Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Polsprung
Wird sich das Magnetfeld der Erde umpolen?

Die 2012-Szenarien beschränken sich keineswegs auf astronomische Auslöser und Ereignisse, auch die Geophysik kommt dabei manchmal ins Spiel, meist in Form eines „Polsprungs“. Diese plötzliche Umkehrung des Erdmagnetfelds soll katastrophale Folgen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Tsunamis nach sich ziehen und darüber hinaus die Erde ihres natürlichen Schutzschilds gegen tödliche Strahlung aus dem All berauben.

Magnetfeld der Erde 
Magnetfeld der Erde
© MMCD
Die Umpolung ist überfällig
Die schlechte Nachricht: Solche Umpolungen gibt es wirklich und hat es im Laufe der Erdgeschichte schon häufig gegeben. Die Gute: sie ereignen sich weder schnell, noch ziehen sie katastrophale Folgen nach sich. Wenn Geowissenschaftler von einem „plötzlichen“ Ereignis sprechen, dann geht es in der Regel nicht um Monate oder Jahre, sondern um geologische Zeiträume: tausende oder gar Millionen von Jahren.

Die letzte größere Umpolung des irdischen Magnetfelds liegt heute schon rund 750.000 bis 780.000 Jahre zurück. Nach geophysikalischen Maßstäben ist dies bereits eine halbe Ewigkeit. Denn während der letzten 100 Millionen Jahre der Erdgeschichte dauerten die einzelnen Pausen zwischen den Umpolungen durchschnittlich nur 200.000 bis 500.000 Jahre. Eine erneute Inversion ist daher eigentlich längst überfällig. Kommt vielleicht 2012 die große Umpolung?

…aber erst in 1.300 Jahren
Untersuchungen zeigen, dass wir uns tatsächlich in einer Phase der abnehmenden magnetischen Feldstärken befinden. Doch Grund zur Panik besteht nicht. Da diese langsame Abschwächung sich über Hunderte von Jahren hinzieht, werden zumindest einige Generationen der Menschheit noch ohne diese Erfahrung leben. Experten schätzen, dass sich das Feld erst in rund 1.300 Jahren soweit abgeschwächt haben könnte, dass es umkippt.

 Magnetfeld während der Umpolung
Magnetfeld während der Umpolung
© LANL/G. Glatzmaier
Was genau wird dann passieren? Simulationen zeigen, dass die Magnetlinien zunächst langsam beginnen zu fluktuieren, sie bilden chaotische Strukturen. Für kurze Zeit können dabei sogar drei, vier oder sogar mehr Pole gleichzeitig entstehen. Die Intensität des magnetischen Feldes schwächt sich währenddessen um rund das Zehnfache ab. Dies hat auch Folgen für das Leben auf der Erde: Wird das Magnetfeld schwächer, nimmt auch seine Schutz- und Filterwirkung gegen die harte kosmische Strahlung ab. In dieser Phase sind daher alle Organismen auf der Erdoberfläche höheren Dosen elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt.

Kein Untergang der Menschheit
Doch Geophysiker wie Bruce Buffett von der Universität von British Columbia sehen darin dennoch keinen Anlass zur Sorge: „Es ist klar, dass auch unsere frühesten Vorfahren schon einige Umpolungen schadlos überstanden haben", erklärt Buffett. „Die offensichtlichste Konsequenz ist vermutlich, dass wir einen neuen Kompass bräuchten." Nach dieser Übergangsphase beginnen sich die Magnetlinien langsam zu stabilisieren und die Feldstärken nehmen zu. Es bilden sich wieder zwei Pole an den entgegengesetzten Enden der Erdkugel - allerdings in genau umgekehrter Polung wie zuvor.

Dass die Maya damals die Eigenschaften des Magnetfelds und seine Umpolungen kannten, ist mehr als unwahrscheinlich, ebenso eine entsprechende Vorhersage für den Dezember 2012. Denn bis heute lassen sich solche Umpolungen nicht im Voraus prognostizieren, auf das Jahr schon gar nicht. Anhaltspunkte geben allein gemessene Abschwächungen und das Wissen um den Abstand zum letzen Ereignis dieser Art – Fähigkeiten und Wissen, dass die Maya definitiv nicht hatten.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
2012 und die Maya
Steinzeit-Astronomie
Himmelslichter
Artikel zum Thema
Mythos „2012“
Die Maya, der 21. Dezember 2012 - und die Fakten
Der Untergang
Die Endzeitszenarien im Film „2012“ und anderswo
„13.0.0.0.0“
Der Maya-Kalender und die Zeitenwende
Wende, Ende oder nichts Besonderes?
Was die Maya über den „Übergang“ dachten
„Der dunkle Weg“
Maya, Milchstraße und Konstellationen – die Mythen
Milchstraßen-"Pfad" jedes Jahr
Die astronomischen Fakten
Planeten des Unheils
Wie wahrscheinlich ist eine fatale „Konjunktion“?
Sturm von der Sonne
Katastrophenauslöser Sonnenaktivität?
Polsprung
Wird sich das Magnetfeld der Erde umpolen?
Planetarer Querschläger
Unheil durch den angeblich "verborgenen" Planet Nibiru?
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links zum Thema
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen