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Samstag, 17.11.2018
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Stromproduktion im Verborgenen

Wie die Vision Praterkraftwerk entstand

Maximiliansbrücke in München

Wer auf einem Spaziergang durch München die Maximiliansbrücke erreicht, sieht und hört nichts. Genauer gesagt, nichts, was auf ein Kraftwerk und eine erkleckliche Stromproduktion im Bereich der Isar hindeutet. Keine imposanten Maschinenhallen, keine dröhnenden Turbinen, keine summenden Generatoren. Man schaut einfach nur auf einen Fluss, der - je nach Wasserstand -, leise plätschernd oder stark rauschend über die Großen Kaskaden Richtung Friedensengel fließt.

Doch der Eindruck täuscht. Denn seit kurzem gibt es dort sogar eine echte High-Tech-Anlage aus dem Bereich Erneuerbare Energien: das so genannte Praterkraftwerk. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Laufwasserkraftwerk, das die Energie des strömenden Isarwassers nutzt, um große Mengen an emissonsfreiem Ökostrom zu erzeugen.

Neun Meter Fallhöhe


Die Initiatoren des Projektes, die Stadtwerke München (SWM) und der alternative Energiedienstleister Green City Energy haben diesen Standort ausgewählt, weil die Bedingungen zur Nutzung der Wasserkraft hier besonders günstig sind. Im Bereich der Museumsinsel und der weiter nordöstlich gelegenen Praterinsel ist der Fluss geteilt. Auf der einen Seite der Inseln fließt die so genannte Große Isar, auf der anderen die Kleine Isar.

Vor allem die Große Isar bietet dabei perfekte Bedingungen für den Bau eines Wasserkraftwerks. Aufgestaut durch das fast 130 Jahre alte Praterwehr fällt das Wasser an der Maximiliansbrücke über die Großen Kaskaden insgesamt neun Meter in die Tiefe. So weit so gut. Doch wie wurde aus der Vision von „grünem“ Strom aus dem Herzen Münchens Realität?

Einlaufbauwerk und Beginn der Druckleitung

Einlaufbauwerk und Beginn der Druckleitung

Startschuss im Jahr 2006


Alles beginnt im Jahr 2006. Damals gründen die SWM und Green City Energy eine neue gemeinsame Gesellschaft, die so genannte Praterkraftwerk GmbH. Sie soll die Idee ein neues Wasserkraftwerk zu bauen bis ins Detail überprüfen. Sie soll aber auch später alle Planungen sowie den Bau und den Betrieb der Anlage in die Wege leiten und koordinieren. Doch zunächst ist einiges an Vorarbeiten zu erledigen. So muss erst einmal ein handfestes Konzept her. Denn um ein neues Kraftwerk – noch dazu im Zentrum der Millionenmetropole München – genehmigt zu bekommen, müssen negative Folgen durch das Projekt weitgehend ausgeschlossen werden. Sei es für das Ökosystem der Isar, die Bevölkerung und den Tourismus, aber auch für das gewachsene historische Stadtbild.

Um letzteres nicht durch Kraftwerksbauten empfindlich zu stören, setzen die Planer von Anfang an auf einen besonderen „Trick“: Das gesamte Praterkraftwerk wird versteckt tief im Boden unter der Isar entstehen. Dabei setzt man beim Bau des Wasserkraftwerks auf eine ganze Reihe von Einzelelementen, die sich am Ende zur Stromproduktion harmonisch ergänzen sollen. Ein so genanntes Einlaufbauwerk, das das Flusswasser anzapfen soll, gehört genauso dazu wie ein unterirdischer Stollen, der das Wasser anschließend zur Turbine und dem Generator transportiert.

Kraftwerkshaus

Kraftwerkshaus

Mindestwasserregelung und fischfreundliche Turbinen


Den Schutz des Ökosystems Isar wird laut dem Masterplan unter anderem eine so genannte Mindestwasserregelung sichern. Danach dürfen die Betreiber der Anlage nur dann Isarwasser zur Stromproduktion entnehmen, wenn ein Abfluss von 67 Kubikmeter pro Sekunde sichergestellt beliebt. Dies stellt sicher, dass auch die Kleine Isar nicht unter dem Praterkraftwerk leidet und immer genug Wasser führt. Darüberhinaus bleibt so die Speisung der Stadtbäche gewährleistet.

Einiges einfallen lassen haben sich die Betreiber zudem für den Schutz und Erhalt der Fische. So ist eine neue Fischtreppe in der Kleinen Isar im Konzept vorgesehen, um den Auf- und Abstieg der Tiere bei ihren Wanderungen zu sichern. Durch bauliche Maßnahmen will man nahe der Oberfläche und der Isarsohle ergänzend dazu so genannte Leitströmungen erzeugen, die die Fische zu den Abwanderungsmöglichkeiten lenken.

„Die Fließgeschwindigkeiten im Einlaufbereich sind so langsam, dass Fische gegen die Strömung von der Turbine wegschwimmen können, zusätzlich verhindern horizontal angeordnete Rechenstäbe, dass Fische in die Turbine gelangen“, nennt die Praterkraftwerk GmbH auf ihrer Website weitere Vorzüge der Anlage. Und selbst wenn doch einmal – aus welchem Grund auch immer - Fische in die Turbine geraten, bedeutet das noch lange nicht den sicheren Tod. Denn es handelt sich bei dem verwendeten Typ um eine so genannte „fischfreundliche“ Turbine mit nur zwei Flügeln - und entsprechend großen Überlebenschancen für die Tiere beim Passieren.
Dieter Lohmann
Stand: 01.07.2011
 
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