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Freitag, 10.02.2012
Auf der Suche nach einer "Theorie der Erde"
Descartes und die Anfänge eines geologischen Weltbildes

Mit dem Ende des Mittelalters und dem langsamen Entstehen der modernen Wissenschaften im 17. Jahrhundert begannen Forscher und Gelehrte mehr und mehr, nach einer "Theorie der Erde" zu suchen - einer glaubwürdigen Geschichte, die erklären konnte, wie die Erde, und mit ihr Gebirgsketten, Gräben und andere auffallende Phänomene entstanden sein könnten.

Warum gibt es Meeresfossilien wie diese Muscheln selbst in Gebirgen? 
Warum gibt es Meeresfossilien wie diese Muscheln selbst in Gebirgen?
© Mark A. Wilson / gemeinfrei  Warum gibt es Meeresfossilien wie diese Muscheln selbst in Gebirgen?
Der französische Philosoph René Descartes war einer der ersten, die sich von einer rein biblisch geprägten Schöpfungsgeschichte zu lösen begannen und eine eigene Theorie aufstellten. Nach dieser hatte sich die Erde aus einem Stern gebildet, der durch zunehmende Ansammlung von Sonnenflecken - einer Art Schlacke - langsam erkaltete. Dabei bildeten sich verschiedene abwechselnd flüssige und feste Schichten, in denen auch Hohlräume vorhanden waren. Brachen solche Hohlräume ein, kollabierten auch die darüberliegenden Strukturen der Erdkruste und falteten sich dabei auf - ein Gebirge entstand.

Mit dieser "Hohlraumtheorie" bot Descartes immerhin eine mögliche Erklärung für die Entstehung der Gebirge und postulierte sogar schon das Vorhandensein von unterschiedlichen Erdschichten. Doch warum waren die Gebirge dann nicht gleichmäßig auf der Erde verteilt sondern traten gehäuft in Zügen und Bergketten auf? Und wie war zu erklären, dass die Überreste von einstigen Meeresbewohnern auch auf dem Festland gefunden worden waren?

 Portrait des Universalgelehrten Robert Hooke
Portrait des Universalgelehrten Robert Hooke
© Rita Greer / Lizenz Freie Kunst  Portrait des Universalgelehrten Robert Hooke
Schichten als Chronik des Planeten
Mit diesen Fragen befasste sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts auch der englische Universalgelehrte Robert Hooke, Zeitgenosse und Gegner des Physikers Isaak Newton. Er war der erste, der erkannte, dass die Schichten der Erde und die in ihnen enthaltenen Objekte eine Art Chronik der Erde darstellten, dass aus ihrer Lage und Beschaffenheit Informationen über die Erdgeschichte abzulesen waren. Aus der Tatsache, dass er auch im Binnenland, Kilometer von jedem Meer entfernt, Fossilien von Meereslebewesen fand, schloss er, dass sich im Laufe der Erdgeschichte die Verteilung von Land und Wasser verändert haben musste.

Hooke stellte eine eigene "Theorie der Erde" auf, nach der sich die Pole der Erde großräumig verschoben. Dabei sollten sich die Äquatorialregionen der Erde langsam in Richtung der Pole und die Pole langsam in Richtung des Äquators bewegen. Bei dieser Bewegung würden sich die Kräfte, die auf die Landmassen wirkten, wegen der unterschiedlich starken Zentrifugalkraft schrittweise verändern. Als Folge könnten sich Erdschichten verschieben oder zusammenbrechen, Erdbeben entstehen und Teile des Landes ins Meer absinken oder angehoben werden.

Da jedoch auch Hooke, wie noch alle seine Zeitgenossen, glaubte, die Erde sei bestenfalls einige Tausend Jahre alt, hätten diese umwälzenden Ereignisse in einem unwahrscheinlichen Tempo stattfinden müssen. Folglich setzte sich die Idee der Polwanderung nicht durch und geriet bald wieder in Vergessenheit. Doch Hooke hatte mit dieser Idee einer sich wandelnden Erde bereits den Weg beschritten, auf dem mehr als zwei Jahrhunderte später auch unser heutiges Weltbild basiert.

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