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„Heiße“ Zeiten in Süddeutschland
Vulkanismus als Landschaftsbildner

„Heiße Zeiten“ sind in Süddeutschland keine Seltenheit. Häufig klettert dort die Quecksilbersäule der Thermometer im Sommer so hoch, wie sonst nirgendwo hierzulande. Deutschlands Süden gehört schließlich zu den Gunstregionen in Sachen Temperatur und Sonnenscheindauer in Mitteleuropa.

 Vulkanausbruch
Vulkanausbruch
© USGS
Zwei Phasen des Vulkanismus
„Heiße Zeiten“ einer ganz anderen Art gab es dagegen vor rund 60 Millionen Jahren im Zeitalter des Tertiär. Denn damals kam es vor allem im nördlichen Oberrheingraben und am Südrand des Odenwaldes zu stärkeren vulkanischen Aktivitäten. Dies haben Geowissenschaftler schon vor Jahren bei der Untersuchung der Schlote am Katzenbuckel und am Steinsberg festgestellt. Und auch der vulkanische Ursprung der heutigen Grube Messel belegt dies.

Klar ist aber auch: 30 bis 40 Millionen Jahre später sorgte ein Aufleben der Tektonik und insbesondere die schnelle Absenkung des Oberrheingrabens oder die Entstehung der Niederhessischen Senke dafür, dass der Vulkanismus eine neue Blütephase erlebte. Egal ob in der Rhön, am Kaiserstuhl oder im Hegau – überall brodelte es heftig im Untergrund und Lavaströme oder explosiver Vulkanismus waren damals an der Tagesordnung.

Randecker Maar als Klimaarchiv
Ein gutes Beispiel für letzteren ist das so genannte Randecker Maar, der größte Vulkanschlot des Urach-Kirchheimer Vulkangebietes auf der Mittleren Schwäbischen Alb. „Der heutigen Form vorausgegangen war ein Sprengtrichter, der sich nach einer gewaltigen Gaseruption vor etwa 16 Millionen Jahren rasch mit Wasser füllte. Auf diese Weise entstand ein tiefer abflussloser See […]“, erklären Joachim Eberle und seine Kollegen. Der See füllte sich im Laufe der Zeit mit Sedimenten, in denen die Forscher Spuren einer subtropischen Tier- und Pflanzenwelt gefunden haben.

Übersichtskarte vom Vogelsberg 
Übersichtskarte vom Vogelsberg
© Milseburg / www.maps for free.com / CC by sa 3.0  Übersichtskarte vom Vogelsberg
Das größte Basalt-Gebiet Mitteleuropas
Vom Vulkanismus der damaligen Zeit geprägt ist aber auch die nächste Station unserer Expedition durch Deutschlands Süden, der Vogelsberg. Das Mittelgebirge in Hessen ist mit 2.500 Quadratkilometer Fläche das größte zusammenhängende Basalt-Gebiet Mitteleuropas.

„Die Phase der stärksten vulkanischen Aktivität begann im mittleren Miozän vor etwa 17 Millionen Jahren und dauerte rund zwei Millionen Jahre. Die Zufuhr der [basaltischen] Schmelzen erfolgte nicht aus einem zentralen Krater, sondern durch zahlreiche Gänge und Spalten. Teils flossen die Förderprodukte an der Oberfläche aus, teils drangen sie nahe der Oberfläche beispielsweise in ältere tertiäre Ablagerungen ein“, beschreiben Eberle & Co die Entstehung des Mittelgebirges im heutigen Mittel- bzw. Osthessen. Der Vogelsberg besteht deshalb aus einer Vielzahl von übereinander gestapelten Basalt- und Tuffdecken.

 Hoherodskopf
Hoherodskopf
© MdE (de) / GFDL  Hoherodskopf
Einzigartige Vulkanlandschaft
Im Laufe der Jahrmillionen sorgte die Verwitterung aber dafür, dass die ehemals zusammenhängenden Basaltschichten – außer im zentralen Komplex - in isolierte Vorkommen zerlegt wurden. Dennoch ist der Vogelsberg mit der Form eines flachen Schildes deutlich als Vulkanlandschaft zu erkennen – zumindest von Geowissenschaftlern. Zu den bekanntesten Bergen des Basaltmassivs zählen heute der Taufstein mit 773 Meter über dem Meeresspiegel und der Hoherodskopf (764 Meter).

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