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Mittwoch, 08.02.2012
Von Mäusen und Menschen
Die Honolulu-Technik und Dollys Ehrenrettung

Was kam nach Dolly? Erst einmal lange Zeit nichts. Noch im Frühjahr 1998, ein Jahr nach der Geburt des ersten Klonschafs aus einer adulten Zelle, war es niemandem gelungen die Methode von Wilmot und Cambell zu reproduzieren. Erste Zweifel an Dolly kamen auf: War sie vielleicht doch kein echtes Adultklon? Als dann auch noch bekannt wurde, dass das Spenderschaf zum Zeitpunkt der Zellentnahme schwanger war, lief die Gerüchteküche heiß: Waren vielleicht doch streunende embryonale Zellen aus dem Blut des Spenderschafs für Dolly verantwortlich? Hatten die Forscher des schottischen Roslin Instituts unsauber gearbeitet?

Auf einer Tagung im Februar 1998 trat Ian Wilmot, Dollys "Schöpfer", diesen Vorwürfen energisch entgegen: "Erst wenn das Experiment in einem weiteren Jahr nicht wiederholt worden ist, wären Zweifel angebracht". Keine drei Monate später waren Wilmot und sein Team rehabilitiert: Wissenschaftler der amerikanischen Firma Advanced Cell Technology klonten das erste Kalb nach der Dolly-Methode. Von da an meldeten bald Forschunglabors überall auf der Welt weitere Erfolge beim Klonen von adulten Säugetierzellen - der Damm schien gebrochen.

Mäuse 
Mäuse
© accessexellence
Aus Honolulu kam im Juli 1998 die Nachricht, Forschern der Universität von Hawaii sei mit einer verbessserten Klontechnik erstmals das Klonen von erwachsenen Mäusen gelungen. Obwohl normalerweise Mäuse für die meisten Experimente als ideale und einfachste Modellorganismen gelten, ist dies ausgerechnet beim Klonen nicht so. Das Problem: Im Gegensatz zu Schaf- oder Kuheizellen legen die Mäuseeizellen keine Pause nach der Befruchtung ein, sondern beginnen sofort sich zu teilen. Wird einer solchen Eizelle eine fremde Zelle nach der Dolly-Methode eingepflanzt, bleibt nicht genügend Zeit für den Zellkern, sich von seiner Hungerkur wieder auf normale Bedingungen einzustellen. Das neugeschaffene Klon stirbt deshalb schon vor oder kurz nach der ersten Teilung.

Es scheint wie ein Teufelskreis: Ohne Hungerkur keine Synchronisation der Zellzyklen und damit kein Klon. Mit Hungerkur ein "verschlafener" Kern und auch kein Klon.

Teruhiko Wakayama und Ryuzo Yanagimachi lösten dieses Dilemma auf eine verblüffend einfache Weise: Sie benutzten Zellen als Spender, die von Natur aus immer oder vorwiegend in der begehrten "GO-Phase" verharren und umgingen damit das Problem der Hungerkur. Als aussichtsreichste Spenderkandidaten entpuppten sich dabei Zellen aus dem Eierstock der Weibchen, die sogenannten Cumuluszellen.

Im Gegensatz zu Wilmot und seinem Team hielten Wakayama und Yanagimachi diese Spenderzellen nicht erst in Kultur, sondern setzten den isolierten Kern der Cumuluszellen direkt nach der Entnahme aus der Maus in eine entkernte Eizelle ein. Weil dabei nur der nackte Kern eingesetzt wird, muß keine künstliche Zellfusion induziert werden. Stattdessen akzeptiert die Hüllzelle ihren neuen Kern nach rund einer Stunde ohne äußeres Einwirken. Fünf Stunden später wird die neue "Kombizelle" in eine Nährlösung verfrachtet, die den Beginn der Zellteilung anregt und der Klonembryo beginnt zu wachsen.

Um nachzuweisen, dass die so entstandenen Klonmäuse fruchtbar sind, ließen die Forscher die Mäuse sich völlig "normal" fortpflanzen. Zugleich nutzten sie auch einige der geklonten Tiere als Klonspender. Am Ende bevölkerten fünfzig Klonmäuse, darunter auch Klone von Klonen von Klonen, das Labor in Honolulu.

Mit der Klonierung dieser Mäuse bestätigte sich, was Dolly als "erste ihrer Art" schon demonstriert hatte: Säugetiere können aus erwachsenen, voll ausdifferenzierten Zellen geklont werden. Damit ist - rein technisch gesehen - auch das Klonen des "denkenden Säugetiers" Mensch nur noch eine Frage der Zeit...

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