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Montag, 21.05.2012
Spezialisierung als Todesurteil?
Theorien zum Aussterben der Säbelzahnkatzen

 Skelettrekonstruktion
Skelettrekonstruktion
© David Monniaux / GFDL  Skelettrekonstruktion
Säbelzahnkatzen hatten es gut: Arten wie Smilodon waren die größten Raubkatzen aller Zeiten, sie besaßen keine natürlichen Feinde. Trotzdem starben sie am Ende der letzten Eiszeit relativ plötzlich aus - zusammen mit anderen Tieren wie Mammuts oder Wollnashörner. Die letzten Überreste, die man von ihnen gefunden hat, stammen vor allem aus Nordamerika. Vor rund 10.000 Jahren verschwanden jedoch auch die dortigen Smilodon- und Homotherium-Populationen abrupt von der Erde.

Meteoriteneinschläge und Klimawandel
Bei der Suche nach den Ursachen für dieses Phänomen tappen die Wissenschaftler noch weitgehend im Dunkeln. Auszuschließen ist wohl, dass, wie von manchen Forschern spekuliert, ein gewaltiger Asteroiden- oder Kometeneinschlag über Nordamerika hereinbrach und für lebensuntaugliche Bedingungen für manche Tiere sorgte.

Schon erheblich wahrscheinlicher ist da eine andere mögliche Ursache: Klimawandel. Dabei brachten die steigenden Temperaturen nach der Kaltphase noch nicht einmal die Säbelzahnkatzen selbst in Bedrängnis, dafür aber ihre Beute. Denn viele Kälte liebende Lebewesen mit ihren hochspezialisierten Anpassungen waren nicht in der Lage, sich schnell genug auf die globale Erwärmung einzustellen und gingen elendig zu Grunde.

So wie das Mammut, das damals vermutlich unter akutem Nahrungsmangel litt. Denn nach dem Ende der Eiszeit veränderte sich die Vegetation drastisch. Moostundren und Wälder dehnten sich immer weiter aus und traten an die Stelle der für die Weidetiere so wichtigen Graslandschaften der Steppen.

Homotherium-Schädel 
Homotherium-Schädel
© GFDL  Homotherium-Schädel
Anpassung kann tödlich enden
Mit dem Verschwinden von Mammut, Wollnashorn und Riesenhirsch wurde den Säbelzahnkatzen ihre extrem angepasste Jagdstrategie, die auf große Beutetiere setzte, zum Verhängnis. Dies vermuten zumindest Forscher wie Steve Wroe von der University of New South Wales und Colin McHenry von der University of Newcastle.

„Das ist einer der goldenen Regeln der Paläontologie“, erklärt McHenry. „Spezialisierung sorgt für kurzfristigen Erfolg, ist aber auf Dauer ein großes Risiko. Denn wenn das Ökosystem ins Wanken gerät, bist du der erste Kandidat für’s Aussterben. Es sind die Generalisten, die überleben.“

Fossilien als Helfer
Klingt logisch, aber die Sache hat einen Haken. Denn in Europa starben die letzten Säbelzahnkatzen der Art Homotherium wahrscheinlich bereits vor rund 28.000 Jahren aus – und damit zu einem Zeitpunkt, als die Eiszeit noch in vollem Gange war und es Beute genug gab.

 Asphaltgrube in La Brea
Asphaltgrube in La Brea
© Buchanan-Hermit / gemeinfrei  Asphaltgrube in La Brea
Bis endgültig alle Rätsel um die Säbelzahnkatzen, über ihr Leben und Sterben, gelöst sind, wird es demnach noch ein bisschen dauern. Den Schleier des Geheimnisses lüften können nach Angaben von Wissenschaftlern wohl vor allem neue Fossilfunde, womöglich sogar in Form vollständiger Skelette. Aber wer weiß, vielleicht liefert die Nordsee schon bald neue Relikte aus der letzten Eiszeit. Oder es tut sich eine ganze neue Fundstelle auf, die möglicherweise sogar die von Rancho La Brea in Kalifornien an Bedeutung übertrifft…

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