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Dienstag, 31.05.2016
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Doppelschlag mit Interferon

Erste Hinweise auf wirksames Mittel gegen Kresbstammzellen

Einen Lockstoff, der Krebsstammzellen des Blutes dazu bringen kann, ihren Schutzraum zu verlassen, hat Marieke Essers aus Trumpps Team womöglich bereits gefunden: Interferon-alpha, einen seit Langem bekannten körpereigenen Botenstoff, der bereits zur Krebstherapie verwendet wird. Essers beobachtete, dass Mäuse nach einer Interferon-Behandlung äußerst empfindlich auf eine Chemotherapie reagieren.

Marieke Essers bei Arbeiten an der Sterilbank.

Marieke Essers bei Arbeiten an der Sterilbank.

„Die Chemotherapie tötet sämtliche Blutzellen ab“, erklärt die quirlige Biologin aus den Niederlanden, „doch normalerweise erholen sich die Mäuse nach ein paar Tagen, denn ihre Stammzellen liefern neue Blutzellen nach. Das funktioniert aber offenbar nicht mehr, wenn wir den Mäusen vor der Behandlung Interferon verabreichen.“

Vermutlich hatte die Interferon-Behandlung die schlummernden Stammzellen aufgeweckt, aus ihrer Nische gelockt und damit den tödlichen Wirkstoffen der Chemotherapie ausgeliefert. „Wir planen nun eine klinische Studie mit Professor Andreas Hochhaus von der Universitätsklinik Jena. Darin wollen wir Blutkrebspatienten vor einer medikamentösen Behandlung Interferon geben und dann prüfen, ob wir mit dem Medikament auch die Krebsstammzellen erwischen“, beschreibt Trumpp.

Kein Rückfall nach Interferon-Behandlung


Dass die Interferon-Aufweckmethode Erfolg haben könnte, zeigt eine klinische Beobachtung aus jüngerer Zeit: Von Dutzenden Blutkrebspatienten, die die Einnahme ihres Medikaments (Imatinib) eingestellt hatten, erlitten die meisten einen Rückfall. Bei einigen Patienten jedoch kehrte
die Krankheit nicht zurück. Sie kommen bis heute, zwei Jahre nach Therapiestopp, ohne Imatinib aus. Es zeigte sich, dass genau diese Patienten vor der medikamentösen Therapie mit Interferon behandelt worden waren.

Interferon-alpha

Interferon-alpha

„Das legt nahe, dass Interferon die Krebsstammzellen aus ihrer Nische gelockt hat“, interpretiert Trumpp die Beobachtung. Die nunmehr schutzlosen Zellen seien vermutlich wie die übrigen Krebszellen durch die Therapie eliminiert und die Krebserkrankung – womöglich – geheilt worden. Die Therapie der Zukunft könnte so aussehen: Mit einer kurzzeitigen Gabe von Interferon oder anderen Substanzen werden Krebsstammzellen aus ihrem Tiefschlaf erweckt und aus der Nische gelockt. Anschließend werden sie mit Medikamenten ein für allemal zerstört.

Armin Ehninger hofft, in ein bis zwei Jahren seine Doktorarbeit abzuschließen und dann mehr darüber zu wissen, wie MYC-Gene die Funktion von blutbildenden Stammzellen steuern. Wenn man erst die biologischen Grundlagen genauer kenne, spekuliert er, könnte es vielleicht einmal möglich sein, eines der MYC-Gene zu benutzen, um verschanzte Krebsstammzellen zu bekämpfen. „Das ist
ein großes Ziel“, sagt er, „und der Weg dorthin ist weit.“ Er streift seine Laborhandschuhe über, greift zur nächsten Petrischale und verabschiedet sich lächelnd: „Und deshalb muss ich jetzt weiterarbeiten“.
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