Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Bahnbrechende Kombination
Verbindung von Polymer- und klassischer Elektronik ermöglicht neue Anwendungen

 Silizium Wafer
Silizium Wafer
© gemeinfrei  Silizium Wafer
Damit die Polytronik schneller Eingang in die Industrie findet, verbinden die Fraunhofer-Forscher die Elektronik auf Kunststoff-Basis mit dünnen, flexiblen Silizium-Chips. Ab etwa 20 Mikrometer wird das Silizium flexibel wie eine Folie. Schon vor fast zehn Jahren gelang es Ingenieuren des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM ganze Silizium-Wafer auf unter zehn Mikrometer (µm) herunter zu schleifen. Zum Vergleich: Die dünnsten Chips, die heute in Produkten auf dem Markt sind, messen immer noch 70 Mikrometer.

Mittlerweile können die IZM-Forscher sogar zwei µm dünne und damit äußerst biegsame Sensoren und Chips fertigen. „Die Chips sind weit dünner als ein Haar und lassen sich in flexiblen Folien integrieren“, erläutert Bock.

Sensorarmband 
Sensorarmband
© Fraunhofer IZM  Sensorarmband
Flexibles Sensorarmband
Wie eine solche Kombination von Polymer- und klassischer Elektronik in eine mögliche Anwendung umgesetzt werden kann, zeigen die Wissenschaftler am Beispiel eines Sensorarmbands. Hierbei sind ultradünne integrierte Schaltungen aus Silizium, gedruckte Leuchtelemente, Sensoren und polymere Widerstände in einem System integriert. Das flexible Armband ist mit einem Elektrolumineszenz-Display, einem Temperatur-, Feuchte- und Elektrosmogsensor ausgestattet, die jeweils in Rolle-zu-Rolle-Technologie gefertigt wurden.

Den Bildschirm haben die Forscher in fünf Siebdruckschritten auf einer kupferstrukturierten Polyamidfolie hergestellt. Für die Temperaturmessung wurde ein Kupfermäander auf einer Polyamidfolie konzipiert. Die Hautfeuchte misst ein auf Folie prozessierter Interdigitalkondensator und den Elektrosmog ermittelt eine kleine Resonanzschaltung mit einer geätzten Spule. „Eine mögliche Anwendung für das Sensorarmband liegt in der Überwachung von Vitalparametern am menschlichen Körper für die künftige Gesundheitsfürsorge“, erläutert Bock.

Flexible Elektronik vor dem Boom?
Die Forscher planen schon weiter: Sie wollen die Integrationsdichte der organischen Elektronik auf der Folie signifikant erhöhen. Außerdem arbeiten sie an einer organischen komplementären Elektronik sowie an einem mehrlagigen Aufbau der Polytronik.

„Flexible Elektronik ist immer noch ein recht junges Thema, das erst noch einen großen Markt finden muss“, weiß Bock. Welche neuen Möglichkeiten und Chancen die Technologie Unternehmen eröffnet, soll demnächst das bayerische Demonstrationszentrum Polytronik zeigen. Dort wollen Forscher in Zusammenarbeit mit der Industrie auf die erfolgreiche Forschungsarbeit der vergangenen Jahre aufbauen und erste Demonstratoren entwickeln. Das Projekt wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium und der Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Smart Plastics
Batterien der Zukunft
OLEDs
Kluge Klamotten
Hightech
Zoom aufs Atom
Licht
Solarenergie
Artikel zum Thema
Smarte Kunststoffe und flexible Chips
Polytronik auf dem Vormarsch
Nie mehr Venen-Thrombosen?
Kunststoffe als Grundlage für Lab-on-Chip-System
Vielseitige Polymere
Kunststoffe in der modernen Mikroelektronik
Bahnbrechende Kombination
Verbindung von Polymer- und klassischer Elektronik ermöglicht neue Anwendungen
Flexible Batterien und „E-Reader“
Gedruckte Elektronik vor dem Sprung aus den Laboren
Flexible Solarzellen machen das Leben schöner
Produkte auf Polymerbasis sollen Handys, i-pods und Co mit Energie versorgen
Schöne neue Welt
Polytronik ist im Kommen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen