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Freitag, 10.02.2012
Milchstraßen-"Pfad" jedes Jahr
Die astronomischen Fakten

Astronomen schlagen angesichts der halbgaren pseudoastronomischen Szenarien der 2012-Gemeinde eher die Hände über dem Kopf zusammen. Der Astronom Florian Freistetter beispielsweise setzt sich in seinem Blog „Astrodictium simplex“ bereits seit Monaten mit der in seinen Augen ärgerlichen Verbreitung von Falschem und Halbwissen in diesem Zusammenhang auseinander.

 Lage des Sonnensystems in der Milchstraße
Lage des Sonnensystems in der Milchstraße
© NASA  Lage des Sonnensystems in der Milchstraße
Was also hat es wirklich mit der Milchstraße und ihrer „Konjunktion“ auf sich? Tatsächlich verändern sich die Position der Erde und ihrer kosmischen Umgebung im Laufe der Zeit auf gleich mehrfache Weise gegeneinander: Zum einen kreist das in einem Außenarm unserer Spiralgalaxie gelegene Sonnensystem im Laufe von 230 Millionen Jahren einmal um das Milchstraßenzentrum herum. Auf diesem Weg „eiert“ die Sonne – und mit ihr die Erde: Sie bewegt sich in einer Wellenlinie mal oberhalb und mal unterhalb der Ebene der Milchstraße, der Ekliptik.

Schon vorbei: die Milchstraßen- „Konjunktion“
Alle 30 bis 45 Millionen Jahre kreuzt sie die Ekliptik und befindet sich dann genau „in Konjunktion“ mit dem Milchstraßenzentrum, der Anordnung, die die Esoteriker – und angeblich die Maya - für den 21.Dezember 2012 prognostizieren. Dummerweise hat die Sonne die Milchstraßenebene bereits gekreuzt, Vor 1,5 Millionen Jahren geschah dies ohne irgendwelche dramatischen oder sonstigen Auswirkungen. In drei Jahren passiert daher in dieser Hinsicht – gar nichts. Im Moment bewegen sich Sonne und Erde sogar von der Milchstraßenebene weg, die nächste Passage ist erst in mindestens 28,5 Millionen Jahren fällig.

Aber vielleicht zeigt ja 2012 wenigstens die Erdachse auf das Milchstraßenzentrum, wie von einigen postuliert? Leider auch dies nicht. Denn die Rotationsachse unseres Planeten verändert zwar im Laufe von vielen tausend Jahren ihre Ausrichtung. In einem Zyklus von 25.800 Jahren führt sie eine Art Taumelbewegung gegenüber dem Sternenhintergrund durch, die so genannte Präzession. Im Moment steht sie beispielsweise so, dass sie bei uns auf der Nordhalbkugel auf den Polarstern zeigt, in rund 12.000 Jahren jedoch wird der Stern Wega in der Konstellation Lyra der neue „Nordstern“ sein. In eine Richtung aber kann sie dabei auf keinen Fall und niemals zeigen: auf das Zentrum der Milchstraße. Damit dies geschieht, müsste schon die Erde in ihrer Bahn kippen.

Lage des Frühlingspunkts auf der Ekliptik im Laufe der Zeit 
Lage des Frühlingspunkts auf der Ekliptik im Laufe der Zeit
© GFDL  Lage des Frühlingspunkts auf der Ekliptik im Laufe der Zeit
Das Geheimnis der Wintersonnenwende
Was aber ist mit der Wintersonnenwende und der dunklen Straße, die den Horizont berührt? Zumindest hier findet sich in den 2012-Mythen das sprichwörtliche Körnchen Wahrheit: Denn zur Wintersonnenwende 2012 wird die Sonne tatsächlich vor dem dunklen Band im Zentrum der Milchstraße stehen. Bei Sonnenauf- oder Untergang berührt dann dieses Band auch scheinbar den Horizont – allerdings tut es dies im Moment jedes Jahr zur Wintersonnenwende.

Denn die Präzession der Erdachse führt auch dazu, dass die scheinbare Sonnenbahn sich gegenüber den Tierkreiszeichen am Himmel verschiebt. Alle 72 Jahre rücken die Konstellationen dabei gegenüber der Ekliptik um ein Grad weiter. Dadurch verschiebt sich auch die Position der Sonne bei der Wintersonnenwende: Im Moment befindet sie sich dabei im Sternbild des Schützen. Und dieses Sternbild wiederum liegt tatsächlich von der Erde aus gesehen nahe dem galaktischen Zentrum der Milchstraße. 2012 liefert damit zwar die beschriebene Konstellation, sie ist aber alles andere als selten oder besonders. Zudem haben wir die genaueste Ausrichtung von Erde und Sonne mit dem Milchstraßenzentrum längst verpasst: Sie ereignete sich schon im Winter 1998.

Kein Synchronisationsstrahl
Könnte wenigstens eine ungewöhnliche Strahlung aus dem Milchstraßenzentrum kommen, wie es Boers prognostiziert? Leider auch das nicht. Zwar sendet das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie tatsächlich verschiedene Formen der Strahlung aus, doch der größte Teil davon wird von den umgebenden dichten Staubwolken geschluckt. Hindurch dringen allerdings Infrarotstrahlen und eine besondere Form der Radiowellen, die so genannte Synchrotronstrahlung. Diese ist allerdings ungefährlich und entfaltet auch keinerlei mentale oder gar spirituelle Wirkung. Ein „Synchronisationsstrahl“, wie ihn die Mayas angeblich vorhergesagt haben sollen, ist der Astronomie jedoch völlig unbekannt.

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