Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Vulkane, Schelfeis und zwei Schiffe
Die Expeditionen des James Ross

Schelfeis in der Antarktis 
Schelfeis in der Antarktis
© NOAA
In der Folge dieser Entdeckungen wandten sich immer mehr Forscher nach Süden, um das neu entdeckte Land zu erkunden. Einer der bedeutendsten dieser frühen Entdecker ist der Engländer James Clark Ross. Mit mehrjähriger Erfahrung in polaren Gewässern bricht er im Oktober 1839 mit zwei Schiffen, der Erebus und der Terror Richtung Antarktis auf. Sein Ziel: Er will den magnetischen Südpol finden. Acht Jahre früher hatte Ross bereits den magnetischen Nordpol lokalisiert und er hat nun keinesfalls die Absicht, die Entdeckung des Gegenpols einem anderen zu überlassen.

Am Neujahrstag 1841 überquert Ross den südlichen Polarkreis und stößt kurz darauf auf Packeis. Es gelingt den beiden Schiffen jedoch, diese Eisbarriere zu passieren und sie erreichen ein nur dünn mit Eis bedecktes Meeresgebiet - es wird heute ihm zu Ehren als Rossmeer bezeichnet.

Schon wenige Tage später sehen sie in der Ferne vor sich eine riesige weiße Bergkette in den Himmel ragen - die Küste der Antarktis. Während sie weiter darauf zu segeln, beginnt die Kompassnadel sich seltsam zu verhalten. Ross schließt daraus, das er sich dem magnetischen Südpol, seinen ersehnten Ziel, bis auf 500 Kilometer genähert haben muss.

Am 28 Januar 1841 bietet sich der Expedition eine weitere Überraschung: Auf einer vorgelagerten Insel speit ein gigantischer Vulkan Rauch und Feuer. Der Schiffsarzt notiert in seinem Tagebuch: "Die ganze Küste ist eine einzige Masse schneeglänzender Gipfel. Davor jedoch erhebt sich eine dunkle Rauchwolke, von Flammen umgeben. Sie steigt in einer fast ungebrochenen geraden Säule von Vulkankegel auf. ...Dieser Anblick übertrifft alles bisher gesehene, es ruft ein Gefühl der Ehrfurcht hervor..." Nach seinen beiden Expeditionsschiffen tauft Ross den aktiven Vulkan Erebus und seinen kleineren, inaktiven "Bruder" Terror.

Während die Schiffe stetig nach Süden steuern, bemerkt Ross einige Tage später eine niedrige weiße Linie, die sich soweit das Auge sehen kann ostwärts erstreckt. "Als wir näher kamen, entpuppte sie sich als eine senkrechte Eiswand, zwischen 45 und 60 Meter hoch, völlig flach und eben an der Oberseite und ohne Spalten oder größere Vorsprünge auf der Seeseite.", so Ross in seinem Tagebuch.

Mehr als 300 Kilometer segeln Ross und seine Mannschaft an dieser Schelfeisgrenze entlang, immer in der Hoffnung, doch noch eine Einfahrt zu finden. Mitte Februar muß Ross allerdings einsehen, dass es diese Barriere für ihn und seinen Schiffe unüberwindbar ist: "Wir haben in etwa die gleiche Erfolgschance wie bei einem Versuch, durch die weißen Klippen von Dover zu segeln." Er tauft das später nach ihm benannte Schelfeis "Viktoriabarriere" und beschließt, es erst im nächsten Südpolarsommer erneut zu versuchen.

Dieser zweite Versuch ist allerdings vom Pech verfolgt. Im Packeis werden beide Schiffe durch die Wucht der umhertreibenden Eisschollen beschädigt und am Eisschelf angekommen, ist es so kalt, das sogar ein Fisch an der gefrorenen Bordwand der Erebus kleben bleibt. Eine Durchfahrt ist auch diesmal nicht in Sicht. Auf dem Rückweg kollidiert die Erebus beinahe einen Eisberg, sie kann zwar ausweichen, rammt dabei aber die Terror. Nur ein gewagtes Manöver durch Ross verhindert in letzter Minute, das die Schiffe Totalschaden erleiden. Schwer beschädigt, aber gerade noch seetüchtig erreicht die Expedition Ende März 1842 die Falkland Inseln.

Nach einem dritten erfolglosen Versuch, weiter nach Süden vorzudringen, verläßt James Ross 1843 endgültig das südliche Polarmeer und kehrt heim nach England.
Nach dem Ende der letzten Ross-Expedition waren die Antarktis und das Südpolarmeer fast 50 Jahre lang wieder die fast ausschließliche Domäne der Pelztierjäger und Walfänger. Erst 1895 sollte der sechste internationale Geographische Kongress eine neue Ära der Polarforschung einläuten.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Antarktis
Am eisigen Ende der Welt
Der südliche Zwilling...
Frühe Vorstellungen vom Südkontinent
Auf der Suche nach dem Südland
James Cook und die ersten Entdecker
Vulkane, Schelfeis und zwei Schiffe
Die Expeditionen des James Ross
Hungern und Frieren für Ruhm und Ehre
Auf dem Weg zum Südpol
Der Wettlauf zum Pol
Die erste Etappe
90° Süd
Kampf ums Überleben
Eine neue Ära der Polarforschung
Die Technik hält Einzug
Steckbrief
Die Antarktis in Zahlen
Kooperation statt Kolonien
Der Antarktisvertrag
Wissenschaft statt Militär
Die Kernaussagen des Vertrags
Bewahren statt Ausbeuten
Naturschutz in der Antarktis
Labor des Klimawandels
Die Antarktis als Anzeiger für globale Erwärmung
Testfeld für den Weltraum
Mikroben im Eis als Modell für Leben im All?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen