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Freitag, 10.02.2012
Zweiter Versuch: Bruchstücke statt ganzer Viren
Protein und Peptid-Impfstoffe

Nachdem klar war, dass die klasssichen Strategien der Schutzimpfung bei HIV-Infektionen zu riskant sind, suchten die Aidsforscher neue Wege. Einer davon waren die sogenannten "Sub-Unit"-Impfstoffe. Statt eines ganzen abgeschwächten oder getöteten Virus bestehen sie aus Proteinen oder sogar nur Proteinbruchstücken von der Zelloberfläche des HI-Virus. Da die Abwehrzellen des Körpers sich primär an diesen Oberflächenproteinen orientieren, um Eindringlinge von körpereigenen Zellen zu unterscheiden, könnte man, so die Idee der Forscher, das Immunsystem mithilfe dieser Zellbruchstücke in Alarmbereitschaft versetzen, ohne eine echte Infektion riskieren zu müssen.

Doch die Effektivität dieses Ansatzes ist ebenfalls umstritten: der HI-Virus verändert gerade die Proteine und Peptide der Zelloberfläche durch Mutationen sehr schnell und bildet dadurch neue Unterstämme. Ein auf einem Oberflächenprotein basierender Impfstoff könnte daher immer nur gegen einen bestimmten Unterstamm schützen, wäre aber gegen andere Virusvarianten völlig nutzlos.

Trotz aller Vorbehalte ist jedoch in den USA der erste Sub-Unit-Impfstoff bereits in der Testphase. Der von einem Tochterunternehmen des Gentechnikpioniers "Genentech" hergestellte Impfstoff "Aidsvax" nutzt gp120 - ein Protein der HIV-Zelloberfläche - um eine Antikörperreaktion zu provozieren. Nach ersten Angaben der Hersteller sollen die seit 1998 mit rund 5.000 HIV-infizierten Freiwilligen laufenden Tests gezeigt haben, dass die Antikörperproduktion nach der Impfung tatsächlich deutlich ansteigt. Doch die Mehrheit der Aidsforscher bleibt dennoch skeptisch.

Da die Antikörper im Körper sehr schnell wieder abgebaut werden, reicht eine solche kurzfristige Immunantwort als Schutz gegen eine Infektion nicht aus. Ein langfristiger Impfschutz käme nur dann zustande, wenn durch den Impfstoff auch genügend Gedächtniszellen produziert werden, die noch Jahre später bei einer Infektion sofort die passenden Antikörper produzieren können. Und diesen Effekt scheint Aidsvax nicht zu haben. Noch müssen die Freiwilligen alle sechs Monate zur Auffrischungsimpfung, und können nur hoffen, dass die Wirkung des Proteins ausreicht, um wenigstens die Vermehrung der Viren in ihrem Körper zu verlangsamen.

Die Aidsforscher allerdings haben keine allzu übersteigerten Hoffnungen. Sie halten Aidsvax bestenfalls für einen mehr oder weniger effektiven Schutz gegen einige der zahlreichen HIV-Stämme, aber noch lange nicht für die Wunderwaffe, nach der alle suchen: den Aids-Impfstoff, der gegen alle Varianten langfristig und sicher schützt...

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