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Atlantis in der Ägäis?
Die Kreta-Santorin-Theorie

Als ganz heißer Kandidat für den Ort, wo Atlantis möglicherweise vor Jahrtausenden gelegen haben soll, galt lange Zeit Kreta. Dort, auf der gut 150 Kilometer südlich des griechischen Festlands gelegenen Insel, leben nachgewiesenermaßen bereits seit 130.000 Jahren Menschen.

Eine besondere Blütezeit erlebte Kreta jedoch ab 3.000 vor Christus in der Bronzezeit. Damals entwickelte sich dort sogar die erste Hochkultur Europas, die minoische Kultur. Ihren Namen erhielt sie nach dem legendären König Minos, laut der griechischen Mythologie ein Sohn des Zeus und der Europa.

 Santorin
Santorin
© NASA/GSFC/Aster
Ein Vulkanausbruch der Superlative
Im Laufe der minoischen Regentschaft entstanden vor allem entlang der Küste reiche Städte und prächtige Paläste wie in Knossos, Malia und Kato Zakros. Die mittlerweile wenigstens teilweise ausgegrabenen Überreste locken heute jährlich tausende Touristen an. Alles schön und gut. Doch was hat das Ganze mit Atlantis zu? Irgendwann im 15. Jahrhundert vor Christus wurde die minoische Kultur nachhaltig zerstört. Wie genau, ist für Archäologen und andere Wissenschaftler noch immer einigermaßen rätselhaft.

Noch spannender wird das Ganze dadurch, dass sich etwa zur selben Zeit ein gewaltiger Vulkanausbruch auf der Insel Thera – heute Santorin – ereignete, wobei ein großer Teil des Landes im Meer versank. Forscher wie der griechische Archäologe Spyridon Marinatos stellten daher die Hypothese auf, dass die Eruption auf Thera einen gigantischen Tsunami auslöste – etwa vergleichbar mit dem nach der Explosion des Krakataus in Indonesien am 27. August 1883. Die riesigen Flutwellen zerstörten angeblich nicht nur die Küsten Kretas, sondern sorgten auch für den Untergang der Minoer. War dies vielleicht das von Platon beschriebene Katastrophen-Szenario in Sachen Atlantis?

Bronzezeitliches Fresko aus Akrotiri 
Bronzezeitliches Fresko aus Akrotiri
© gemeinfrei (historisch)  Bronzezeitliches Fresko aus Akrotiri
Eine Stadt von einem Kanal umgeben
Einige weitere Indizien heizten die Spekulationen zusätzlich an. So fand man bei Ausgrabungen auf der Insel Santorin in einem vom Vulkanausbruch verschütteten minoischen Dorf namens Akrotiri eine ungewöhnliche Wandmalerei. Darauf war eine von einem Kanal umgebene mächtige Stadt zu sehen, von der aus sich Schiffe auf eine Reise begaben – möglicherweise zu einem anderen Land. War demnach Thera womöglich sogar das Herzstück des früheren Atlantis?

Ergebnisse aus dem Jahr 2006, unter anderem von Forschern der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Universitäten Heidelberg, Hohenheim und Aarhus/Dänemark widerlegen diese Theorie mittlerweile aber weitgehend. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent können wir das Ende der Siedlung Akrotiri nun auf die Jahre 1627 bis 1600 vor Christus eingrenzen", bestätigt der Wissenschaftler Bernd Kromer. Auf die Spur dieser neuen Erkenntnis gebracht hatte ihn und seine Kollegen ein banaler Olivenzweig. Gefunden wurde er vom damaligen dänischen Geologiestudenten Tom Pfeiffer in der Gegend von Akrotiri, dem „Pompeji der Bronzezeit“.

Atlantis ade
„Bei dem Olivenholz handelt es sich um den Ast eines Baumes, der beim Vulkanausbruch lebend verschüttet wurde“, erklärt der Paläobotaniker Michael Friedrich, der an der Universität Hohenheim arbeitet. Anschließend gelang es dem Forscherteam mit zum Teil neuen Methoden das exakte Alter des gefundenen Olivenbaumstücks zu bestimmen. Das damals in „Science“ veröffentlichte Ergebnis der Untersuchungen an mehr als 70 Jahresringen im Holz: Der Vulkanausbruch auf Thera fand vermutlich rund 100 Jahre früher statt als bisher gedacht - und damit lange vor dem Aus für die Minoer. Einen direkten Zusammenhang zwischen Katastrophe und Untergang der Hochkultur – wie in Platons Bericht in Sachen Atlantis beschrieben – gab es in der Region Kreta/Santorin wohl nicht.

Da Archäologen in der Folge zudem zeigen konnten, dass die Minoer keineswegs so jäh verschwanden wie bisher gedacht, ist mittlerweile auch diese Atlantis-Theorie weitgehend vom Tisch…

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