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Mittwoch, 26.09.2018
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Ungeprüfte (Neben-)Wirkung

Risiken von Neuro-Enhancern

Neuro-Enhancer wie Ritalin oder Modafinil gelten gemeinhin als sicher – vor allem verglichen mit Straßendrogen wie Speed oder anderen Amphetamin-Cocktails. Sie seien ja schließlich zugelassene und damit auch ausgiebig geprüfte Medikamente. Das aber ist leider mehr Wunschdenken als Realität.

Methylphenidat wird in unterschiedlichen Formulierungen verschrieben - getestet ist seine Wirkung jedoch auf ADHS-Kranke, nicht auf Gesunde

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So listet schon die offizielle Begleitinformation von Ritalin zahlreiche Nebenwirkungen und Kontraindikationen auf. Bei mehr als jedem zehnten Patienten gibt der Hersteller Schaflosigkeit und Nervosität als Begleiterscheinung an. Selbst bei normaler Dosierung von zehn bis 20 Milligramm pro Tag können zudem bei jedem zehnten bis hundertsten Fall körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auftreten. In schweren Fällen ist sogar ein Herzinfarkt möglich. Auch psychische Veränderungen wie abnormales Verhalten, Aggression, Erregung, Ängstlichkeit oder Depression gelten als häufig.

Risiken für Gesunde nahezu unerforscht


All diese Nebenwirkungen treten schon bei ADHS-Patienten auf – also bei Menschen, deren Hirnstoffwechsel durch das Mittel erst auf den Normalzustand gebracht werden soll. Bei Gesunden könnte sich demnach die Übersteuerung noch stärker bemerkbar machen, systematische Studien fehlen aber auch hier weitestgehend. In der „Nature“-Studie von 2008 gab etwa die Hälfte der – gesunden - Nutzer von Neuro-Enhancern an, unter Nebenwirkungen zu leiden.

In einem kurz davor erschienenen Kommentar ebenfalls zum Thema Neuro-Enhancer konstatieren sieben renommierte Neurowissenschaftler: „Auch wenn Richtlinien zu medizinischen Wirkstoffen sicherstellen, dass diese sicher und effektiv für ihre jeweiligen therapeutischen Zwecke sind, gibt es keine äquivalente Sicherheitsüberprüfung für die Off-Label-Nutzung und darunter auch das Enhancement.“ Ein Medikament, dass zwar starke Nebenwirkungen hat, aber schwerst Demenzkranken hilft, könnte demnach in diesem engen Rahmen als durchaus sicher eingestuft werden, an Gesunden wären die damit verbundenen Risiken und gesundheitlichen Folgen jedoch nach Ansicht der Experten nicht akzeptabel. Welche Auswirkungen gar eine langfristige Einnahme solcher Mittel hat, weiß zurzeit noch niemand.

Nachtarbeit: Positiver Effekt von Modafinil umstritten

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„Nicht mehr als günstig angesehen“


Bei Modafinil haben Nebenwirkungen und Risiken in den letzten Jahren zu einem regelrechten Tauziehen geführt. Ursprünglich nur für schwere Narkolepsie zugelassen, gelang es der Herstellerfirma Cephalon, das Verschreibungsspektrum des Medikaments ab 2004 auf Schlaf-Apnoe und Schlafstörungen bei Schichtarbeitern auszuweiten. Parallel vermarktete Cephalon Modafinil auch als geeignetes Mittel gegen Müdigkeit, Abgespanntheit und andere Off-Label-Nutzungen.

2008 erhielt die Firma von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA jedoch bereits einen ersten Dämpfer und musste für die unsachgemäße Vermarktung 425 Millionen US-Dollar Strafe zahlen. Im Februar 2011 kam dann der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu dem Schluss, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Modafinil für alle Anwendungen außer der schweren Narkolepsie „nicht mehr als günstig angesehen wird“. Mit anderen Worten: Das Risiko, durch Nebenwirkungen Schaden zu nehmen ist deutlich höher als die erhoffte Wirkung.

Der Beliebtheit des Mittels – auch und gerade für nicht-medizinische Zwecke – scheint dies jedoch keinen Abbruch zu tun: In den USA verfünffachte sich der Umsatz mit Modafinil von 196 Millionen US-Dollar im Jahr 2002 auf 988 Millionen Dollar im Jahr 2008 – Tendenz weiter steigend.

„Wenn es möglich wäre, ein Moratorium für kognitives Enhancement auszurufen bis die Risiken besser verstanden sind, wäre das offensichtlich das beste“, erklärt die Neurowissenschaftlerin Martha Farah von der Universität von Pennsylvania. „Aber der Geist ist längst schon aus der Flasche entwischt.“ Sie und ihre Kollegen plädierten daher 2008 in einem „Nature“-Kommentar dafür, die Öffentlichkeit, aber auch die Ärzte aufzuklären und intensiv über biologische, medizinische, aber auch ethische Auswirkungen des Neuro-Enhancements zu forschen.
Nadja Podbregar
Stand: 17.06.2011
 
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