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Freitag, 10.02.2012
Fenster in die Erde
Kupfer aus dem Tagebau

Egal, ob Diamanten aus Südafrika, Erze aus Chile oder Kohle aus Deutschland und den USA: Viele von uns dringend benötigte Rohstoffe werden heute in offenen Gruben, so genannten open pits oder Tagebauen, gewonnen. Erste Versuche mit dieser Art des Bergbaus starteten schon die Menschen in der Steinzeit. Damals - vor mindestens 5.000 bis 7.000 Jahren - ging es vor allem darum, Baumaterialien an die Hand zu bekommen oder Bodenschätze zur Herstellung von Waffen oder Schmuck aus der Erde zu holen.

Heute hat nicht nur die Größe der Minen neue Dimensionen erreicht, sondern auch die verwendete Technik. Waren es früher vor allem Picke und Schaufel, die zum Einsatz kamen, werden fossile Brennstoffe oder metallhaltiges Gestein mittlerweile mit riesigen Schaufelradbaggern, Bulldozer und Radladern abgebaut.

 Bingham Canyon Mine
Bingham Canyon Mine
© Tim Jarrett / GFDL  Bingham Canyon Mine
Höher als ein Haus
Dazu gehören auch die größten LKWs der Welt, die überall dort ihren Dienst tun, wo gewaltige Erd- und Gesteinsmassen bewegt und abtransportiert werden müssen. So wie in der Bingham Canyon Mine südwestlich von Salt Lake City im U.S. Bundesstaat Utah.

Seit 1906 werden hier beständig Erze abgebaut. Mittlerweile ist der Tagebau vier Kilometer breit, 1,2 Kilometer tief und bedeckt eine Fläche von 7,7 Quadratkilometer Land. Damit ist die Bingham Canyon Mine die größte weltweit vom Menschen ausgehobene Grube überhaupt – behauptet zumindest die Betreibergesellschaft Kennecott Utah Copper Corporation.

Bis zum Jahr 2004 wurden dort 17 Millionen Tonnen Kupfer, 715 Tonnen Gold und 5.900 Tonnen Silber „geerntet“. Dazu kommen noch größere Mengen an Molybdän, das zurzeit vor allem zur Herstellung von Metalllegierungen dient.

Escondida-Mine 
Escondida-Mine
© NASA/GSFC/MITI/ ERSDAC/JAROS, and U.S./Japan ASTER Science Team  Escondida-Mine
Kupfer = Chile
Das meiste Kupfer - 15.600.000 Tonnen wurden nach Angaben des United States Geological Survey im Jahr 2007 weltweit produziert – stammt aber nicht aus den USA sondern aus Chile. Der langgestreckte Andenstaat ist mit rund einem Drittel unangefochtener Spitzenreiter bei der Förderung dieses Metallerzes. Und die Folgen dieses Bergbaus sind sogar aus dem All sichtbar. So hat man beispielsweise auf Satellitenbildern der Atacama-Wüste einige ungewöhnliche Sprenkel in der Haut der Erde entdeckt. Bei näherem Hingucken entpuppten sich diese als riesige, offene Gruben.

Denn auch in Chile sind es nicht viele kleine Minen, die für den gewaltigen Batzen an Kupfer sorgen, sondern ein Tagebau-Duo – Chuquicamata und Escondida. Dieses befindet sich 215 Kilometer nordöstlich beziehungsweise 170 Kilometer südöstlich der Stadt Antofagasta. Die beiden Escondida open pits sind sogar die größten Kupferlieferanten der Welt. 1,483 Millionen Tonnen des Metalls kamen im Jahr 2007 von hier. Wert: 10,12 Milliarden US-Dollar.

Riesige Zwerge
Noch bekannter ist allerdings die auf 3.000 Meter Höhe gelegene Chuquicamata-Mine. Schon fast 100 Jahre wird hier in großem Maßstab Kupfer gefördert. Kein Wunder, dass die Grube mittlerweile mindestens 4,3 Kilometer lang und drei Kilometer breit ist.

 Megatrucks in Chuquicamata
Megatrucks in Chuquicamata
© Tennen-Gas / GFDL  Megatrucks in Chuquicamata
Wer einmal am Rande von Chuquicamata gestanden hat, wird diesen Anblick nie vergessen. Rund 900 Meter weit geht es hier in die Tiefe. Doch das ist längst noch nicht alles. Denn trotz der enormen Größe der Mine fühlt man sich unwillkürlich in das Land „Liliput“ aus Gullivers Reisen versetzt. Vor allem, wenn sich mit Kupfer beladene Trucks wie in Zeitlupe die unzähligen Serpentinen am Rand der Mine hochquälen. Dann wirken sie wie Spielzeug-LKW, die man ohne weiteres in die Hand nehmen könnte. Doch erreichen sie dann nach stundenlanger Fahrzeit mit lautem Getöse den Rand der Grube, erkennt man ihre wahren Dimensionen: sieben Meter breit und zwölf Meter hoch sind diese Ungetüme und sie transportieren mehrere hundert Tonnen Gestein.

In den nächsten Jahren soll Chuquicamata noch weiter ausgebaut werden. Doch die Betreiber müssen vorsichtig sein. Denn wenn es noch viel tiefer wird, gerät die Bergstatik in Unordnung und Erdbeben könnten fatale Folgen haben.

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