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Freitag, 10.02.2012
Rekordjagden in der Arktis
Von Luftschiffen, U-Booten und einem Marathon am Pol

Aber nicht nur die Erforschung, auch die Rekordjagden in der Arktis finden nach der Eroberung des Nordpols durch Peary ihre Fortsetzung. Die lebende Legende Amundsen beispielsweise hat nach Erreichen des Südpols im Jahr 1911 immer noch ehrgeizige Ziele in der Arktis: Er will das Nordpolarmeer und die Region um den Pol als Erster aus der Vogelperspektive erforschen. Die erste Expedition 1925 mit zwei Luftschiffen schlägt noch kurz vor dem Pol fehl. Mit knapper Not können sich Amundsen und seine Begleiter zurück nach Spitzbergen retten.

Luftschiff im Eis 
Luftschiff im Eis
© Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
1926 kommt dann der Amerikaner Richard Evelyn Byrd Amundsen zuvor. Von Spitzbergen aus überfliegt er den Nordpol mit einem Flugzeug. Das Luftschiff Norge mit Amundsen und seinen Begleitern, dem Italiener Umberto Nobile und dem Amerikaner Lincoln Ellsworth, schafft es noch im selben Jahr von Spitzbergen aus über den Nordpol bis nach Alaska. Damit ist auch die erste Arktisüberquerung geschafft.

30 Jahre später jedoch gibt es wieder eine Premiere zu feiern. 1958 ist es die Nautilus, das berühmte amerikanische Atom-U-Boot, dem es erstmals gelang, die Arktis zu unterqueren und dabei auch den geografischen Nordpol anzusteuern. "Nautilus auf 90 Grad nördlicher Breite!", ist die knappe Botschaft des Kapitäns William Anderson als am 3. August der Nordpol erreicht ist.

Die erste Arktisdurchquerung zu Lande gelingt gut 20 Jahre später dem Briten Wally Herbert. Mit Hundeschlitten geht es 1969 vom Startpunkt Point Barrow in Alaska zu Pearys Ruhmesstätte und von dort aus weiter bis kurz vor Spitzbergen. Ranulph Fiennes und Charles Burton schaffen es schließlich zwischen 1979 und 1982 nicht nur, die Erde zu umrunden, sondern dabei auch noch beide Pole zu überqueren.

1994 ist es schließlich der Norweger Borge Ousland, der als erster Mensch allein und ohne jegliche äußere Hilfe die 973 Kilometer von der sibirischen Severnaja-Insel über die arktische Eisschicht zum Nordpol in 52 Tagesmärschen zurücklegte. Seinen 125 Kilo schweren Schlitten mit Proviant zog er selbst, auf Funk und Satellitennavigation mochte er denn aber doch nicht verzichten. Und den ganzen Weg zurück musste er sich auch nicht quälen. Ein Flugzeug aus Kanada brachte ihn vom Nordpol zurück in die Zivilisation.

Mittlerweile geht es im hohen Norden beinahe zu wie in einem Taubenschlag. Um den Nordpol zu erreichen braucht man heute längst kein Forscher oder Abenteurer mehr sein. Eine dicke Brieftasche und die Teilnahme an einer Kreuzfahrt auf einem der nuklear angetriebenen russischen Supereisbrecher reicht aus, um an das Ziel aller Arktisträume zu gelangen. Knapp 20.000 Euro kostet der Spaß, wenn man den Nordpol statt über Entbehrungen mit einigem Luxus und vielleicht sogar im Schlaf in einer der vergleichsweise behaglich ausgestatteten Mehrbettkabinen ansteuern will.

Wem dies nicht abenteuerlich genug ist, sei eine Tour mit einem der Tiefseetauchboote an Bord der Eisbrecher ans Herz gelegt. Für zusätzliche 30.000 Euro bringen diese modernen Hightech-Geräte den Adventure-Freak sogar bis in mehr als 4.000 Meter Tiefe direkt auf den Meeresboden am Nordpol.

Doch nicht nur die Tourismusbranche hat den Nordpol für ihre Zwecke entdeckt, auch Sportenthusiasten können bald ihrem Hobby am Nordpol frönen: Am 24. April 2003 wird exakt auf 90 Grad nördlicher Breite ein Marathonlauf der besonderen Art gestartet. Da das Packeis dort mit einem Tempo von bis zu zwei Kilometern pro Stunde wandert, wird zur präzisen Startpunktermittlung sogar Satellitennavigation eingesetzt.

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