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Sonntag, 22.04.2018
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Den ersten Siedlern auf der Spur

Überreste von vier menschlichen Skeletten entdeckt

Besiedlung des amerikanischen Kontinents

Besiedlung des amerikanischen Kontinents

Die bisherigen Höhepunkte unserer Untersuchungen in den Cenotes Yucatans sind die Überreste von vier menschlichen Skeletten, diverse Feuerstellen und einige Steinwerkzeuge. Auch diese Funde stammen aus heute gefluteten Teilen des Höhlensystems. Sie fanden sich in Wassertiefen von über 20 Metern und weit entfernt von heutigen Höhlenzutritten.

Die „Frau von Las Palmas“


Der bislang vollständigste Knochenfund gelang im Höhlensystem von Najaron: Etwa fünf Kilometer südwestlich von Tulum entdeckten Taucher die Überreste einer 45 bis 50 Jahre alten Frau in 25 Metern Wassertiefe und etwa 360 Meter vom Cenote Las Palmas gelegen. Die Knochen des Skeletts entsprachen der ursprünglichen Position im Körper. Das bedeutet, dass der Zerfall “in situ” erfolgt sein muss, also dort, wo die Frau gestorben ist oder wo ihre Leiche abgelegt wurde. Ohne weiteren Transport sanken die Knochen des verwesenden Körpers auf den Boden der Höhle, die damals noch nicht von Wasser bedeckt war.

Überreste einer 45 bis 50 Jahre alten Frau

Als die Forscher die „Frau von Las Palmas“ fanden, lag sie unmittelbar neben der Höhlenwand, ihre Arme und Beine waren zum Körper gezogen. Ursprünglich könnte der Körper auch in gehockter Stellung aufrecht gesessen haben und war womöglich mit einem Sack oder Schnüren umwickelt. Dies lässt die angewinkelte Position der Arme und Beine vermuten. Bei einem natürlichen Tod vor Ort hätte die Todesstarre zu einer ausgestreckten Position der Leiche geführt.

Datierungen mit der Kohlenstoff(14C)-Methode ergaben für die Frau von Las Palmas ein minimales Alter von 8.500 Jahren; noch höhere Werte von 10.000 bis 12.000 Jahren wurden bei Uran/Thorium-Messungen ermittelt, die Kollegen der Universität Oxford vor einigen Jahren vornahmen.

Frau von Las Palmas

Frau von Las Palmas

Skelettfund in der Höhle El Templo


Noch ein zweiter Mensch, ein 25- bis 30-jähriger Mann aus der Höhle El Templo, wurde mit angewinkelten Armen und Beinen aufgefunden. Dieses Skelett stammt aus einer Wassertiefe von 23 Metern und ist zu etwa 70 Prozent erhalten. Sowohl der Fund in Las Palmas als auch der Fund in El Templo deuten darauf hin, dass die frühen Siedler in Yucatan die tiefen, damals noch trockenen Bereiche des Höhlensystems nutzten, um ihre Toten zu bestatten. Leider waren die Knochen des Mannes von El Templo aufgrund der aggressiven Anlösung des kalkigen Untergrundes so brüchig und fragmentiert, dass kein Kollagen in den Knochen erhalten geblieben war. Kollagen ist zur Altersdatierung erforderlich.

Das bisher höchste Alter wurde an einem menschlichen Skelett aus der Höhle Najaron gemessen. Auch dieser Fundort liegt nur wenige Kilometer von der Stadt Tulum entfernt in etwa 22 Metern Wassertiefe. Es handelte sich um eine 20 bis 30 Jahre alte Frau, deren Skelett zu etwa 80 Prozent geborgen werden konnte. Ihre Knochen waren, vermutlich von Tauchern, aus ihrem Verbund gerissen worden und lagen über einen Bereich von drei bis fünf Metern auf dem Höhlenboden verstreut.

Altersdatierungen mit hohem Unsicherheitsfaktor


Kohlenstoff(14C)-Altersdatierungen der Laboratorien von Riverside in Kalifornien und der Universidad Nacional Autónoma de México ergaben für das Najaron-Skelett ein minimales Alter von 11.600 Jahren. Die Messungen weisen jedoch einen hohen Unsicherheitsfaktor auf, weil unter den tropischen Umweltbedingungen Yucatans und aufgrund der langen Lagerung des Skelettes im Salzwasser nur noch wenig datierbares Knochenkollagen vorhanden war. Nichtsdestotrotz repräsentiert das Najaron-Skelett einen der ältesten Funde eines Menschen aus ganz Amerika.

Ein viertes Skelett stammt aus der Höhle von Chal Hol. Proben davon wurden kürzlich im Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg untersucht. Die Kollagenmenge des Knochens erwies sich jedoch nach der langen Lagerungszeit des Skeletts unter Wasser leider als nicht mehr ausreichend für eine Kohlenstoff-Altersdatierung.
Wolfgang Stinnesbeck / Forschungsmagazin „Ruperto Carola“ der Universität Heidelberg
Stand: 07.10.2011
 
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