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Freitag, 10.02.2012
Endlager am Baikalsee
Die Pläne von Rosatom

Ein weiteres Damoklesschwert hängt seit 2006 über dem Baikalsee. Die russische Atombehörde Rosatom will gemeinsam mit dem kasachischen Pendant Kazatomprom ein elektrochemisches Kombinat in Angarsk umbauen und unter Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde zur einem Zentrum für Urananreicherung (UEC) und die Endlagerung von Atommüll machen. Das Projekt sieht vor, internationalen Kunden wie beispielsweise dem Iran die Urananreicherung abzunehmen und Kernbrennstoffe für Atomkraftwerke oder Nuklearwaffen herzustellen.

95 km vom Ufer entfernt
Urananreicherung und Atom-Endlager wären damit nur 95 Kilometer vom Ufer des Baikalsees entfernt. Kritiker weisen darauf hin, dass dies ein Desaster für die Region am Baikal wäre. Von dem angereicherten Uran würde nur etwa zehn Prozent an den Kunden zurückgehen. Etwa 90 Prozent blieben weiterhin in Angarsk gelagert.

 Bedrohte Schönheit Baikalsee
Bedrohte Schönheit Baikalsee
© Bodo Thöns  Bedrohte Schönheit Baikalsee
Mit diesem Vorhaben wäre Russland das einzige Land weltweit, das radioaktiven Müll aus dem Ausland entgegennimmtum ihn zu verarbeiten, über kürzere Zeiträume zu lagern sowie im Endlager zu deponieren. Nebenprodukte der Uran-Bearbeitung könnten sowohl das Wasser des Baikals direkt verschmutzen als auch Bewohner der Umgebung gefährden. Nach den bisherigen Plänen, soll das das Nuklear-Zentrum bis zum Jahr 2017 abgeschlossen sein.

Weniger schädlich als Chemiewerk?
Laut der russischen Umweltorganisation „Baikal-Welle“ gehen die Auftraggeber davon aus, dass Urananreicherungswerk und Endlager „deutlich weniger umweltverschmutzend“ sein werde als das chemische Kombinat, an dessen Stelle es errichtet werden soll.

Die Umweltschützer vermuten, dass bereits jetzt mehr als 250.000 Tonnen nuklearen Abfalls in Angarsk lagern, mit dem neuen Nuklear-Zentrum würde die Menge um ein vielfaches steigen. Und anstelle zuerst einmal die Umweltschäden, die das Chemie-Kombinat verursache, zu beseitigen, wolle man nun ein weiteres Umweltproblem schaffen.

Bei dem Projekt handele es sich um eine „nicht zu akzeptierende und unangemessene Investition“, so die Aktivisten der „Baikal-Welle“, „die lediglich den Interessen einer kleinen Gruppe, angeführt durch Rosatom, nicht aber den Einwohnern des Gebiets Irkutsk“.

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