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Treibsand
Wenn Sand zur Falle wird

Sand kann vom Wind nicht nur verweht werden oder Dünen auftürmen, er kann auch zur gefährlichen Falle werden und Menschen, Autos oder gar Häuser verschlingen. Treibsand heißt dieses seltene Phänomen. Ganze Karawanen soll dieser tückische Sand in der Wüste schon verschlungen haben. Lange Zeit blieb allerdings unklar, ob es dabei um Mythen oder Wriklichkeit handelt.

Treibsand-Warnschild auf der Insel Texel in der Nordsee 
Treibsand-Warnschild auf der Insel Texel in der Nordsee
© Ralf Schulze / CC-by-sa 2.0  Treibsand-Warnschild auf der Insel Texel in der Nordsee
Bekannt ist das Phänomen eigentlich vor allem bei feuchtem Sand. Ist dieser Sand bis zu einem bestimmten Grad mit Wasser gesättigt, dann wandelt sich das Sand-Wasser-Gemisch schnell von einem festen Untergrund zu einer Flüssigkeits-ähnlichen instabilen Masse. Schon eine kleine Erschütterung – durch ein Erdbeben oder eine unvorsichtige Überquerung dieses Gebiets - reicht aus, um diesen Wechsel auszulösen. Denn im Treibsand sind die Sandkörner nur locker gepackt, zwischen ihnen befinden sich relativ breite, wassergefüllte Hohlräume. Durch die Erschütterung verlieren sie vollends ihren Zusammenhalt und geraten ins Schwimmen. Die fragile Struktur löst sich auf und die Masse verhält sich wie eine Flüssigkeit, sie fließt und verliert ihre Tragfähigkeit. Das Sand-Wasser-Gemisch ist dann zwar immer noch etwa zwei bis sechs Mal dichter als Wasser, aber es trägt kein Gewicht mehr.

Experiment mit Wüstensand
Aber was ist mit den Geschichten von einsinkenden Karawanen in der Wüste? Lange Zeit galt ein solcher trockener Treibsand als Schauergeschichte und Legende. Doch im Jahr 2006 wiesen Wissenschaftler von der Universität Trente in der Niederlanden mit einem einfachen Experiment nach, dass das plötzliche Einsinken eines Menschen im Wüstensand durchaus realistisch sein könnte.

 Experiment mit künstlichem Treibsand
Experiment mit künstlichem Treibsand
© Universität Trente  Experiment mit künstlichem Treibsand
Mit einer Düse pumpten die Wissenschaftler zunächst von unten Luft in ein Sandgefäß und lockerten ihn damit stark auf. Statt der üblichen 60 Prozent hatte die Sandpackung danach nur noch eine Dichte von 41 Prozent. Danach setzten die Physiker einen mit Metallpartikeln beschwerten Tischtennisball vorsichtig an einem Faden auf den Sand und verbrannten dann den Haltefaden. Kaum hatte der Ball seinen Halt verloren, verschwand er schon im aufgelockerten Sand. Hundert Millisekunden später spritzte eine kleine Sandfontäne empor, gefolgt von einer Luftblase. Erst in 20 Zentimeter Tiefe fanden die Wissenschaftler ihren ersten Versuchsball wieder.

Bei weiteren Versuchen stellten sie fest, dass der Ball um so tiefer eindrang, je schwerer er war. Die Wissenschaftler halten es demnach durchaus für möglich, dass es Treibsand in der Wüste gibt. Wenn sehr feiner Sand vom Wind aufgewirbelt und woanders abgelagert würde, könnten ähnliche Bedingungen entstehen wie bei ihnen im Labor, nur in größerem Maßstab.

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