Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Regenwasser und Wärmerecycling
Nachhaltigkeit auch bei Gebäuden und Sportstätten

330.000 Tonnen Treibhausgase sollen die Olympischen Winterspiele in Vancouver mitsamt ihrer Vorbereitungszeit und Nachwehen ausstoßen, so die Berechnungen der Veranstalter. Angesichts der rund elf Millionen Tonnen CO2, die Kanada als einer der größten Treibhausgas-Emittenten weltweit ohnehin jährlich emittiert, erscheint das gar nicht mal sonderlich viel. Damit es dabei dann auch bleibt, haben sich die Gastgeber einiges einfallen lassen in punkto Energieeffizienz und CO2-Einsparungen.

Energiesparhäuser im Athletendorf Whistler 
Energiesparhäuser im Athletendorf Whistler
© VANOC/COVAN  Energiesparhäuser im Athletendorf Whistler
Begrünte Dächer und Niedrigenergiehäuser
Das Olympische Dorf Vancouver im sanierten Stadtviertel Southeast False Creek gilt auch in punkto Energiehaushalt als vorbildlich. Begrünte Dächer sollen die Hälfte des CO2-Bedarfs des Viertels ausgleichen, und auch die Solaranlagen und effiziente Wärmedämmung machen das modernisierte Stadtviertel extrem energiesparend. Durch das Auffangen von Regenwasser und getrennte Kreisläufe für Brauch- und Trinkwasser wird der Trinkwasserverbrauch zudem um bis zu 50 Prozent reduziert. Energie- und Wärmeversorgung erfolgen über ein dezentrales Kraftwerk in Kraft-Wärmekopplung, außerdem wird die Abwärme konsequent wiedergenutzt.

Bei einem der Gebäude, das Gemeinschaftzentrum, werden diese Prinzipien so weit geführt, dass es sogar den „Platinum-Standard“ der LEED erfüllt. Damit ist es offziell ein „Zero-Energy-Building“. Es erzeugt im Jahresdurchschnitt genauso viel Energie wie es verbraucht.

Auch das Olympische Dorf der Skiläufer in Whistler wurde nach Prinzipien der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gebaut. Es nutzt Methangas und die Abwärme einer ehemaligen Deponie als Wärmelieferant. Ein neu angelegtes Feuchtgebiet auf dem Gelände dient als Rückhaltebecken für Regenwasser und soll dafür sorgen, dass das Wasserhaushalt des nahegelegenen Cheakamus River ausgeglichen bleibt.

 Das Dach des Olympic Oval besteht aus Abfallholz und dient als Regenwassersammler
Das Dach des Olympic Oval besteht aus Abfallholz und dient als Regenwassersammler
© Iwona Erskine-Kellie/CC-by-sa 2.0  Das Dach des Olympic Oval besteht aus Abfallholz und dient als Regenwassersammler
Dach als Regenwasserfang
Ähnliches gilt auch für die meisten Sportstätten der Winterspiele. So schützt das große Dach des Olympic Oval nicht nur vor Kälte und Wind – es dient auch der Wasserversorgung. Denn wie in vielen Gebäuden der Stadt und Region Vancouver verrinnt das Regenwasser hier ebenfalls nicht ungenutzt, sondern wird gesammelt. Es speist unter anderem die Toilettenspülungen der Sportstätte und füllt einen Teich vor dem Gebäude. Sumpfpflanzen sorgen dort für eine natürliche Reinigung des Wassers, das im Sommer beispielsweise zur Bewässerung der umgebenden Bäume und Rasenflächen genutzt werden soll.

Eiskühlung als Wärmequelle
Die für den Eisschnelllauf genutzten Eisflächen des Olympischen Ovals in Richmond sind echte Energiefresser. Die Eisbereitung und ständige Kühlung erfordert große Mengen an Energie. Aber die Veranstalter geben sich Mühe, zumindest einen Teil der Energie zu recyclen. So wird die Restwärme, die die Kühlgeräte der Eisflächen abgeben, nahezu vollständig wieder eingefangen und zur Warmwasserbereitung und für die Heizung genutzt. Ähnliches gilt auch für das Vancouver Olympic Centre, den Austragungsort der Curling-Wettbewerbe.

Whistler Olympic Oval: Eisschnelllauf-Halle nach Nachhaltigkeitsprinzip 
Whistler Olympic Oval: Eisschnelllauf-Halle nach Nachhaltigkeitsprinzip
© VANOC/COVAN  Whistler Olympic Oval: Eisschnelllauf-Halle nach Nachhaltigkeitsprinzip
Das größte Abfallholz-Dach der Welt
Recycling galt auch bei den Baumaterialien der Neubauten und Sanierungen als oberste Vorgabe: So beispielsweise beim Olympischen Oval. In seinem Innenraum könnten vier Düsenjets Flügel an Flügel nebeneinander parken. Das Gebäude, in dem die olympischen Eisschnellläufer ihre Wettkämpfe austragen, bietet Platz für 8.000 Menschen und insgesamt vier verschiedene Eisflächen, darunter auch die 400 Meter Bahn. Überspannt wird der langgestreckte Neubau von einem geschwungenen Dach aus Holz. Für dieses mussten jedoch keine Bäume gefällt werden.

Denn die Konstruktion besteht ausschließlich aus Holz, das normalerweise als Abfall gilt, weil es aus einem von Borkenkäfern massiv befallenen Waldgebiet in British Columbia stammt. Dessen Nutzung für das olympische Dach soll, so hoffen die Veranstalter, auch andere anregen, solches Holz für verschiedene Anwendungen zu nutzen statt es einfach zu vernichten. In jedem Fall ist das Dach mit seinen 100 mal 200 Metern jetzt weltweit die größte Fläche, die mit „Abfall-Holz“ überbaut ist.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Olympische Winterspiele
Jagd nach Rekorden
Faszination Fußball
Artikel zum Thema
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Grüne Spiele in einer grünen Stadt?
Vancouver als Musterschüler in Sachen Nachhaltigkeit
Vorrang für Bäume und Kröten
Vancouver setzt auch beim Flächenverbrauch auf „Recycling“
Regenwasser und Wärmerecycling
Nachhaltigkeit auch bei Gebäuden und Sportstätten
Mit Skytrain und Hybridtaxen
Das „grüne“ Verkehrskonzept der Spiele
Wie gut ist das Doping-Kontrollsystem?
Bericht: Russland behindert die Arbeit der Kontrolleure
Schreckgespenst Gendoping
Wissenschaftler fürchten neue „Qualität“ der Manipulationen
Wettlauf zwischen Hase und Igel
Wer ist schneller: Dopingfahnder oder Gendoper
Doping auch im deutschen Spitzensport
Studie enthüllt Dunkelziffer von Doping bei Nachwuchs-Leistungssportlern
Goldmedaillen und Weltrekorde nur durch Doping?
Zwei Dopingexperten im Interview
Hungern für den Sieg
Wann ist ein Skispringer zu dünn?
High-Tech-Schlitten nach Maß
Bobfahrer setzen auf moderne Technik
Von Super-Skiern und dem perfekten Fahrstil
Wie Fraunhofer–Forscher Topathleten noch schneller machen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen