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Sonntag, 21.03.2010
"Viele kleine Babys..."
Die Klonpläne des Richard Seed

Seine Ankündigung traf genau den Nerv: Als der US-Physiker Richard Seed Anfang des Jahres 1998 öffentlich verkündete, er wolle demnächst die erste Klonklinik der Welt eröffnen, war er ein gefundenes Fressen für die Medien in aller Welt. Spekulationen, Horrorvisionen und Schreckensbilder machten die Runde, Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen in aller Welt distanzierten sich von dem "schwarzen Schaf" aus ihrer Mitte.

Babys 
Babys
© IMSI MasterClips/MMCD
Dabei klang es aus Seeds Mund doch eigentlich ganz harmlos, geradezu naiv: "Ich will der Menschheit Spaß bringen, viele süße kleine Babys". Weniger harmlos an dem Kindersegen war allerdings ihre Entstehung: Die Babys sollten nach der Dolly-Methode produziert werden - geklont aus der Körperzelle eines Erwachsenen.

Zumindest in Fachkreisen war der 69jährige Richard Seed zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter. Obwohl selbst kein Mediziner, hatte sich der Physiker schon seit über zwanzig Jahren im Geschäft mit der künstlichen Befruchtung einen Namen gemacht. Er war der erste, der zusammen mit seinem Bruder, dem Chirurgen Randolph Seed, in den siebziger Jahren einer Leihmutter einen Embryo von einer unfruchtbaren Frau einpflanzte.

Seit dieser Zeit ist vor allem in Amerika eine ganze Reproduktionsindustrie entstanden, die es versteht, aus dem verzweifelten Kinderwunsch unfruchtbarer Paare große Gewinne zu erzielen. Mittlerweile können sich kinderlose Paare nicht nur eingefrorene Embryonen kaufen, sondern dabei teilweise sogar Wünsche nach bestimmten Rassen oder Augenfarben äußern. Für Seed schien und scheint es da nur folgerichtig, Paaren mit Kinderwunsch künftig Embryonen nicht nur nach Katalog, sondern auch nach Maß zur Verfügung zu stellen. Geklont aus dem eigenen oder nach Wunsch vielleicht sogar anderen Körperzellen.

Für ihn ist klar: "Sobald das Klonen von Menschen möglich ist, wird es Kunden dafür geben. Und wenn ich sie nicht bediene, wird es ein anderer tun."

In der Tat, die Kunden sind sogar schon da: Nach Seeds Ankündigung in den Medien meldeten sich hunderte unfruchtbarer Paare bei ihm, die sich klonen lassen wollten, weil alle anderen Methoden der künstlichen Befruchtung bei ihnen versagt hatten. Seed: "Ich habe den Leuten gesagt, dass sie ganz oben auf der Warteliste stehen und das ich ihnen sofort Bescheid sage, wenn es bei uns losgeht."

Obwohl die vor gut zwei Jahren angekündigte Klonklinik noch nicht steht, hat Richard Seed seine Pläne nicht aufgegeben. Er ist nach wie vor fest entschlossen, den Gewinn nicht anderen zu überlassen. Und ethische Bedenken hat er ohnehin keine: "Wenn Gott nicht gewollt hätte, das wir unser Gehirn benutzen dann hätte er uns keines gegeben. Ich kann nicht verstehen, warum sich die Bioethiker so gegen den wissenschaftlichen Fortschritt wehren."

Mit letzterem könnte der Exzentriker sogar recht haben: Obwohl das reproduktive Klonen in den meisten Staaten der Welt heute verboten ist und Clinton auch für Amerika ein strengeres Gesetz anstrebt, laufen die Forschungen an neuen Methoden in amerikanischen Labors auf Hochtouren. Noch fehlen die technischen Voraussetzungen, aber sind diese einmal vorhanden, könnte Richard Seed vielleicht doch noch recht behalten. Er prognostiziert: "Das Klonen von Menschen ist nicht zu stoppen, es wird sich so oder so durchsetzen."

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