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Dienstag, 13.11.2018
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Die ältesten Menschen der Welt

Was ist das Geheimnis der „fitten Alten“?

Jeanne Louise Calment lebte 122 Jahre lang

Jeanne Louise Calment lebte 122 Jahre lang

Mit 85 begann sie Fechten zu lernen, noch mit 100 fuhr sie Fahrrad und mit 121 nahm sie einen Rap-Song auf – Jeanne Louise Calment lebte länger als irgendein Mensch vor ihr und nachher. 122 Jahre, fünf Monate und 14 Tage wurde die 1875 geborene Südfranzösin alt. Bis zum Schluss blieb sie geistig rege, auch wenn sie in ihren letzen Jahren körperlich gebrechlich war.

Izumi Shigechiyo lebte am anderen Ende der Welt, auf der japanischen Insel Tokunoshima. Auch er wurde mehr als 120 Jahre alt: genau 120 Jahre, sieben Monate und 23 Tage. Der vermutlich 1865 geborene Zuckerrohrfarmer setzte sich 1970 zur Ruhe - mit 105 Jahren und nach einem 98 Jahre dauernden Arbeitsleben. Gefragt nach dem Erfolgsrezept für sein hohes Alter soll er gesagt haben: „Sich keine Sorgen machen und alles der Sonne und Buddha überlassen“.

Doch was ist das Geheimnis von Menschen wie Jeanne Calment und Izumi Shigechiyo? Warum leben sie fast doppelt so lange wie manch anderer? Sind das frühe Aufstehen und der allabendliche Getreideschnaps schuld, wie der Japaner Izumi meinte? Oder der regelmäßige Genuss von Olivenöl, Knoblauch , Gemüse und Portwein, wie Jeanne Calment glaubte? Ganz so einfach ist es nicht, darüber sind sich die Altersforscher heute einig. Wie alle komplexen biologischen Merkmale ist auch die Langlebigkeit das Ergebnis von vielen wechselwirkenden Einflüssen und Faktoren. Einfacher gesagt: Über unsere Lebensdauer entscheiden im Prinzip Gene, Umwelt und Glück.

Wer reich ist, lebt länger?


Zumindest ein Aspekt des Älterwerdens erscheint relativ einfach und logisch erklärbar: Je höher der Lebensstandard und die medizinische Versorgung, desto höher auch die Lebenserwartung. Wer heute in Europa oder den USA geboren wird, kann sich in der Regel auf 70 bis 80 Lebensjahre freuen, ein Neugeborenes im afrikanischen Swasiland dagegen hat durchschnittlich gerade einmal 39 Jahre vor sich. Armut, mangelnde Hygiene und schlechte ärztliche Versorgung sorgen dafür, dass sein Leben oft durch Krankheit oder Mangelerscheinungen vorzeitig endet.

Lebenserwartung weltweit im Vergleich (2007)

Lebenserwartung weltweit im Vergleich (2007)

In Deutschland hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung von 1880 bis 2007 mehr als verdoppelt: bei den Männern stieg sie von 35,6 auf 76,6 Jahre, bei den Frauen von 38,5 auf 82,1 Jahre. Und der Trend ist ungebrochen. Jedes Jahr, so haben Altersforscher errechnet, wächst die Lebenserwartung um etwa drei Monate.

Doch der Lebensstandard allein kann es nicht sein. Denn wie ist zu erklären, dass ausgerechnet in entlegenen Bergregionen des Kaukasus, Pakistans oder Sardiniens besonders viele Hundertjährige leben? Von guter medizinischer Versorgung und perfekter Hygiene kann bei ihnen sicher nicht die Rede sein. Und auch der Zuckerrohrbauer Izumi profitierte sicher nur zum Teil vom guten Lebensstand seines Landes.

Hundertjährige altern langsamer


Und noch ein Rätsel bieten die Hundertjährigen, denn auch in Bezug auf ihre Gesundheit widersprechen sie der gängigen Statistik. Nach dieser steigt die Sterbewahrscheinlichkeit ab dem 30. Lebensjahr deutlich und verdoppelt sich alle acht Jahre. Je älter wir werden, desto höher ist das Risiko, krank zu werden und daran zu sterben. Viele Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Demenzen oder Herzleiden, treten typischerweise erst bei älteren Menschen auf und gehören hier zu den häufigsten Todesursachen.

Das Krankheits- und Sterberisiko nimmt ab 85 wieder ab

Das Krankheits- und Sterberisiko nimmt ab 85 wieder ab

Die Hundertjährigen aber scheren aus diesem Schema aus. Die Kurve der Mortalität wird etwa ab dem 85 Lebensjahr wieder flacher, so dass das Risiko zu sterben nicht mehr so rasant mit dem Lebensalter ansteigt wie vorher. Wer einmal 85 geworden ist, scheint quasi das Schlimmste überstanden zu haben, er altert langsamer. Und auch die altersbedingten Krankheiten brechen bei den Hochbetagten entweder extrem spät oder aber gar nicht aus. Dies gilt, wie Altersforscher ermittelt haben, für 90 Prozent der hundertjährigen Männer und 83 Prozent der Frauen.

Was aber haben die Hundertjährigen, das andere nicht haben? Die Ursachen dafür müssen sich irgendwo in der komplexen Biologie des Alterns verstecken, aber wo?
Nadja Podbregar
Stand: 16.04.2010
 
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