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Donnerstag, 09.02.2012
Freispruch für die Termiten
Eine Symbiose mit drei Partnern

Termiten 
Termiten
© H. Vannoy Davis
Termiten - wer denkt da nicht zuerst an durchlöcherte Möbel, zerfressene Böden und ausgehöhlte Balken. Schon seit der Antike haben die holzfressenden Termiten den Menschen zu schaffen gemacht. So sagt man ihnen nach, fast das gesamte kulturelle Erbe Ägyptens, das auf Papyrus festgehalten war, vernichtet zu haben. Im 19. Jahrhundert sollen sie die Artillerielafetten in den Depots der Franzosen auf den Antillen ausgehöhlt haben. Die Engländer werden es ihnen bei ihrem Angriff auf die Franzosen gedankt haben.

Aber auch heute noch sorgen Termiten für Ärger. Da sie sich auf der Suche nach Futter auch durch die Gummi-Isolierung elektrischer Kabel fressen, legten Termiten bereits die Steuerung der Schleusen des Panamakanals lahm. Und nicht einmal vor dem Vatikan machen die Tiere halt: Seit einigen Jahren vergreifen sie sich dort an den Büchern der Bibliothek.

Doch die Termiten müssen - zumindest teilweise - von diesen "Sünden" freigesprochen werden. Denn nicht sie alleine sind die Übeltäter. Ohne eine Symbiose wären auch die Termiten nicht in der Lage, Holz zu fressen. Termiten selber besitzen keine Verdauungsenzyme, die die Cellulose des Holzes spalten können. In den Blindsäcken ihres Hinterdarmes leben aber symbiotische Protozoen (Einzeller), wie der Zooflagellat Trichonympha. Die Flagellaten nehmen die von den Termiten zerkleinerten Holzpartikel auf. Für die eigentliche Cellulosespaltung sind jedoch primär Bakterien verantwortlich, die wiederum als Symbionten im Zellplasma der Flagellaten leben. Die von ihnen bei der Cellulosespaltung freigesetzten Nährstoffe kommen dann den Termiten zugute. Diese faszinierende Symbiose besteht also zwischen drei Organismengruppen.

Die symbiotischen Mikroorganismen werden unter den Termiten über den Austausch von Flüssigkeiten zwischen After- und Mundöffnung, die sogenannte anale Trophalaxis, an die anderen Nestbewohner weitergegeben. Nach der Häutung, bei der auch die Innenwände des Enddarms erneuert werden, müssen die Termiten ihre Symbionten durch Kotfressen jedesmal wieder neu aufnehmen.

Und das alles nur, um uns das Holz wegzufressen? Nein, natürlich nicht. Termiten sind äußerst nützliche Komponenten ihres natürlichen Lebensraumes. Nicht umsonst nennt man sie die Regenwürmer der Tropen. Durch ihre Grabarbeit lockern sie den Boden auf, verwerten abgestorbenes Pflanzenmaterial und düngen mit ihrem Kot den Boden. Die Nährstoffe von Holz- und Pflanzenteilen können durch Termiten sehr viel schneller wieder in den Nährstoffkreislauf gelangen als allein durch Verrottung. Die Bedeutung der Termiten erkannten schon die traditionellen Kulturen der Tropen, in denen Termitenhügel von Menschen sorgsam gehütet und auf den Sohn weitervererbt wurden.

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