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Freitag, 10.02.2012
„Der dunkle Weg“
Maya, Milchstraße und Konstellationen – die Mythen

 Maya-Tempel in Tikal, Guatemala
Maya-Tempel in Tikal, Guatemala
© CC by SA 2.0  Maya-Tempel in Tikal, Guatemala
Eine der verbreitetesten Endzeitmythen zu 2012 hat ihren Ursprung vermutlich am Altar 8 der klassischen Mayastadt Tikal. An ihm ist in einem Relief ein Gefangener mit auf dem Rücken gebundenen Händen zu sehen, der nach unten schaut. Unter ihm ist ein Schädel mit drei Hieroglyphen abgebildet, die von rechts nach links gelesen das Wort „Xibalbe“ ergeben.

In der Sprache der heutigen Nachkommen der Maya, der Quiché im Hochland von Guatemala, bedeutet „Xibalba“ Unterwelt, als solches kommt es auch im heiligen Buch der Quiché, dem Popol Vuh, häufig vor. Viele mesomamerikanische, aber auch andere Religionen sehen den Tod als eine Reise der Seele in das Land der Toten, in die Unterwelt. Tatsächlich hat die Silbe „be“ in den meisten Mayasprachen auch die Bedeutung Straße, Weg oder Pfad.

Blick auf die Milchstraße: Ein dunkles Staubband verdeckt das Zentrum 
Blick auf die Milchstraße: Ein dunkles Staubband verdeckt das Zentrum
© NASA  Blick auf die Milchstraße: Ein dunkles Staubband verdeckt das Zentrum
„Dunkle Straße“ am Himmel
Der amerikanische Mayaforscher Michael D. Coe entdeckte bereits in den 1970er Jahren eine weitere Entsprechung für das „Xibalbe“ der klassischen Maya: In Quiché wird auch die Milchstraße in ihrer scheinbar durch ein dunkles Band geteilten Winteransicht „xibal bey“ genannt. Die mit bloßem Auge sichtbaren dunklen Bereiche kommen durch insterstellare Staubwolken im Zentrum unserer Galaxie zustande, die das Licht hier nahezu vollständig schlucken. Coe war der Ansicht, dass für die Maya, wie auch für andere frühe Kulturen, diese gut sichtbare „dunkle Straße“ am Himmel symbolisch für den Weg der Seelen in die Unterwelt gestanden haben könnte. Soweit die klassische Mayaforschung.

Konjunktion öffnet Himmelstor…
Doch im Zuge der 2012-Mythen erhält die „dunkle Straße“ noch viel weitergehende Interpretationen: So liest man beispielsweise auf den Seiten der „Feng-Shui-Akademie“ und anderen esoterischen Seiten: „Zur Wintersonnwende im Jahr 2012 wird die Sonne in Konjunktion mit dem Äquator der Milchstraße stehen. Zu diesem Zeitpunkt findet eine äußerst seltene astronomische Konstellation statt, die sich seit Tausenden von Jahren langsam abzeichnet. Zur Dämmerung der Wintersonnwende im Jahr 2012 wird die Sonne sich direkt in dieser dunklen Spalte befinden, und zwar so platziert, dass die Milchstraße den Horizont an allen Punkten ringsum umfasst. Dadurch "sitzt" sozusagen die Milchstraße auf der Erde, berührt sie in allen Punkten ringsum - und öffnet ein kosmisches Himmelstor. Die galaktische und solare Ebene befinden sich in Konjunktion.“

…oder löst Synchronisationsstrahl aus
Andere, wie der selbsternannte Biophysiker und Esoteriker Dieter Boers, erwarten am 21. Dezember 2012 einen „Synchronisationsstrahl“ aus dem Zentrum der Milchstraße, der angeblich bereits von den Maya vorhergesagt worden sei: „Das mittelamerikanische Volk der Maya hinterließ uns hierzu die Information, dass diese ‚letzte Epoche‘ der Zeitlichkeit" durch ‚die kosmische Absicht‘ gelenkt würde. Ein sogenannter Synchronisationsstrahl würde – vom Zentrum unserer Milchstraße ausgehend – unsere Erde und damit uns Menschen neu ausrichten“, beschreibt er 2008 in einem Interview in der Zeitschrift „Hörzu“.

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