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Freitag, 10.02.2012
Eis oder heiß?
Die Prognosen der Klimaforscher

Eisberg vor Grönland 
Eisberg vor Grönland
© IMSI Masterclips
Die Anzeichen für einen Klimawandel mehren sich: Seit der Jahrhundertwende hat sich die globale Durchschnittstemperatur um 0,7°C erhöht, im letzten Jahrzehnt wurden die sieben wärmsten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen gemessen und auch das Küsteneis Grönlands beginnt zu schmelzen.

Klimaforscher prognostizieren einen Temperaturanstieg von zwei bis vier Grad in den nächsten 100 Jahren, es wird wärmer im Treibhaus Erde. Doch was bedeutet dies für Europa? Gängige Szenarien malen meist blühende Landschaften in den Tundren Nordskandinaviens und Sibiriens, Wüstenklima im Mittelmeerraum und "Land Unter" für die Niederlande und weite Teile Schleswig Holsteins.

Doch es könnte auch alles ganz anders kommen: Steigende Temperaturen und Kohlendioxidkonzentrationen wirken sich nicht nur auf die Atmosphäre sondern auch auf die Ozeane aus. Messungen des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen, dass besonders der Nordatlantik sensibel auf Veränderungen reagiert. Großräumige Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation spiegeln sich daher ein bis zwei Jahre später auch in Schwankungen der nordatlantischen Meeresströmungen wieder.

Aus Daten, die das Forschungsschiff "Gauß" in den letzten Jahren gesammelt hat, geht hervor, dass sich das Oberflächenwasser des Nordatlantiks deutlich erwärmt hat. Im Winter 1999/20000 lagen die gemessenen Temperaturen bereits rund 1,5 °C über dem Mittelwert der letzten 30 Jahre. Durch diesen Temperaturanstieg verringert sich die Dichte des Oberflächenwassers.

Wenn dann auch noch, wie von Klimatologen vorhergesagt, die Niederschläge zunehmen und das Abschmelzen der Küstengletscher Grönlands weiter anhält, steigt auch der Süßwasserzustrom ins Meer und der Salzgehalt des Oberflächenwassers verringert sich. In der Folge sinkt an den beiden "Absackstellen" vor Grönland und Labrador weniger Wasser in die Tiefe, dem nordatlantischen Tiefenstrom fehlt dadurch der Nachschub und er wird schwächer. Gleichzeitig schwächt sich auch der Sog ab, der das warme Wasser des Golfstroms nach Norden zieht, das sensible Gleichgewicht des selbst-erhaltenden Förderband-Systems ist in Gefahr.

Dass dieses Szenario nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigen die großen Übereinstimmungen in den Berechnungen der Klimaforscher. Die unterschiedlichen Modelle sagen einhellig voraus, dass sich der atlantische Conveyor in den nächsten 100 Jahren um 15 bis 50 Prozent abschwächen könnte, wenn die globale Klimaerwärmung anhält. Und auch eine plötzliche "konvektive Instabilität" kann bisher niemand mit Sicherheit ausschließen. Folgerichtig konstatierte die IPCC in ihrem letzten Bericht: "Die zukünftigen Klimaveränderungen könnten auch Überraschungen beinhalten..."

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