Folge lagen weite Bereiche der heute überfluteten Kontinentalschelfe trocken. Um das Meer zu erreichen, mussten daher auch die Flüsse einen weiteren Weg zurücklegen, naheliegend also, dass ihr damals verlängertes Bett Spuren im Schelfuntergrund hinterlassen hatte.

Allerdings hatte diese Theorie einen Haken: Zum einen kannte man auch damals schon einige Unterwasser-Canyons, die nicht in der Nähe einer Flussmündung lagen. An einigen Stellen bildeten die Schluchten gleich mehrere parallele, senkrecht zum Kontinenthang verlaufende Schnitte im Untergrund. Zum anderen aber reichten die Canyons teilweise bis in mehrere tausend Meter Tiefe - und damit in einen Bereich, der auch bei der stärksten Eiszeit noch überschwemmt gewesen muss. Wie also waren die Schluchten dahin gekommen?

 Um die Canyons durch Schwankungen des Meeresspiegels zu erklären, müssten sich die Schelfgebiete mehrere tausend Meter gehoben haben.
Um die Canyons durch Schwankungen des Meeresspiegels zu erklären, müssten sich die Schelfgebiete mehrere tausend Meter gehoben haben.
© ORNL  Um die Canyons durch Schwankungen des Meeresspiegels zu erklären, müssten sich die Schelfgebiete mehrere tausend Meter gehoben haben.
Erst hoch dann runter
Die Geoforscher der 1930er Jahre suchten verzweifelt nach einer Erklärung. Einige von ihnen fanden auch eine - wenngleich reichlich weit hergeholt, wie auch der Geologe Reginald Daily 1936 in einer Veröffentlichung kommentierte: "Die vorherrschende Lehrmeinung erfordert es, dass die Schelfgebiete in allen drei großen Meeren gegen Ende ihrer Entstehung um fast 3.000 Meter angehoben wurden, dann für eine kurze Zeit stabil bleiben, um dann erneut fast 3.000 Meter auf den heutigen Stand abzusinken. Wie unwahrscheinlich eine solche alle fünf Kontinente und ihre umgebenden Meeresböden umfassende Oszillation ist, wird auf den ersten Blick deutlich."

Denn eine so gewaltige Hebung hätte, so argumentiert der Geologe, auch in anderen Stellen der Erdkruste deutliche Spuren hinterlassen müssen. Was aber schuf dann die Schluchten, wenn weder Flüsse noch Hebung die Ursache waren?

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