|
Noch vor einigen Jahren völlig undenkbar, ist es jetzt in greifbare Nähe gerückt: das Klonen von Menschen. Seit Dolly arbeiten Labors rund um den Erdball fieberhaft daran, die Klontechnik weiter zu entwickeln. Immer neue Methoden und Tierarten werden getestet. Die Zahl der Klonkälber, -schweine und -schafe wächst, und ebenso die der Wissenschaftler und Biotechnologiefirmen, die in diesen zukunftsträchtigen Markt drängen.
 | | Menschliche Eizelle © NAH | Je weiter die Technologie voranschreitet, desto stärker rückt die Tatsache ins Bewusstsein, dass der Mensch, rein biologisch gesehen, eigentlich auch nur ein Säugetier ist. Die ehemals eherne Grenze zwischen Mensch und Tier scheint aufzuweichen. Noch vor einigen Jahren als absolutes Tabu behandelt, werden Für und Wider des menschlichen Klonens heute zunehmend öffentlich diskutiert.
Noch 1997 erklärte Ian Wilmot, der Schöpfer des Klonschafs Dolly: "Es gibt keinen medizinischen Grund, warum man ein menschliches Wesen klonen sollte." Und auch Carl Feldbaum, Präsident des größten Biotechnologie-Industrieverbands bezog damals (noch) klar Stellung: "Ich kann mir keinen triftigen Grund vorstellen, warum diese Technik auf menschliche Wesen angewendet werden sollte."
Von der Realität überholt...
Aber diese Zeiten sind - zumindest nach den Zeitmaßstäben der Biotechnologie - offenbar lange vorbei. Noch während Politiker, Philosophen und Juristen sich über Regelungen, Gesetze und Beschränkungen den Kopf zerbrechen, hat die Realität der Forschung die damaligen Statements längst eingeholt:
Ende 1998 teilten Wissenschaftler der Universität Seoul der Weltöffentlichkeit mit, sie hätten zum ersten Mal menschliche Zellen geklont. Aus dem Kern einer Körperzelle einer Frau und der Hülle einer ihrer Eizellen sei ein aus vier Zellen bestehender Embryo entstanden.
Zeitgleich mit dieser Nachricht forderten Wissenschaftler in Großbritannien ihre Regierung auf, Klonforschung am Menschen künftig in Teilbereichen zuzulassen. Der Medizin solle nicht der Weg verbaut werden, mit geklonten menschlichen Embryonen Organe oder Gewebe herzustellen um damit schwere Krankheiten zu behandeln.
Auch Ian Wilmot klang nun, kaum ein Jahr nach seiner kategorischen Ablehnung von Klonversuchen mit menschlichen Zellen, plötzlich völlig anders: Es komme schließlich darauf an, wofür die geklonten Embryonen verwendet werden sollen. In dieser Technik stecke ein großes Potenzial für die Medizin, so der Dolly-Schöpfer im Dezember 1998.
Die Lawine rollt...
In den USA haben Wissenschaftler der Firma Advanced Cell Technology (ACT) im Sommer 1999 nach eigenen Aussagen einen menschlichen Embryo nach der Dolly-Methode geklont. Als Spenderzelle nutzten sie dafür eine Hautzelle aus dem Bein eines erwachsenen Mannes und pflanzten deren Kern in eine vorher entkernte Hüllzelle einer Kuh. Der entstandene Klon-Embryo teilte sich und wurde zwei Wochen später getötet, um dem amerikanischen Embryonenschutzgesetz genüge zu tun.
In der Öffentlichkeit lösten Berichte über dieses Experiment einen Sturm der Entrüstung aus. Horrorvisionen von Chimären machte die Runde und Politiker, Medien und die öffentliche Meinung waren sich in ihrer Ablehnung einig. Die Forscher aber kümmerte das eher wenig. Die Firma Geron bestätigte noch im selben Monat gegenüber der amerikanischen Zeitung Washington Post, dass sie an einem Klonverfahren mit menschlichen Eizellen als Hülle für ebenfalls menschliche Spenderkerne arbeiten. Ziel sei dabei die Produktion menschlicher Stammzellen für therapeutische Zwecke. Und auch Ian Wilmot wollte im weltweiten Klonierungswettlauf nicht länger zusehen: Seit Anfang 1999 arbeitet er an einem Projekt, bei dem aus geklonten Embryos menschliche Stammzellen gewonnen werden sollen. Damit könnten, so der Forscher, "Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson bekämpft werden."
Signale...
In den USA deutet sich inzwischen eine Trendwende an, die auch für andere Staaten Signalcharakter haben könnte: Bisher war die Forschung an menschlichen Embryonen dort zwar erlaubt, wurde aber nicht mit staatlichen Geldern gefördert. In Zukunft können Biotechnologiefirmen und Universitäten vielleicht sogar auf Zuschüsse von Staat hoffen. Eine Förderung des Klonens von menschlichen Zellen für medizinische Zwecke ist zumindest in der Diskussion.
|
| zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | weiter |