Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Was muss getan werden?
Die von der Klimaforschung vorgegebenen Ziele

Die Vorgaben der Klimaforscher könnten eindeutiger und klarer nicht sein: Nur wenn es gelingt, die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre bei rund 450 parts per million (ppm) zu stabilisieren, kann die globale Erwärmung auf 2 bis 2,4°C begrenzt werden. Dieses so genannte Zwei-Grad-Ziel gilt als der Wert, bei dem es gerade noch möglich ist, die Folgen des Klimawandels wirtschaftlich und sozial abzufedern. Steigen die Temperaturen höher, werden Stürme, Dürren und Überschwemmungen viele Regionen so schädigen, dass die Kosten kaum mehr zu bezahlen sind – schon gar nicht von den Entwicklungsländern, die von den meisten Klimafolgen am stärksten betroffen sind.

Gletscherschmelze 
Gletscherschmelze
© NOAA/NABOS  Gletscherschmelze
Schon zwei Grad machen den Unterschied
„Zwei Grad klingt nicht viel, es ist aber der Unterschied zwischen dem mediterranen Klima in Mailand und dem Regionalklima in Berlin“, erklärte der Physiker Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) dieser Tage gegenüber der dpa. „Bereits zwei Grad sind ein fauler Kompromiss mit der Natur. Die meisten Gletscher verschwinden, mächtige Flüsse werden zeitweise und möglicherweise langfristig ganz austrocknen, was Hungersnöte zur Folge hätte. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte der Meeresspiegel um einen, im ungünstigsten Fall sogar um zwei Meter ansteigen.“

Und jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass der Menschheit nur noch ein begrenztes Budget an CO2-Emissionen zur Verfügung steht, wenn die kritische Grenze von 2°C über vorindustriellem Niveau nicht überschritten werden soll. Für eine Zwei-Drittel-Chance, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, dürften insgesamt nur noch 750 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Quellen in die Atmosphäre gelangen. Ausgehend von heutigen Emissionen wäre dieses Budget bereits in 25 Jahren ausgeschöpft, angesichts weiter steigender Emissionen vermutlich noch deutlich früher. Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen muss daher bis 2050 um deutlich mehr als die Hälfte gegenüber 1990 reduziert werden, soll das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden. Die Industrieländer wären sogar gefordert, ihre Emissionen um mindestens 80 Prozent zu senken.

Zeitfenster nur noch bis 2020
Und die Zeit läuft: Wenn nicht bis 2020 eine Trendumkehr der globalen Treibhausgas-Emissionen erfolgt, schließt sich das Handlungsfenster ganz und schwerwiegende Klimafolgen lassen sich nicht mehr vermeiden. Das hat eine Studie des PIK im November 2009 erneut bestätigt. Selbst wenn die Emissionen schon ab 2015 sinken würden, bedeutet dies eine notwendige Emissionsminderung von fünf Prozent pro Jahr.

„Jetzt gilt es, eine Brandschutzmauer zu errichten“, betont dazu Schellnhuber. „Wir stehen an einer Zeitenwende, es zählt wirklich jedes einzelne Jahr.“ Ähnlich dringend machte es das Fazit des 2006 veröffentlichten Berichts des britischen Wirtschaftsexperten Nicolas Stern, der damals die Kosten für Klimawandel und Klimaschutz erstmals umfassend dargelegt hatte: „Schwaches Handeln in den nächsten zehn bis 20 Jahren könnte selbst eine Stabilisierung des CO2-Gehalts bei 550 ppm außer Reichweite bringen – und schon diese Konzentration ist mit schwerwiegenden Risiken verbunden.“

Die United Nations Convention on Climate Change (UNFCC), das Gremium der Klimarahmenkonvention und damit Veranstalter des Klimagipfels, konstatiert: „Um die Menschheit in eine tragfähige und gerechte Zukunft zu führen, muss ein ehrgeiziger neuer Vertrag in diesem Jahr beschlossen werden.“ Denn nur dann hätten die nationalen Regierungen noch genügend Zeit, um die Maßnahmen für die Zeit nach 2012 – dem Ablauf des Kyoto-Protokolls - vorzubereiten.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Klimagipfel 2009 - Akteure
Klimafolge Artensterben
Verlierer Mensch?
Klimawandel in Deutschland
Facts
„Brandschutzmauern“ und „Endzeituhren“
Zitate zur Klimakonferenz
Artikel zum Thema
Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?
Was muss getan werden?
Die von der Klimaforschung vorgegebenen Ziele
„Bekenntnis zur Zwei-Grad-Leitplanke“ muss sein
Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber im Interview
Und der Status bisher?
Die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen
Wer bietet weniger?
Die Reduktionsziele der wichtigsten Akteure in Kopenhagen
Was kann in Kopenhagen erreicht werden?
Die Erwartungen und Zugeständnisse
Hemmschuh oder Wachstumsanreiz?
Was bedeutet Klimaschutz für die Wirtschaft?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen