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Freitag, 10.02.2012
Ein Mythos wird entschleiert
Streit um das Big Hole

22,5 Millionen Tonnen Erde, Gestein und Minerale sind von Diamantensuchern zwischen 1871 und 1914 aus dem Big Hole in Südafrika an die Oberfläche befördert worden. Das klingt viel. Doch reicht das auch, um es zur größten von Hand geschaffenen Grube der Erde zu machen?

 Natürliche Diamanten im Brillantschliff
Natürliche Diamanten im Brillantschliff
© Mario Sarto / GFDL  Natürliche Diamanten im Brillantschliff
Jag-hole ist die Nummer 1
Nein, sagt zumindest der Kimberley-Geschichtsforscher Steve Lunderstedt. Im Mai 2005 stellte er auf einer Veranstaltung der Historical Society of Kimberley eine Studie vor, in der er historische Dokumente und Karten über Minen in Kimberley und anderswo ausgewertet hatte.

Das Ergebnis war überraschend und desillusionierend - vor allem für die Tourismus-Industrie im Ort Kimberley: Denn das größte nur mit Picke und Schaufel gegrabene Guckloch in die Erde ist offenbar die nahe dem Ort Jagersfontein in Südafrika gelegene Jagersfontein Diamantenmine. Danach folgt die Bultfontain-Mine in Kimberley und dann erst das Big Hole.

Da diese Untersuchung die erste ihrer Art ist, sei man früher offenbar einfach „in gutem Glauben“ davon ausgegangen, dass das Big Hole den Weltrekord verdient habe, so Lunderstedt weiter.

Auftrag misslungen
„Ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Forschungsarbeiten das Big Hole absetzen würden“, sagte der auch als Reiseführer und Schriftsteller tätige Historiker auf der Tagung in Südafrika. Eigentlich war er sogar angetreten, um den Ruf des Big Hole zu bestätigen: „Ich hatte die Nase voll zu hören, dass das ‚Jag-hole‘ (Jagersfontain) die größte Mine sein sollte und begann meine Untersuchungen um die Rechnung ein für alle mal zu begleichen.“

Größer aber nicht tiefer
Lunderstedts Recherchen brachten aber noch mehr ans Tageslicht. So erreichten die Diamantenschürfer laut den Abbauberichten im Jag-hole eine Tiefe von 201 Metern, in der Bultfontain-Mine waren es 189 Meter und im Big Hole vermutlich sogar 220 Meter. Demnach war das Big Hole vielleicht nicht das größte von Hand geschaffene Loch, höchst wahrscheinlich aber das tiefste.

Der Historiker befürchtet ohnehin nicht, dass seine Arbeit negative Auswirkungen auf die Attraktivität des Big Hole für Touristen haben könnte. Der Grund: „Es ist ein romantisches Kapitel der Diamantenwelt und das Big Hole ist noch immer eines der größten seiner Art auf der Erde.“

El Chino 
El Chino
© GFDL  El Chino
Hightech sorgt für neue Rekorde
Egal ob Lunderstedt mit seinen Ergebnissen und Schlussfolgerungen richtig liegt: Die Zeiten des manuellen Abbaus von Rohstoffen sind ein für alle mal vorbei und es gibt längst neue Rekorde zu feiern. Denn mithilfe von Hightech graben sich die modernen „Schatzsucher“ heute viel schneller und viel tiefer in die Erde hinab als die Pioniere vor 100 Jahren…

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