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Freitag, 10.02.2012
Hoffnungsträger auf der Anklagebank?
Zukunftstechnologien in der öffentlichen Diskussion

Auf der Anklagebank stehen heute vor allem "die Hoffnungsträger der technischen Entwicklung: die Technologien, die in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich über den Erfolg der modernen Volkswirtschaften bestimmen werden - Gentechnik, Nanotechnologie und Robotik", so der Physiker Arne Claussen.

Die Positionen in der öffentlichen Diskussion, aber auch unter den Wissenschaftlern, scheinen dabei immer extremer zu werden. Paare, die - koste es was es wolle - sich ein Kind klonen lassen wollen, stehen schon heute Schlange und fordern lauthals ihr "Recht auf Nachkommen" ein.

Embryo 
Embryo
© NIH
Propheten einer "schönen neuen Welt" sehen uns an der Schwelle zu einer neuen Ära, die nicht nur der Naturwissenschaft, sondern auch der Wirtschaft zu neuen Höhenflügen verhelfen könnte: "Die Förderung vieler miteinander verbundener neuer Technologien sind Straßen, die mit Gold gepflastert sind", so der Technikexperte Ray Kurzweil. "Der Verzicht auf technologische Förderung wäre ökonomischer Selbstmord."

Andere dagegen, darunter auch der Computerwissenschaftler Bill Joy, gerieren sich als düstere Mahner und vergleichen moderne Wissenschaft mit der "Büchse der Pandora" oder der "Perfektion des Bösen". Ängste vor solchen apokalyptischen Visionen lassen Rufe nach Verboten und Stimmen der Technikfeindlichkeit und des Misstrauen in der Öffentlichkeit immer lauter werden. Selbst einstige erklärte Gegner wie feministische Frauenverbände und fundamentalistische Abtreibungsgegner finden sich plötzlich ungewohnterweise auf der gleichen Seite der Debatte.

Doch woher stammt diese Radikalisierung?
Der Physiker Arne Claussen sieht vor allem in der mangelnden Beteiligung der Fachleute an der öffentlichen Diskussion eine bedenkliche Tendenz: "Wenn die Wissenschaftler schweigen, wird der öffentliche Diskurs weitgehend denen überlassen, die zwar von der Materie nicht allzuviel Ahnung haben, sich aber darauf verstehen, die latent vorhandene Technikskepsis in Deutschland zu schüren."

Die Diskrepanz zwischen den Utopien eines Ray Kurzweil oder der selbsternannten "Menschenkloner" Severino Antinori und Panayiotis Zavos und dem tatsächlichen Stand der Forschung führe dazu, dass ganze Forschungszweige verteufelt würden. "Man baut sich, so scheint es, den Gegner auf, um dann auf ihn einzuschlagen", so Claussen. Eine sachliche und differenzierte Debatte sei so nicht mehr möglich.

Als eine typische Phase im Prozess der Anpassung und Gewöhnung an die neuen Technologien sieht dagegen Ray Kurzweil die gegenwärtige Deatte. Für den durch sein Buch "The Age of Spiritual Machines" bekanntgewordenen Computerwissenschaftler Ray Kurzweil ist das extreme Schwanken zwischen extremer Ablehnung und euphorischer Zustimmung ein Anzeichen dafür, dass wir uns mitten in einem typischen Akzeptanzprozess befinden: "Menschen durchlaufen meist drei Stufen, wenn sie mit Zukunftstechnologien konfrontiert sind: Erst staunen sie ehrfürchtig über das Potenzial; dann bekommen sie Angst vor den Gefahren, die diese neuen Techniken begleiten können; und schließlich - hoffentlich - können sie realisieren, dass der einzig gangbare und verantwortliche Weg darin besteht, vorsichtig zu untersuchen, wie die Verheißungen zu realisieren sind und man mit den Risiken fertig wird."

Dieser dritte Schritt allerdings hängt von einem entscheidenden Punkt ab - dem Vertrauen in das verantwortliche Handeln der Wissenschaftler...

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