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Samstag, 04.02.2012
Zwischen Euphorie und Panikmache
Nanotechnologie in der öffentlichen Diskussion

Sie sind klein, sehr klein - und vernichten alles Leben, dass sich ihnen in den Weg stellt. Für Bestsellerautor Michael Crichton hat das Böse ein neues Gesicht - das der Nanotechnologie. In seinem Buch "Prey" - auf deutsch "Beute" - erscheint es in Form nanometergroßer Roboter, die sich unkontrolliert vermehren und zu einem intelligenten, die Erde und alles Leben bedrohenden Schwarm entwickeln.

Nanoassembler 
Nanoassembler
© NASA/MMCD
Obwohl es sich bei Crichtons Werk "nur" um einen Roman handelt, trifft der Autor doch den Nerv. Die realen oder vermeintlichen Schattenseiten der neuen, vielerorts so euphorisch gefeierten Technologie werden heute sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in wissenschaftlichen Kreisen immer wieder thematisiert und kontrovers diskutiert.

Der amerikanische Computerexperte Bill Joy äußerte beispielsweise im März 2000 die provokante These: "Die neuen Techniken können eine noch größere Bedrohung für die Menschheit darstellen als die Massenvernichtungswaffen des 20. Jahrhunderts." Seine im Magazin "Wired" erschienenen düsteren Szenarien von einer durch amoklaufende Nanoroboter und nanotechnologischem Terror geprägten Zukunft lösten, nicht zuletzt auch im Feuilleton der FAZ, hitzige Debatten aus.

Doch Joy ist bei weitem nicht der einzige, der von "Nanoängsten" umgetrieben wird. Anfang 2003 fordert die Umweltorganisation ETC ein totales Verbot jeder Nanoforschung für mindestens zwei Jahre. Ihre Begründung: Nationale und internationale Kontrollinstanzen und Gesetzgeber hinken den wissenschaftlichen Entwicklungen in der Nanotechnologie so weit hinterher, dass bislang weder genügend Informationen über die möglichen sozioökonomischen, ökologischen oder gesundheitlichen Auswirkungen der Technologie, noch irgendwelche Kontrollmechanismen vorhanden sind.

Wenig später warnt auch eine Gruppe kanadischer Forscher unter dem Titel "Mind the Gap", vor der sich aufweitenden Kluft zwischen Wissenschaft und Ethik in der Nanotechnologie. Unter ihnen auch Peter Singer, Leiter des Bioethikzentrums der Universität von Toronto. Er sieht dringenden Handlungsbedarf: "Entweder muss die Wissenschaft langsamer werden oder die Ethik muss aufholen. Während jedoch einige Leute ein Moratorium wollen, um die Forschung zu bremsen, wollen wir die Ethik beschleunigen und so die Kluft schließen."

Doch sind solche Ängste und Forderungen überhaupt gerechtfertigt? Nach Ansicht vieler Nanowissenschaftler sind die meisten durch die Medien geisternden Szenarien - die positiven wie die negativen - unrealistisch und weit hergeholt. Gerade die vielzitierten Nanobots oder "Assembler" gehörten - noch jedenfalls - eher in das Reich der Science-Fiction als der Wissenschaft.

Der Physiker Arne Chausseen konstatierte dazu im Jahr 2000 auf einer Tagung des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen zur Bill-Joy-Debatte: "Tatsächlich existieren aber heute nicht einmal simple Vorstufen dieser omnipotenten Fabriken des Nanokosmos. Die Realität erscheint gegenüber den faszinierenden Utopien von Nanobots offensichtlich als zu blass."

Auch Harald Fuchs, Koordinator des Kompetenzzentrums Nanoanalytik und Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Münster beklagt die "Panikmache" und fordert: "Bevor man die Nanotechnologie wegen Gefahren verdammt, die möglicherweise erst in Jahrzehnten realisiert werden können, sollte man sich die Potenziale vor Augen führen, die sie schon heute hat."

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