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Freitag, 10.02.2012
Vom vergessenen Opfer zum verklärten Symbol
Das Bild von Hypatia nach ihrem Tod

Nach ihrem Tod gerät Hypatia zunächst für Jahrhunderte in Vergessenheit. Das strenge Christentum und seine Dogmen beherrschen nahezu uneingeschränkt auch die Welt der Wissenschaft. Das geozentrische Weltbild bleibt das Maß aller Dinge.

 Erst im 17. Jahrhundert setzte sich das heliozentrische Weltbild durch
Erst im 17. Jahrhundert setzte sich das heliozentrische Weltbild durch
© Aus "Harmonia macrocosmica" von Andreas Cellarius (1708)  Erst im 17. Jahrhundert setzte sich das heliozentrische Weltbild durch
Noch 1600 muss der Gelehrte und Kosmologe Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen sterben, weil er an ein unendliches Universum glaubt und an eine Erde, die nur ein Planet unter vielen gleichartigen ist. 1616 ist auch Galileo Galilei zunächst gezwungen, dem heliozentrischen Weltbild abschwören, nachdem ein päpstliches Gutachten bescheinigt, die Idee einer sich ständig bewegenden Erde sei „philosophisch töricht und absurd“ und formal ketzerisch.

„Opfer von Aberglaube und Ignoranz“
Erst nach Ende des „Dunklen Zeitalters“ und mit dem Beginn der Aufklärung in Europa ändert sich auch die Sicht auf Hypatia und ihre Vorstellungen. Bekanntheit erlangt sie dabei allerdings nicht wegen ihrer wissenschaftlichen Werke oder philosophischen Lehre, sondern vor allem wegen der Umstände ihres Todes. Der Philosoph Voltaire erwähnt sie im 18. Jahrhundert in seinem „Dictionaire Philosophique“ als ein „Opfer von Aberglaube und Ignoranz“. Er konstatiert, dass sie ermordet wurde, weil sie an die Gesetze der rationalen Natur glaubte und an die Fähigkeiten eines menschlichen Geistes frei von Dogmen.

Darstellung von Hypatias Tod aus dem 19. Jahrhundert 
Darstellung von Hypatias Tod aus dem 19. Jahrhundert
© Illustration von Charles William Mitchell, 1885  Darstellung von Hypatias Tod aus dem 19. Jahrhundert
Heldin im Streit gegen das dogmatische Christentum
Im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert erlebt die klassische Antike eine Renaissance. In Kunst, Literatur und Philosophie gilt nun alles Griechische als erstrebenswert, das Christentum dagegen grundsätzlich als „gestrig“ und repressiv. Im Zuge dieser Bewegung wird Hypatia zum Symbol und zur Kämpferin für die hellenistische Freiheit des Denkens stilisiert. Einige Autoren der Romantik widmen ihrer Lebensgeschichte nun ganze Romane oder Gedichte.

In „Hypatia et Cyrille“ lässt der französische Dichter Leconte de Lisle sie beispielsweise mit Kyrill ein fiktives Streitgespräch über Neoplatonismus und Christentum führen. Auf Kyrills Triumpfruf: „Deine Götter sind zu Staub reduziert, zu Füßen des siegreichen Christus“, lässt er sie antworten: „Du irrst, Kyrill. Sie leben in meinem Herzen. Nicht wie Du sie siehst – gekleidet in vergängliche Formen, Subjekt menschlicher Leidenschaften selbst im Himmel …-, sondern so, wie erhabene Geister sie sehen, in der sternenreichen Weite […]. Harmonische Einheit von Erde und Himmel, die den Geist erfreut und das Auge und Ohr, die allen weisen Menschen ein erreichbares Ideal zeigt […] - so sind meine Götter.“

Ikone des Feminismus
In der Neuzeit erlebt Hypatia schließlich noch einmal ein Comeback als Ikone der Frauenbewegung. Gleich zwei feministische Zeitschriften wählen ihren Namen als Titel und die Autorin Ursula Molino beschreibt ihren Tod als „das Ende einer Zeit, in der die Frauen noch für das Gehirn unter ihren Haaren anerkannt wurden.“

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