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Während noch vor wenigen Jahren Klonforschung beim Menschen grundsätzlich als unverantwortlich und unethisch abgelehnt wurde, scheint dieses pauschale Urteil heute nicht mehr ganz so leicht.
Viele Forscher, die noch zu Dollys Zeiten jedes Klonen menschlicher Zellen vehement abgelehnt haben, arbeiten heute selbst an solchen Projekten und betonen, es gehe dabei ja schließlich nicht um "reproduktives Klonen". Und unlängst forderten britische Wissenschaftler von ihrer Regierung die Aufhebung des absoluten Verbots von Klonversuchen mit menschlichen Zellen zugunsten einer Genehmigung von "therapeutischem Klonen".
Hat die Wissenschaft das Klonen von Menschen jetzt fein säuberlich in ein "gutes", nämlich das therapeutische, und ein "schlechtes", das reproduktive aufgeteilt? Im Moment scheint es fast so.
 | | Therapeutisches Klonen © ACT, verändert | Schon seit einigen Jahren spielen menschliche Zellen, die im Reagenzglas in Kultur gehalten werden, in der Forschung eine immer größere Rolle. Künstlich vermehrte und am Leben erhaltene Blut-, Bindegewebe-, Nieren- oder Leberzellen sind die Basis für viele Versuche in der Krebs- und Virusforschung. In der Arzneimittelindustrie sollen diese "in vitro-Kulturen" in Zukunft immer mehr Tierversuche überflüssig machen. Streng genommen bestehen auch diese Kulturen vielfach bereits aus geklonten Zellen, da sie aus der Vermehrung von einigen wenigen oder sogar einer einzelnen Zelle des entsprechenden Gewebetyps entstanden sind.
"Ein revolutionäres Potenzial..."
Beim therapeutischen Klonen nach der Dolly- oder Honolulumethode können dagegen aus einer einzigen Körperzelle eine Vielzahl der verschiedensten Gewebe und Organe entstehen. Besonders die Zellen der ersten Teilungsstadien eines auf diese Weise produzierten Klonembryos haben ein geradezu revolutionäres Potenzial. Der Grund: diese sogenannten Stammzellen können sich nicht nur nahezu unbegrenzt vermehren, sondern dabei auch alle möglichen Organe und Gewebetypen bilden.
Für die Befürworter eines therapeutischen Klonens, unter ihnen auch Ian Wilmot, bedeutet dies "eine einmalige Chance, Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zu bekämpfen". Es werden Szenarien entworfen, in denen Krebskranken mithilfe des Klonens ihre jeweils passenden Knochenmarkszellen erhalten. Dazu müsse ihnen nur eine Körperzelle entnommen, mit einer passenden Hülle versehen und geklont werden - schon sei das oft monate- oder jahrelange Warten auf einen passenden Knochenmarksspender überflüssig.
Embryonen als Ersatzteillager?
Das Gegenbild entwerfen die Kritiker dieses Forschungseifers. Für sie ist die Produktion von menschlichen Embryonen als Rohmaterial für Organe und Gewebe nicht mit dem Schutz des menschlichen Lebens vereinbar. Embryonen, selbst wenn sie nur wenige Tage alt sind, seien bereits Menschen und dürften nicht als Ersatzteillager gebraucht werden. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch das deutsche Embryonenschutzgesetz, dass (noch) eine solche Forschung generell verbietet.
Andere Kritiker malen das Schreckensbild des "bösen" weil reproduktiven Klonens an die Wand: Bestrebungen, mithilfe des therapeutischen Klonens die Neuprogrammierung von menschlichen Zellen und Genen immer besser zu verstehen, würden zwangsläufig auch das Knowhow für das Klonen ganzer Menschen liefern. Ist das technische Wissen dazu erst einmal vorhanden, kann es unter Umständen bereits zu spät sein, diese Entwicklung noch aufzuhalten. Dann würde, so die Befürchtung, einer Schaffung von Menschen nach Maß, wie es Aldous Huxley schon 1932 in seinem Buch "Schöne neue Welt" beschrieb, nichts mehr im Wege stehen.
Im Moment scheitern die Klonforscher freilich noch daran, überhaupt gezielt bestimmte Gewebe durch Klonen herzustellen. Die fundamentalen Kenntnisse darüber, wie die Differenzierungsprozesse in einem menschlichen Embryo gesteuert werden, fehlen noch. Aber der Klonierungswettlauf läuft....
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